Politik

Selenskyj schlägt Austausch vor Ukraine setzt Putin-Vertrauten fest

Viktor Medwedtschuk gilt als Putins wichtigster Mann in der Ukraine. Dort steht der prorussische Politiker und Oligarch monatelang unter Hausarrest, bis er kurz nach Kriegsbeginn verschwindet. Jetzt gelingt es Sicherheitskräften, ihn festzunehmen. Der ukrainische Präsident schlägt Russland einen Tauschhandel vor.

Der ukrainische Geheimdienst SBU hat laut Präsident Wolodymyr Selenskyj den bekannten prorussischen Abgeordneten und Geschäftsmann Viktor Medwedtschuk festgenommen. Selenskyj veröffentlichte bei Telegram ein Foto des 67-jährigen Ukrainers in Handschellen und gratulierte dem SBU zu seinem Einsatz. SBU-Chef Iwan Bakanow sprach von einem "blitzschnellen und gefährlichen Sondereinsatz auf mehreren Ebenen", ohne Einzelheiten zu nennen. Medwedtschuk gilt als enger Vertrauter von Russlands Präsident Wladimir Putin - und als Schlüsselfigur im Konflikt zwischen Moskau und Kiew, in dem er manchmal als Vermittler auftrat.

Selenskyj bot in seiner abendlichen Videoansprache Russland einen Gefangenenaustausch an: "Ich schlage der Russischen Föderation vor, diesen Typen von euch gegen unsere Jungs und Mädchen auszutauschen, die sich derzeit in russischer Gefangenschaft befinden", so der ukrainische Präsident. Medwedtschuk habe sich mit einer Uniform getarnt, also solle er nach Kriegsrecht behandelt werden, sagte Selenskyj.

Dem 67-Jährigen wird unter anderem vorgeworfen, ukrainische Militärgeheimnisse an Moskau weitergegeben zu haben. Er war im vergangenen Jahr des Hochverrats und wegen des Versuchs der Plünderung staatlicher Mittel angeklagt und unter Hausarrest gestellt worden. Kurz nach Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine am 24. Februar war er untergetaucht.

Medwedtschuk weist die Vorwürfe gegen ihn als politisch motiviert zurück. Der schwerreiche Geschäftsmann zählt den russischen Staatschef zu seinen persönlichen Freunden. Putin ist laut Medwedtschuk Patenonkel seiner jüngsten Tochter. Als Abgeordneter leitete er die wichtigste prorussische Oppositionsgruppe in der Ukraine. Die drei von ihm kontrollierten Fernsehsender vertraten prorussische Positionen. Sie dürfen aufgrund der kriegsbedingten ukrainischen Sanktionen nicht mehr senden.

Putin hatte im vergangenen Jahr verärgert auf das Vorgehen der Behörden gegen Medwedtschuk reagiert. Dessen angebliche Festnahme wollte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow nun nicht kommentieren. "Es kommen gerade viele Falschinformationen aus der Ukraine", sagte er zu russischen Medien. "Das muss erst geprüft werden."

Quelle: ntv.de, ino/AFP

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