Politik

Nach "glaubwürdigen Berichten" USA: Eritrea marschiert in Äthiopien ein

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Das äthiopische Militär kämpft gegen die aufständische Volksbefreiungsfront TPLF.

(Foto: REUTERS)

Seit Wochen brodelt es im Norden Äthiopiens. Dort rebelliert eine abtrünnige Region gegen die politische Führung in Addis Abeba. Dem Außenministerium in Washington zufolge mischt sich nun wohl auch Eritreas Militär in den Konflikt in Tigray ein.

Truppen Eritreas sind nach Angaben der US-Regierung offenbar in die Krisenregion Tigray im Norden Äthiopiens einmarschiert. Ein Sprecher des US-Außenministeriums erklärte, es lägen "glaubwürdige Berichte" über einen eritreischen Militäreinsatz in Tigray vor. Dies sei eine "besorgniserregende Entwicklung". Die Soldaten müssten "umgehend abgezogen" werden.

Im Zuge des militärischen Konflikts zwischen der abtrünnigen Region Tigray und der äthiopischen Zentralregierung waren wiederholt Raketen auf das benachbarte Eritrea abgefeuert worden. Es wurde vermutet, dass die bislang in Tigray regierende Volksbefreiungsfront TPLF hinter diesen Angriffen stand. Es könnte sich um einen Versuch handeln, Eritrea in den Konflikt um Tigray hineinzuziehen.

Die Lage in der umkämpften Region Tigray ist dramatisch. Der äthiopische Regierungschef Abiy Ahmed hatte Anfang November Truppen in die abtrünnige Region entsandt. Ende November verkündete er die Einnahme der Regionalhauptstadt Mekele. Die bisher in Tigray regierenden Volksbefreiungsfront TPLF kündigte jedoch an, sie werde den Kampf fortsetzen.

Die TPLF dominierte drei Jahrzehnte lang die Politik des ostafrikanischen Landes, bevor Abiy 2018 an die Macht kam. Sie erkennt Abiy, der im vergangenen Jahr mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden war, nicht an. Mehrere tausend Menschen sind nach Schätzungen der auf Konflikte spezialisierten International Crisis Group (ICG) bei den Kämpfen in Äthiopien bisher getötet worden. Fast 50.000 flüchteten demnach in den Sudan. Hunderttausende Menschen in Tigray sind auf Lebensmittelhilfen angewiesen.

Quelle: ntv.de, jru/AFP

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