Politik

Vier Ex-Präsidenten und Trump USA gedenken Bushs mit einem Staatsakt

c492cbade2a94cee104d24dfb24e75c5.jpg

In der National Cathedral nahm die politische Elite Abschied von Ex-Präsident Bush sen.

REUTERS

Ein Land verneigt sich. In Washington verabschieden sich die USA von Ex-Präsident Bush. Auch Bundeskanzlerin Merkel ist angereist. Präsident Trump twitterte: Bush wird vermisst werden.

Mit einem Staatsakt haben die USA Abschied von ihrem verstorbenen früheren US-Präsidenten George H. W. Bush genommen. An der Trauerfeier in der Nationalen Kathedrale in Washington nahmen Staatenlenker aus aller Welt teil, unter ihnen Bundeskanzlerin Angela Merkel. US-Präsident Donald Trump und seine Ehefrau saßen während des Gottesdienstes in einer Reihe mit seinen Amtsvorgängern Barack Obama, Bill Clinton und Jimmy Carter sowie deren Ehefrauen. In der Nähe saßen auch der älteste Sohn des Verstorbenen, Ex-Präsident George W. Bush, und seine Frau Laura.

Es war das erste Mal, das Trump zeitgleich mit den den vier Amtsvorgängern zusammentraf. Für Trump war es eine heikle Begegnung, da er insbesondere Barack Obama sowie Bill und Hillary Clinton immer wieder polemisch attackiert hat.

"Zeigte mir, was es bedeutet, Präsident zu sein"

Mit einer bewegenden Ansprache nahm George W. Bush von seinem Vater Abschied. "Wenn die Geschichtsbücher geschrieben werden, wird es dort heißen, dass George H. W. Bush ein großartiger Präsident der Vereinigten Staaten war", sagte er. "Er zeigte mir, was es bedeutet, ein Präsident zu sein, der mit Integrität dient, mit Mut führt und mit Liebe in seinem Herzen für die Bürger unseres Landes handelt." George W. Bush war seinem Vater acht Jahre nach dessen Ausscheiden im Präsidentenamt nachgefolgt.

George W. Bush erzählte von dem letzten Telefonat mit seinem Vater unmittelbar vor dessen Tod. "Ich sagte, Papa, ich liebe Dich und Du bist ein wunderbarer Vater gewesen. Und die letzten Worte, die er je auf Erden sagen würde, waren: Ich liebe dich auch." George W. Bush nannte seinen Vater "einen großartigen und großzügigen Mann, den besten Vater, den ein Sohn oder eine Tochter haben könnte".

Zum Ende seiner Ansprache versagte ihm die Stimme.  George W. Bushs Ansprache war aber auch von Humor durchsetzt. "Für uns war er fast perfekt, aber nicht ganz perfekt", sagte der Sohn. "Auf der Tanzfläche war er nicht wirklich Fred Astaire."

"Hail to the Chief"

7166826372fb7af7f745f355db0de3ab.jpg

Sohn George Bush jun. nimmt Abschied von seinem Vater.

(Foto: AP)

George H. W. Bush war am Freitag im Alter von 94 Jahren gestorben. Seine sterblichen Überreste wurden nach Washington übergeführt und waren zwei Tage lang im Kapitol, dem Sitz des Kongresses, aufgebahrt. Dort nahmen zehntausende Bürger von Bush Abschied, der von 1989 bis 1993 Präsident war.

Sein mit der US-Flagge bedeckter Sarg wurde dann unter militärischem Zeremoniell aus dem Kapitol getragen. Dabei wurden Salutschüsse aus Kanonen abgefeuert, und eine Militärkapelle spielte "Hail to the Chief", die offizielle Hymne für die US-Präsidenten. Anschließend wurde der Sarg durch die Washingtoner Innenstadt zur Kathedrale gefahren.

Trump erklärte kurz vor der dortigen Zeremonie, dies sei "keine Beerdigung, sondern ein Tag der Feier für einen großen Mann, der ein langes und herausragendes Leben geführt" habe. "Er wird vermisst werden!", twitterte er.

Beisetzung in Familiengrabstätte

Bei dem Trauergottesdienst stand die Bush-Familie im Vordergrund, Trump hielt keine Rede. Bei seiner Ankunft in der Kathedrale schüttelte George W. Bush dem amtierenden Präsidenten die Hand, ihr Verhältnis gilt als unterkühlt.

Sowohl George H. W. Bush als auch sein ältester Sohn hatten bei der Präsidentschaftswahl 2016 nicht für den republikanischen Parteikollegen Trump gestimmt. Trump wiederum hatte sowohl George W. Bush als auch dessen Bruder Jeb Bush, den Ex-Gouverneur von Florida, in der Vergangenheit hart angegriffen. An der Beisetzung der früheren First Lady Barbara Bush, der Gattin von George H. W. Bush, im April nahm Trump nicht teil. Seit dem Tod von George H. W. Bush fand Trump aber viele Worte der Hochachtung für den Verstorbenen. Am Tag vor der Trauerfeier traf er mit Melania Trump die Bush-Familie.

Nach dem Gottesdienst in Washington sollte der Leichnam in der Nacht (Ortszeit) nach Houston zurückgeflogen werden. Dort wird er an der Seite seiner Frau Barbara und seiner im Alter von nur drei Jahren an Leukämie verstorbenen Tochter Robin beigesetzt. Das Grab liegt auf dem Gelände der Gedächtnisbibliothek für den Ex-Präsidenten.

Zu Ehren Bushs hingen auch in Berlin die Fahnen auf Halbmast. Der verstorbene Präsident hatte einen entscheidenden Beitrag zur deutschen Vereinigung geleistet.

Quelle: n-tv.de, jwu/AFP/dpa

Mehr zum Thema