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Bombenexplosion in Manbidsch US-Soldaten bei Anschlag in Syrien getötet

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Das beschädigtes Restaurant nach der Bombenexplosion.

(Foto: picture alliance/dpa)

Wochenlang gilt Manbidsch im Norden Syriens als Ziel einer türkischen Offensive. Nun sprengt sich in der von Kurden kontrollierten Stadt ein Attentäter in die Luft. Unter den Opfern befinden sich auch Angehörige des US-Militärs. Die IS-Miliz reklamiert den Angriff für sich.

Bei einem Bombenanschlag auf Kräfte der US-geführten Koalition sind im syrischen Manbidsch laut Aktivisten vier US-Militärangehörige und mindestens neun Zivilisten getötet worden. Zuvor war von einem getöteten US-Soldaten die Rede. Unter den mindestens 18 Opfern sollen sich auch fünf Mitglieder lokaler Sicherheitskräfte befinden. Der Angriff habe sich gegen ein Restaurant gerichtet, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Laut "Daily Sabah" sprengte sich ein Selbstmordattentäter nahe einer Militärpatrouille in die Luft. Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) nahm den Anschlag über ihr Propaganda-Sprachrohr Amaq für sich in Anspruch.

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Nach Angaben des Zentralkommandos der US-Streitkräfte in Tampa, Florida, seien Mitglieder des US-Militärs getötet worden, darunter zwei US-Soldaten. Zudem seien ein Zivilbediensteter der USA und ein lokaler Mitarbeiter, der für die US-Streitkräfte gearbeitet habe, getötet worden. Die Sprecherin des Weißen Hauses, Sarah Sanders, teilte mit, Präsident Trump sei über die Situation unterrichtet worden. 

Türkei will Kurden aus Manbidsch vertreiben

Die Stadt Manbidsch war im Jahr 2016 von den kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) mit Unterstützung der internationalen Anti-IS-Koalition von den Dschihadisten erobert worden. Seitdem wird sie von der syrischen Kurdenmiliz und verbündeten arabischen Milizen kontrolliert. Auch US-Soldaten sowie französische Spezialkräfte sind in der Stadt westlich des Euphrat stationiert, die zuletzt weitgehend ruhig war.

Die Stadt ist aber ein zentraler Streitpunkt zwischen der Türkei und den USA. Die Regierung in Ankara dringt seit langem auf den Abzug der YPG, die sie wegen ihrer engen Verbindungen zur Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) als Terrororganisation betrachtet. Nach Drohungen mit einer Offensive vereinbarte die Türkei im vergangenen Juli mit den USA, dass die YPG-Kämpfer aus der Stadt abziehen und türkische und US-Soldaten dort patrouillieren.

Allerdings beklagte Ankara, dass die YPG weiter in der Stadt präsent sei, und im Dezember drohte der türkische Präsident Erdogan erneut mit einer Offensive auf Manbidsch. Nachdem US-Präsident Donald Trump angekündigt hatte, alle US-Truppen aus Syrien abzuziehen, schien der Weg frei für einen türkischen Angriff. Die YPG rief daher Ende Dezember die Truppen des syrischen Machthabers Baschar al-Assad zu Hilfe.

Derzeit wird über die Errichtung einer Sicherheitszone in kurdisch kontrolliertem Gebiet in Nordsyrien diskutiert. Der Vorschlag der USA und der Türkei stößt aber auf Widerstand. Zugleich ist noch unklar, wie die mögliche Umsetzung einer solchen Zone konkret aussehen könnte. Erdogan will, dass sein Land die Zone mit finanzieller und logistischer Unterstützung der USA umsetzt. Syriens Kurden lehnen eine solche von der Türkei kontrollierte Zone ab.

Quelle: n-tv.de, jpe/AFP/dpa

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