Politik

Expertin: Trumps Macht bröckelt"Viele Amerikaner glauben ihm nicht mehr"

25.02.2026, 13:06 Uhr
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US-Präsident Donald Trump hat es bei den eigenen Wählern gerade nicht leicht. (Foto: picture alliance / Sipa USA)

Trump spricht 108 Minuten zur Lage der Nation. Doch die Wirkung bleibt aus, sagt Politologin Cathryn Clüver Ashbrook. Die Amerikaner bekommen nicht das, was sie erwartet haben. Dabei hätte Trump es besser wissen müssen - aus Bidens Amtszeit.

Donald Trumps Rede zur Lage der Nation ist laut der deutsch-US-amerikanischen Politologin Cathryn Clüver Ashbrook ein defensiver Wahlkampfauftakt ohne sichtbaren Effekt gewesen. Statt neuer Akzente habe Trump vielmehr seine bisherige Politik verteidigt, die "ihm die Mehrheit der Amerikaner inzwischen nicht mehr goutieren", ordnet die Expertin den Auftritt im Gespräch mit ntv ein. Zentrale Erwartungen vieler Amerikaner seien verfehlt worden.

Entscheidend seien nach einem solchen Auftritt weniger die langen Reden selbst - Trump sprach mit einer Rekordzeit von 108 Minuten - als vielmehr "die Kernbotschaften, die am nächsten Tag in Kurzclips" und sozialen Medien zirkulieren, so Clüver Ashbrook. Gerade hier habe es jedoch an Nachrichtenwert gefehlt.

Ein Jahr nach seinem Amtsantritt habe sich das Vertrauen spürbar verändert. Wenn man das mit seiner Kongressrede im vergangenen Jahr vergleiche, "glauben ihm heute doppelt so viele Amerikaner nicht mehr das, was er verspricht - besonders bei Wirtschaft und Migration", sagt die Politologin. Gerade diese Themen seien Trumps politische Steckenpferde gewesen. "Viele Amerikaner fühlen in keiner Weise das, was der Präsident als wirtschaftlichen Erfolg präsentiert hat", betont sie. "Im Gegenteil, sie trauen ihm nicht mehr zu, dass er in den Kernthemen das durchbringt, was er als Prioritäten gesetzt hat."

Trump hätte von Biden lernen können

Zwar sei die Gesamtwirtschaft robust, der Aktienmarkt stark, doch darunter "breche alles zusammen": eine schwächelnde Industrie, hohe Langzeitarbeitslosigkeit, anhaltend hohe Kerninflation. "Wenn Amerikaner im Supermarkt stehen oder im kältesten Winter seit Jahren ihre Heizung aufdrehen, merken sie, dass vieles nicht zusammenpasst", so Clüver Ashbrook. Trump hätte von der Regierung seines Vorgängers Joe Biden lernen können, dass es um Gefühle geht und "Gefühle einen amerikanischen Wahlkampf tragen". "Das sollte Trump am allerbesten wissen."

Auch rhetorisch sieht die Politologin Defizite. Während frühere Präsidenten wie Barack Obama die Bevölkerung direkt angesprochen hätten, habe Trump diesmal vor allem in Richtung Kongress argumentiert. "Er hätte sagen können: Wir sehen eure Schmerzen", so Clüver Ashbrook. Stattdessen habe er das Bild eines bereits angebrochenen "goldenen Zeitalters" gezeichnet - eine Darstellung, die für viele Wähler an Glaubwürdigkeit verliere.

Das führe dazu, dass die Koalition, die Trump einst an die Macht brachte, zu bröckeln drohe. Trump habe ungewöhnlich viele Nichtwähler und Minderheiten mobilisiert - ein historischer Erfolg für die Republikaner. Doch genau diese Gruppen zeigten sich nun zunehmend skeptisch. "Diese historische Koalition bröselt auseinander", so Clüver Ashbrook.

Quelle: ntv.de, vmi

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