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Trump versus Biden US-Präsident verhöhnt politischen Gegner

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"Willkommen zurück, Joe!", twitterte US-Präsident Donald Trump.

(Foto: AP)

Es ist noch nicht allzu lange her, dass sich Donald Trump für ein Video rechtfertigen musste, in dem er seinen obszönen Umgang mit Frauen feierte. "Umkleidekabinen-Gerede" sagte er damals. Heute sieht sich der US-Präsident offenbar moralisch derart geläutert, dass er anderen ihr Fehlverhalten vorhält.

Mit Spott über den politischen Gegner ist es so eine Sache. Wer nicht frei von eigenen Verfehlungen ist, läuft Gefahr, dass die Häme auf ihn selbst zurückfällt. Ein Beispiel dieser Art liefern US-Präsident Donald Trump und sein potenzieller demokratischer Herausforderer bei der Wahl 2020, Joe Biden. Der frühere US-Vizepräsident Biden hatte in den vergangenen Tagen mit Vorwürfen mehrerer Frauen zu kämpfen. Diese beschuldigten den 76-Jährigen, er habe sich in der Vergangenheit übergriffig verhalten - durch ungebetene körperliche Nähe oder ungewollte Liebkosungen wie ein Tätscheln des Oberschenkels oder einen Kuss auf den Hinterkopf.

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In einem Video, das der einstige Stellvertreter von US-Präsident Barack Obama am Mittwoch auf Twitter veröffentlichte, gelobte er Besserung. Er werde künftig mehr Respekt vor dem persönlichen Raum von Menschen haben, sagte Biden da. Er habe immer versucht, eine Verbindung zu Menschen aufzubauen. "Ich schüttele Hände, ich umarme Leute, ich fasse Männer und Frauen an den Schultern und sage ihnen: 'Du schaffst das.'" So sei er immer gewesen. Aber er verstehe, dass sich die sozialen Normen im Umgang mit dem persönlichen Raum von Menschen geändert hätten.

Trump konnte sich eine Reaktion darauf nicht verkneifen. Am Donnerstag twitterte er einen abgewandelten und gekürzten Clip von Bidens Botschaft, der davor schon im Netz die Runde gemacht hatte, an seine fast 60 Millionen Follower. Darin taucht bei Bidens Passage, in der er seine Praxis von Händeschütteln und Umarmungen beschreibt, ein animierter Biden auf, der sich an den echten Biden heranschleicht, ihm von hinten die Hände auf die Schultern legt und einen Kuss auf den Hinterkopf gibt. Dazu schrieb Trump in Großbuchstaben den Kommentar: "Willkommen zurück, Joe!"

Trump weiß ziemlich genau, wie es sich anfühlt, öffentlich der Übergriffigkeit beschuldigt zu werden. Diverse Frauen haben ihm in der Vergangenheit sexuelle Belästigung vorgeworfen, was Trump zurückwies. Während des Wahlkampfes 2016 wurde außerdem eine alte Tonaufnahme publik, in der sich Trump anzüglich und herabwürdigend über Frauen äußerte und darüber, dass er sie überall anfassen könne. Trump entschuldigte sich danach - zumindest halbherzig - und bezeichnete die Kommentare als "Umkleidekabinen-Gerede".

"Der hässlichste Mistkerl im Raum"

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Biden wiederum war einer von denen, die Trump wegen dieser Sprüche heftig attackierten. Noch vor rund einem Jahr sagte Biden bei einer Rede an einer Universität: "Wenn wir an der High School wären, würde ich ihn hinter die Turnhalle bringen und ihn grün und blau schlagen." Bidens unerbittliches Urteil: "Ich war mein ganzes Leben lang in vielen Umkleideräumen. Jeder Typ, der so gesprochen hat, war normalerweise der fetteste, hässlichste Mistkerl im Raum."

Nun ist Biden, der kurz vor der Entscheidung steht, ob er bei der Wahl 2020 antreten will, selbst Kritik ausgesetzt - wenn auch wegen weit weniger schwerer Vorwürfe. Und Trump reagiert mit einer Retourkutsche auf den Spott von damals, was Erinnerungen an seine eigenen Fehltritte weckt. Das Risiko, dass ihr Spott sie bei diesem Thema wieder einholen könnte, ließen wohl beide außer Acht.

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Quelle: n-tv.de, fzö/dpa

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