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Deutsche Behörden waren gewarnt Tunesier wollte zum IS reisen

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Sicherheitskräfte untersuchten mehrere Wohnungen in Köln.

(Foto: dpa)

Der Tunesier, der in Köln offenbar an einer Rizin-Bombe baute, war den deutschen Behörden bekannt. Medienberichten zufolge hatte die Türkei diese gewarnt, weil der Mann zum IS ausreisen wollte. Dennoch wurde er nicht als Gefährder eingestuft.

Der in Köln festgenommene Tunesier Sief Allah H. hat sich einem Zeitungsbericht zufolge durch seine Ausreiseversuche zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS) verraten. Das Bundesamt für Verfassungsschutz war bereits im April 2017 wegen der Ausreisepläne auf den 29-Jährigen, der in seiner Wohnung den Biokampfstoff Rizin für einen Giftanschlag hergestellt haben soll, aufmerksam geworden. Dies berichtet der "Kölner Stadt-Anzeiger" unter Berufung auf Sicherheitskreise.

Wie der "Spiegel" schreibt, hatte Allah H. bei seinen Ausreiseversuchen wahrscheinlich auch Unterstützung durch Anhänger des IS gehabt. Die Reise des 29-Jährigen sei aber jeweils in der Türkei gescheitert. Die türkischen Behörden hätten die deutschen informiert. Dennoch sei weder ein Ermittlungsverfahren gegen ihn eingeleitet, noch sei er als islamistischer Gefährder eingestuft worden. Eine Sprecherin des NRW-Innenministeriums nahm dazu keine Stellung und verwies auf die Bundesanwaltschaft. Diese wollte den Bericht auch nicht kommentieren.

Bei der Festnahme des Tunesiers fand sich laut "Kölner Stadtanzeiger" ein Schlüssel, der neben seinen beiden Wohnungen zu acht weiteren leer stehenden Objekten gepasst habe. Dort suchten die Ermittler am Freitag nach weiteren Hinweisen auf ein Attentat mittels Biobombe, deren Kern das hochtoxische Rizin freigesetzt hätte. Dabei machten die Ermittler offenbar keine weiteren brisanten Funde.

NRW-Innenminister Herbert Reul sprach im Interview mit dem "Kölner Stadt-Anzeiger" von einer "neuen Qualität der Gefährdung durch islamistische Extremisten". Der Anwalt des inhaftierten 29-Jährigen wollte sich auf Anfrage der Zeitung nicht zu dem Fall äußern.

Die Bundesanwaltschaft verdächtigt den Tunesier, biologische Waffen hergestellt zu haben. Ob er das tödlich wirkende Bio-Gift für einen islamistisch motivierten Anschlag einsetzen wollte, ist noch offen. Laut Bundesanwaltschaft besteht der Anfangsverdacht, dass er eine "schwere staatsgefährdende Gewalttat" vorbereitete. Rizin kann in kleinsten Mengen tödlich wirken und gilt als potenzielle Biowaffe.

Quelle: n-tv.de, ghö/AFP/dpa

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