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Ibiza-Beweismittel vernichtet? Video zeigt Kurz-Mitarbeiter beim Schreddern

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Warum schredderte sein Mitarbeiter die Festplatten? Tat er es für Kurz? Dann stellen sich viele, viele Fragen.

(Foto: imago images / photonews.at)

Kurz nach dem Bekanntwerden der Ibiza-Affäre schreddert ein Mitarbeiter des damaligen Kanzlers Kurz mehrere Festplatten - und gibt dabei nicht nur einen falschen Namen an, sondern irritiert auch mit seinem nervösen Verhalten. Nun taucht ein Video des Vorfalls auf. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Der stämmige junge Mann, der an einem Donnerstagvormittag im Mai die Wiener Aktenvernichtungsfirma Reisswolf betritt, kommt den Mitarbeitern direkt merkwürdig vor. Der bärtige Anzugträger wirkt extrem nervös. Die fünf Festplatten, die er vernichten lassen möchte, will er eigenhändig in den Schredder werfen. Nicht einmal, wie sonst üblich, sondern gleich dreimal hintereinander. Und am Ende nimmt er sogar die pulverisierten Überreste persönlich wieder mit. "Unser Mitarbeiter, der diesen Vorgang begleitet hat, ist 16 Jahre im Unternehmen. So etwas ist noch nie passiert", sagt Siegfried Schmedler, der Geschäftsführer der Firma Reisswolf, dem Magazin "Falter". Das Verhalten des jungen Mannes sei "absolut unüblich" gewesen.

*Datenschutz

Das Gefühl des Mitarbeiters trügt nicht. Denn weder heißt der Mann - wie in der Besucherliste des Unternehmens angegeben - "Walter Maisinger", noch ist die Herkunft seiner Festplatten "privat". Bei dem mysteriösen Besucher handelt es sich "Falter"-Recherchen zufolge vielmehr um Arno M., seines Zeichens Social-Media-Chef im österreichischen Kanzleramt. Von dort sollen auch die Festplatten stammen, bei deren Vernichtung M. so penibel auf Nummer sicher gehen wollte. Der Vorfall ereignete sich nur fünf Tage nach der Veröffentlichung des Skandal-Videos von Ibiza - und wurde von einer Kamera festgehalten, deren Aufnahmen neben dem "Falter" auch dem "Spiegel" und der "Süddeutschen Zeitung" zugespielt wurden.

Nun wird gerätselt, welche Daten einen Mitarbeiter des damaligen Kanzlers Sebastian Kurz dazu veranlasst haben könnten, sie unter falschem Namen vernichten zu lassen. Kurz selbst nannte das Ganze einen "ganz üblichen Vorgang" bei einem Regierungswechsel. Bei den Daten habe es sich um die Festplatte eines Druckerservers gehandelt. IT-Experten, die die "Sueddeutsche Zeitung" zitiert, geben aber an, dass die vernichteten Platten nicht nur in Druckern, sondern auch in Toshiba-Notebooks verbaut werden. Zudem soll es sich nicht, wie zunächst von Kurz' ÖVP suggeriert um nur eine Festplatte gehandelt haben, sondern um fünf.

Mitarbeiter entdecken mysteriösen Kunden im Fernsehen

Dass die geheime Datenvernichtung am Ende überhaupt aufflog, ist 76 Euro und 45 Cent geschuldet. Diesen Preis verlangte die Firma Reisswolf von ihrem vermeintlichen Kunden "Walter Maisinger" - den dieser jedoch nicht bezahlte. Besonders absurd wird das Ganze, als sich Reisswolf-Mitarbeiter wenige Tage nach dem Besuch des mysteriösen Kunden die Abschiedsrede des durch ein Misstrauenvotum abgewählten Kanzlers Kurz im Fernsehen verfolgen, und im Hintergrund ihren "Walter Maisinger" im Bild entdecken. Beim Googeln, der bei seinem Besuch angegebenen Telefonnummer, stoßen sie dann laut "Falter" schnell auf Kurz' Social-Media-Chef Arno M.

Als dieser die offene Rechnung weiterhin nicht bezahlt, erstattet Reisswolf-Chef Schmedler Anzeige - und die Ibiza-Affäre ist möglicherweise um ein Kapitel reicher. Mittlerweile ermittelt die Staatsanwaltschaft, die sich mit der Ibiza-Affäre beschäftigt, ob Beweismittel vernichtet wurden. Laut "Sueddeutscher Zeitung" hat die neue Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein zudem eine interne Untersuchung angeordnet.

Quelle: n-tv.de, ftü

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