Kreml verlegt TruppenUkrainische Elite-Einheit meldet Offensive - Russland beharrt auf Donbass

Aussagen des russischen Präsidenten Putin erwecken bei vielen den Eindruck, dass er zu einem baldigen Ende der Kämpfe bereit sein könnte. Doch an Moskaus Zielen hat sich nichts geändert. An der Front werden weiterhin heftige Kämpfe gemeldet.
Seit langer Zeit hält das 7. schnelle Eingreifkorps der Ukraine zusammen mit anderen Einheiten den massiven Angriffen der russischen Invasoren im Raum Pokrowsk im Donbass stand. Die Kreml-Truppen rücken dort zwar teilweise vor, allerdings nur minimal. Trotz hoher Verluste wird weiterhin versucht, das Gebiet vollständig unter Kontrolle zu bringen. Das 7. schnelle Eingreifkorps spricht von einer Frühjahrs-Sommer-Offensive, die oft unbemerkt bleibe - "doch sie ist im Gang".
Die Russen hätten Teile der 90. Panzerdivision verlegt, die bereits Offensivoperationen durchführen würden. Panzer sollen wegen der Gefahr durch Drohnenangriffe jedoch nur selten zu sehen sein. "Statt gepanzerter Durchbrüche herrscht nun ein langsamer Krieg aus Drohnen und Aufklärung. Der Gegner versucht, unsere Logistik zu zermürben, Drohnen-Startplätze abzuschneiden und eigene Drohnen-Teams näher an die Frontlinie heranzubringen", heißt es in einer Mitteilung.
Im Raum Pokrowsk-Myrnohrad sollen sich erhebliche russische Kräfte befinden. Genannt wird in diesem Zusammenhang auch Rubikon - eine Elite-Drohneneinheit. "Nur bestimmte Einheiten verfügen über ein hohes Maß an Koordination zwischen Drohnenpiloten, Aufklärung und Infanterie. Und genau diese Einheiten konzentriert der Gegner im Raum Pokrowsk–Myrnohrad", so das 7. schnelle Eingreifkorps.
Die Einheit geht davon aus, dass die Russen versuchen werden, ihre zahlenmäßigen Vorteile in eine Feuerkontrolle über die ukrainischen Logistikrouten umzuwandeln. In die Hände spielen soll ihnen dabei das Gelände vor Ort: "Flussläufe, Straßennetze und Grünzonen werden für Bewegungen und Infiltrationen genutzt." Die ukrainische Truppengruppierung Ost spricht von derzeit 100.000 russischen Soldaten im Raum Pokrowsk.
Keine Aussicht auf Kriegsende
Im Westen wurden kürzliche Aussagen des russischen Präsidenten Wladimir Putin oftmals so interpretiert, dass sich ein neuer Weg zu einem Ende der Angriffe ergeben könnte. Der Kreml-Diktator hatte gesagt, dass der Krieg sich "dem Ende zuneigt". Er sprach jedoch auch von einer "endgültigen Zerstörung des Feindes".
Die "Financial Times" schreibt, dass Putin davon überzeugt sei, dass seine Truppen bis zum Herbst den gesamten Donbass einnehmen könnten. Die Zeitung beruft sich dabei unter anderem auf Angaben von zwei Personen, die mit Putin in Kontakt stehen sollen. "Ich habe ihn gedrängt, an den aktuellen Frontlinien aufzuhören. Aber er sagt immer wieder: 'Nein, hier kann ich keine Kompromisse eingehen'", wird eine der Quellen zitiert.
Kreml-Sprecher Peskow forderte dem Bericht zufolge kürzlich vor Journalisten, dass die Ukrainer sich aus dem Gebiet des Donbass sowie aus anderen Regionen, die Russland für sich beansprucht, zurückziehen sollen. Kiew lehnt Gebietsabtretungen ab. Laut Meinung vieler Experten könnte eine Eroberung des Donbass durch die Kreml-Truppen noch Jahre in Anspruch nehmen.