Politik

Wahlkampf bei Lanz Und am Ende war es Peter Altmaier

Eigentlich sollte es am Dienstagabend bei Markus Lanz im ZDF um die neuen Corona-Regeln in Hamburg gehen. Doch dann liefern sich zwei der Gäste eine überraschend spannende Wahlkampfdiskussion.

Es ist schon blöd, wenn die Gäste einer Talkshow nicht so wollen wie der Talkmaster. Das musste Markus Lanz in seiner Sendung im ZDF in den letzten Tagen immer wieder feststellen. Vor allem dann, wenn es um die Koalitionsfrage ging. Genauer um die Frage, ob die SPD nach der Bundestagswahl mit den Linken koalieren will oder nicht. Dazu will sich am Dienstagabend auch Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher von der SPD nicht äußern, obwohl Moderator Markus Lanz ein halbes Dutzend Anläufe nimmt.

Tschentscher erklärt das so: "Wer am Ende regiert, ist Sache der Wähler." Die SPD habe ein klares Programm. Von einem Koalitionspartner verlangt Tschentscher "ein klares außenpolitisches Bekenntnis zur Nato und zu der Sicherheitspolitik, die unser Land braucht." Ein klares "ja" oder "nein" kriegen die Zuschauer auch heute nicht zu hören.

"Laschet hat bewiesen, was in ihm steckt"

Zum Glück gab es aber auch Diskussionen über andere Wahlkampfthemen, zum Beispiel über das Wahlkampf-Triell bei RTL und ntv. Und dazu wusste die CDU-Politikerin Wiebke Winter einiges zu sagen. Sie kandidiert im Land Bremen für den Bundestag und ist dort Landesvorsitzende der Jungen Union. Seit gestern gehört sie zum Klimaschutz-Team von CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet. Dafür ist sie offensichtlich sehr dankbar. "Laschet hat gezeigt, was wirklich in ihm steckt", sagt sie über dessen Auftritt beim Triell. Sie habe ihn kennengelernt. "Dabei habe ich gemerkt: Der hört zu, der nimmt einen ernst, und das finde ich großartig." Großartig scheint zu ihren Lieblingswörtern im Zusammenhang mit Laschet und seiner Politik zu gehören. Dazu kommen noch "grandios", "krass", "wahnsinnig". Man könnte sich fragen, ob sie nicht ein bisschen dick aufträgt. Zum Beispiel, wenn sie über ihre Berufung ins CDU-Klimaschutzteam sagt: "Es ist total cool, wenn man gemeinsam antreten und zeigen kann: Boah, wir sind stark."

Das Thema Klimaschutz sei Laschet "wahnsinnig wichtig", sagt sie. Wieso Laschet dann mit dem Kohleausstieg bis 2038 warten wolle, fragt der Moderator. Die Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen: "Wir könnten vielleicht schon früher, aber wir müssen in der Politik zuverlässig sein."

Eigentor Nummer eins

Und dann tappt Winter in die Falle des Politneulings. Lanz fragt, was sie denn von der neuen Regelung in Nordrhein-Westfalen halte, nach der zwischen einer Windkraftanlage und der nächsten Siedlung ein Abstand von mindestens 1000 Metern sein müsse. Winter weist erstmal darauf hin, dass ja bald zwei Prozent der Fläche Deutschlands für den Ausbau von Windrädern genutzt werden sollen.

Dass dies eine Forderung von Bundesumweltministerin Svenja Schulze von der SPD war, fällt ihr zu spät ein. Erneute Nachfrage des Moderators. Nun schießt Winter ein Eigentor mit ihrer Antwort: "Ich komme nicht aus NRW." Die Aussage, sie wolle sich für eine ehrgeizige Klimapolitik einsetzen, fällt da kaum noch ins Gewicht.

Was das Lob für den Spitzenkandidaten angeht, übt sich auch der SPD-Politiker Tschentscher in Superlativen, natürlich für Olaf Scholz. Der sei ein cooler, ruhiger, vernünftiger Typ. Und Tschentscher sagt: "Das Klimaproblem wollen viele in der Union aussitzen. Scholz will ranklotzen."

Dann wirft er Wiebke Winter vor: "Der Teil, der in der Bundesregierung für den Ausbau von Energienetzen zuständig war, hat sich einfach nicht um diese Fragen gekümmert." Bei diesem "Teil" handelte es sich um Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier von der CDU.

Und als Zuschauer sitzt man da, schmunzelt ein wenig und freut sich über einen lustigen Wahlkampf - und eine Talkshow, die diesmal einen erfreulich hohen Unterhaltungswert hatte.

Anmerkungen: In einer ersten Fassung dieses Textes wurde die in der Sendung kolportierte Aussage wiedergegeben, Svenja Schulze sei als Umweltministerin für die Energienetze zuständig. Dies ist nicht der Fall. Der Bereich untersteht dem Bundeswirtschaftsministerium. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

Quelle: ntv.de

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