Politik

"Feierlichkeiten" am 9. Mai Ukraine erwartet russische Militärparade in Mariupol

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Mariupol ist zu großen Teil von den russischen Streitkräften zerstört worden. Einst lebten mehr als 400.000 Menschen in der südukrainischen Hafenstadt.

(Foto: IMAGO/SNA)

In zahlreichen Städten will Russland am 9. Mai den Sieg über Nazi-Deutschland begehen. Doch nicht nur auf russischem Boden sind laut einem ukrainischen Geheimdienstbericht "Feierlichkeiten" geplant. Auch in der nahezu zerstörten Metropole Mariupol in der Südukraine bereite der Kreml eine Militärparade vor.

Russland soll nach Angaben Kiews am Jahrestag des Sieges über Nazi-Deutschland am 9. Mai eine Militärparade in der südukrainischen Hafenstadt Mariupol planen. Der stellvertretende Leiter der Moskauer Präsidialverwaltung, Sergej Kirijenko, sei in Mariupol eingetroffen, um die Feierlichkeiten vorzubereiten, teilte der ukrainische Militärgeheimdienst mit.

Mariupol solle nach den Plänen Moskaus ein Zentrum der "Feierlichkeiten" am 9. Mai werden. Die zentralen Straßen der Stadt würden derzeit "von Trümmern, Leichen und nicht explodierten Sprengkörpern gesäubert". Die strategisch wichtige Hafenstadt in der Südukraine ist durch die russischen Angriffe größtenteils zerstört worden. Mariupol steht weitgehend unter Kontrolle der russischen Truppen, nur auf dem Gelände des Asow-Stahlwerks harren noch ukrainische Kämpfer aus, die sich gemeinsam mit zahlreichen Zivilisten in dem Tunnelsystem auf dem Werksgelände verschanzen.

"Eine groß angelegte Propagandakampagne ist im Gange", erklärte der ukrainische Militärgeheimdienst weiter. "Den Russen sollen Geschichten über die 'Freude' der Einheimischen über das Zusammentreffen mit den Besatzern gezeigt werden."

Am 9. Mai feiert Russland traditionell den Sieg über Nazi-Deutschland mit einer Militärparade und einer Rede von Kreml-Chef Wladimir Putin auf dem Roten Platz in Moskau. "In diesem Jahr werden in 28 russischen Städten Militärparaden stattfinden", sagte der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu. Dafür würden fast 65.000 Teilnehmer mobilisiert und eine Schau zahlreicher Waffensysteme und hunderter Flugzeuge organisiert. Zu möglichen Feierlichkeiten in Mariupol äußerte er sich nicht.

Wie bereits am Vortag berichtete die ukrainische Seite auch am heutigen Mittwoch von heftigen Kämpfen um das Asow-Stahlwerk. Der Kontakt zu den dort verschanzten ukrainischen Kämpfern sei "verloren gegangen", sagte der Bürgermeister der Hafenstadt, Wadym Boitschenko, im Fernsehen.

Russland hatte kurz zuvor einen Großangriff auf das Stahlwerk dementiert. "Es gibt keine Erstürmung", sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. "Der Oberbefehlshaber hat öffentlich den Befehl gegeben, alle Angriffe einzustellen", sagte Peskow mit Blick auf eine Anordnung von Präsident Wladimir Putin vom 21. April. Putin hatte vor knapp drei Wochen angeordnet, das Werk weiter zu belagern - so engmaschig, dass "keine Fliege mehr heraus kann". Nach Peskows Angaben belagert die russische Armee das Stahlwerk weiterhin und greift nur ein, um zu verhindern, dass ukrainische Kämpfer in "Schusspositionen" gelangen.

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Das ukrainische Militär hatte am Dienstag erklärt, die russischen Streitkräfte hätten eine groß angelegte Offensive mit Panzern auf das Stahlwerk gestartet, nachdem rund hundert Zivilisten aus den Tunneln unter dem Stahlwerk evakuiert worden waren. Das russische Verteidigungsministerium warf hingegen den ukrainischen Soldaten vor, die wegen der Evakuierung ausgerufene Feuerpause ausgenutzt zu haben, um neue Stellungen auf dem ausgedehnten Fabrikgelände zu beziehen.

Nach ukrainischen Angaben sitzen noch zahlreiche Zivilisten in den Tunneln auf dem Werksgelände fest. Der Industriekomplex ist der letzte Rückzugsort ukrainischer Soldaten in Mariupol, in den vergangenen Tagen waren mehr als 150 Menschen von dem Gelände gerettet worden.

Quelle: ntv.de, mbe/AFP/dpa

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