Politik

Baldiger Rückzug aus Syrien? Trumps Rede sorgt für Verwirrung

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Trump sprach am Donnerstag in Ohio - einen Tag später ist die Verwirrung groß. Nicht einmal das Außenministerium war informiert.

(Foto: imago/UPI Photo)

In einer Rede kündigt US-Präsident Trump an, die US-Truppen bald aus Syrien zurückzuziehen. Damit überrascht er nicht nur andere Konfliktparteien, sondern auch das eigene Außenministerium.

US-Präsident Donald Trump äußert Regierungskreisen zufolge auch in vertraulichen Gesprächen den Wunsch, die amerikanischen Soldaten schnell aus Syrien abzuziehen. Dies habe Trump seinen Beratern gesagt, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters von zwei hochrangigen Mitarbeitern.

Damit stellt sich Trump gegen viele Mitglieder des Regierungsapparates. Im Moment sind in dem Bürgerkriegsland etwa 2000 US-Soldaten stationiert, um gegen die Extremistenmiliz Islamischer Staat zu kämpfen. Trump hatte am Donnerstag in einer Rede in Ohio überraschend erklärt, die Truppen würden "sehr bald" abgezogen und die Verantwortung für die Sicherheit an andere Länder übertragen.

Trump hatte die Abzugs-Ankündigung offenbar nicht mit seiner Regierung abgestimmt: Das Außenministerium in Washington wusste nach eigenen Angaben nichts von einer entsprechenden Entscheidung. Auf die Frage, ob sie über die Pläne im Bilde sei, sagte Ministeriumssprecherin Heather Nauert: "Bin ich nicht, nein. Nein."

Die Regierungsmitarbeiter sagten dazu, diese Äußerungen spiegelten interne Beratungen wieder. Trump habe dabei die Truppenpräsenz infrage gestellt. Einer der beiden Mitarbeiter erklärte, Trump wolle die Verantwortung an andere Staaten abgeben, wenn der IS zerstört sei. Dies sei aber noch nicht mal annährend der Fall.

Tillerson wollte Einsatz ausweiten

Zuletzt waren in Syrien ein amerikanischer und ein britischer Soldat bei der Explosion eines Sprengsatzes an einer Straße getötet worden. Der Vorfall ereignete sich Regierungskreisen zufolge am Donnerstag in der Nähe von Manbidsch im Norden des Landes. In dem Ort gilt der IS als weitgehend besiegt. Trotz ihrer Niederlagen begehen die Extremisten in Syrien und im Irak immer wieder Bombenanschläge oder Attentate.

Auch vier örtliche Gemeindevertreter seien getötet worden. Manbidsch war von kurdischen Kämpfern mit Unterstützung der US-geführten Koalition vom IS befreit worden. Die an einer Schnittstelle von verschiedenen Einflusszone liegende Stadt könnte sich aber zu einem neuen Konfliktherd entwickeln. Manbidsch liegt 30 Kilometer südlich der türkischen Grenze. Die USA sind dort mit Spezialkräften präsent.

Die IS-Miliz hatte im Juni 2014 ein "Kalifat" in großen Teilen Syriens und des Irak ausgerufen. Durch den Einsatz einer von den USA angeführten Militärkoalition verloren die Dschihadisten seitdem aber stark an Boden.

Im Januar hatte der damalige Außenminister Rex Tillerson noch angekündigt, den US-Militäreinsatz in Syrien auszuweiten, um die IS-Miliz weiter zu bekämpfen und Assad aus dem Amt zu drängen. Trump hat Tillerson Mitte März entlassen.

Quelle: n-tv.de, vpe/rts/AFP

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