Politik

Offenbar nach Mörserbeschuss Reaktor von AKW Saporischschja runtergefahren

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Von den insgesamt sechs Reaktoren im AKW Saporischschja sind drei heruntergefahren.

(Foto: dpa)

Kurz vor dem Besuch eines Expertenteams der IAEA ist die Lage im russisch besetzten AKW Saporischschja weiter brenzlig. Wegen eines Beschusses in der Nacht aktiviert der Betreiber nach eigenen Angaben den Notschutz und schaltet einen Reaktor ab. Laut Moskau sei aber alles unter Kontrolle.

Ein Reaktor des von russischen Soldaten besetzten Kernkraftwerks Saporischschja in der Ukraine musste nach Angaben des Betreibers nach einem Beschuss in der Nacht heruntergefahren werden. "Infolge eines erneuten Mörserbeschusses der russischen Besatzungstruppen am Standort im AKW Saporischschja wurde der Notschutz aktiviert und der in Betrieb befindliche fünfte Reaktor abgeschaltet", teilte die ukrainische Atombehörde Enerhoatom auf ihrem Telegram-Kanal mit. Darüber hinaus sei auch eine Stromleitung beschädigt worden, so Enerhoatom.

Weiter in Betrieb ist Reaktor Nummer sechs, der die Anlage mit dem nötigen Strom versorgt. Das AKW Saporischschja liegt direkt am Fluss Dnipro und besteht aus sechs Druckwasserreaktoren. Der Beschuss fand den Angaben zufolge am frühen Morgen um kurz vor 5 Uhr Ortszeit statt.

Dies ist der Mitteilung zufolge das zweite Mal in zehn Tagen, dass "die kriminellen Handlungen" zum Runterfahren geführt hätten. "Das ukrainische Personal des Senders setzt alles daran, Schäden an seiner Infrastruktur zu beseitigen", heißt es weiter.

Unabhängig lassen sich die Angaben nicht überprüfen. Das Verteidigungsministerium in Moskau teilte laut russischen Nachrichtenagenturen mit, die Lage um das AKW sei schwierig, aber unter Kontrolle.

Angst vor dem GAU

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Das mit sechs Reaktoren größte Atomkraftwerk Europas wird seit Anfang März von russischen Truppen besetzt. In den vergangenen Wochen war es am und um das AKW Saporischschja wiederholt zu Angriffen gekommen, wofür sich Kiew und Moskau gegenseitig verantwortlich machten. Der Beschuss nährt Befürchtungen, dass es in Saporischschja zu einer ähnlichen Atomkatastrophe kommen könnte wie 1986 im ukrainischen, damals zur Sowjetunion gehörenden Tschernobyl.

IAEA-Chef Rafael Grassi war am Mittwoch mit seinem Inspektoren-Team in Saporischschja eingetroffen, um am Donnerstag die Lage in dem Kernkraftwerk zu überprüfen. Die Stadt Saporischschja ist normalerweise nur zwei Autostunden vom Atomkraftwerk Saporischschja entfernt, auf dem Weg muss der IAEA-Konvoi aber von Russland besetzte Gebiete durchqueren.

(Dieser Artikel wurde am Donnerstag, 01. September 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de, ghö/AFP/dpa

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