Politik

Gegen Willen der BetroffenenUS-Regierung enthüllt Namen von mehr als 40 Epstein-Opfern

02.02.2026, 18:34 Uhr
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Eine Frau, die von Epstein missbraucht worden sein soll, spricht außerhalb des US-Kongresses. (Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com)

Die Opfer von Jeffrey Epstein fordern seit Jahren die Veröffentlichung aller Akten zum Fall des Sexualstraftäters. Am Freitag wurden weitere Millionen Dokumente von der US-Regierung freigegeben - doch für viele Opfer wird die Veröffentlichung schnell zum Albtraum.

Das US-Justizministerium hat die Namen von Dutzenden Opfern des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein ungeschwärzt veröffentlicht. Darunter seien viele, die ihre Identität bislang nicht öffentlich gemacht haben oder zum Zeitpunkt des Missbrauchs noch minderjährig waren, berichtet die Zeitung "Wall Street Journal". Eine Überprüfung der Namen von 47 Opfern ergab demnach, dass 43 von ihnen in den Akten, die am Freitag von der US-Regierung veröffentlicht wurden, ungeschwärzt geblieben waren. Die vollständigen Namen mehrerer Frauen tauchten mehr als 100 Mal in den Akten auf, heißt es von der Zeitung.

Eigentlich war das Justizministerium gesetzlich verpflichtet, alle Namen der Opfer vor der Veröffentlichung zu schwärzen. Regierungsbeamte gaben dem Bericht zufolge an, dass sie nach Erhalt der Namenslisten von den Anwälten der Opfer wochenlang damit beschäftigt waren. Seit Freitag habe die Behörde Dokumente vorübergehend wieder entfernt, um neue Schwärzungen vorzunehmen.

Laut Auswertung der Zeitung sind in den Unterlagen mehr als zwei Dutzend Namen minderjähriger Opfer offengelegt. Ihre vollständigen Namen seien am Sonntagnachmittag in der Stichwortsuche des Justizministeriums verfügbar gewesen, zusammen mit personenbezogenen Daten, die sie leicht auffindbar machen, darunter auch ihre Privatadressen.

Der stellvertretende US-Generalstaatsanwalt Todd Blanche erklärte gegenüber ABC News: "Jedes Mal, wenn wir von einem Opfer oder seinem Anwalt erfahren, dass ihr Name ihrer Meinung nach nicht ordnungsgemäß unkenntlich gemacht wurde, korrigieren wir dies umgehend", sagte er und fügte hinzu, dass die Fehler "0,001 Prozent aller Materialien" betreffen würden.

Mehrere Opfer berichteten dem "Wall Street Journal", dass die Vorgänge für sie erneut traumatisierend seien: Sie durchlebten den Missbrauch erneut und müssten gleichzeitig versuchen, die Verbreitung ihrer Identitäten im Internet zu verhindern. Die Frauen sagten der Zeitung, dass Medien und Influencer auf X begonnen hätten, ihre Namen zu veröffentlichen. Die Opfer geben an, seit der Veröffentlichung der Dokumente online belästigt worden zu sein.

Ein Epstein-Opfer, das in einem Prozess gegen dessen langjährige Partnerin Ghislaine Maxwell ausgesagt hatte, sagte: "Ich habe mit der US-Regierung kooperiert, als sie mich um Hilfe bat, und jetzt hat sie mich - und andere Überlebende - im Stich gelassen, indem sie die Sicherheit, den Schutz und das Wohlergehen von Opfern solcher Verbrechen zutiefst missachtet hat."

Das US-Justizministerium hatte vergangenen Freitag mehr als drei Millionen Seiten an Dokumenten sowie Tausende Videos und mehr als 100.000 Fotos aus den Ermittlungsakten zum Fall des Sexualstraftäters Epstein veröffentlicht. Jahrelang hatte der Multimillionär einen Missbrauchsring betrieben, dem Dutzende junge Frauen und Minderjährige zum Opfer fielen. Über Jahre hinweg soll er Minderjährige etwa in New York und Florida auch selbst missbraucht haben. 2019 starb Epstein mit 66 Jahren im Gefängnis, bevor es zu einer möglichen weiteren Verurteilung hätte kommen können.

Der Finanzier hatte beste Kontakte in die High Society - das führte zu zahlreichen Spekulationen über die Tragweite des Skandals. Immer wieder kam die Frage auf, welche prominenten Persönlichkeiten in Epsteins Machenschaften verwickelt gewesen sein könnten.

Quelle: ntv.de, dsc

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