Politik

Nur "Verschnaufpause" für Regime Melnyk: Friedensverträge mit Russland wertlos

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Die Ukraine könne sich nur dann sicher fühlen, wenn es einen neuanfang in Russland gebe, sagt Botschafter Andrij Melnyk

(Foto: picture alliance/dpa)

Noch-Botschafter Melnyk glaubt nicht, dass Waffenruhen und Friedensverträge mit Russland von Dauer wären. Ein Abkommen sei nur eine "Verschnaufpause" für das Regime, um einen "noch perfideren Krieg vorzubereiten". Nur bei einem Neuanfang könne sich die Ukraine sicher fühlen, so der Diplomat.

Waffenruhen und Friedensverträge sind aus Sicht des scheidenden Botschafters der Ukraine in Deutschland, Andrij Melnyk, wertlos ohne eine grundlegende Veränderung innerhalb Russlands. Die Mehrheit der russischen Gesellschaft unterstütze den imperialistischen Kurs von Präsident Wladimir Putin und nehme in Kauf, dass die Ukrainer abgeschlachtet würden, sagte Melnyk beim Kongress Bodensee Business Forum der "Schwäbischen Zeitung" in Friedrichshafen.

Deshalb sei jede Waffenruhe, jeder Friedensvertrag, jedes Abkommen "nur eine Verschnaufpause für das Regime in Russland - egal wer an der Spitze steht -, um noch einen neuen, noch perfideren Krieg vorzubereiten". Man müsse einen Neuanfang in Russland anstreben - nur wenn es dort eine Veränderung gebe, werde sich die Ukraine sicherer fühlen.

Zudem sagte Melnyk, er sehe sein Land gegenüber dem Westen nicht in der Bittsteller-Rolle. "Wir wollen gleichberechtigt angesehen werden und nicht wie ein armes Land vor der Haustür Deutschlands, das hofft, aufgenommen zu werden", so Melnyk in Friedrichshafen. "Es geht nicht darum, dass wir als Bittsteller da sind".

Die Ukraine sei geografisch betrachtet das größte Land in Europa, das nur auf dem Kontinent liege. Man wolle eine Ukraine aufbauen ohne Oligarchen und einen Beitrag leisten, dass Europa im Wohlstand leben kann. Das kriegserschütterte Land kandidiert offiziell für die Mitgliedschaft in der Europäischen Union.

Melnyk ist nur noch wenige Wochen Botschafter der Ukraine in Deutschland. Oleksii Makeiev, der derzeitige Sanktionsbeauftragte der Regierung in Kiew, soll nach ihm den Posten übernehmen.

(Dieser Artikel wurde am Dienstag, 20. September 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de, vmi/dpa

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