Politik

Vom Vermieter rausgesetztDer AfD-Traum scheitert mit Kauf neuer Parteizentrale

06.03.2026, 15:55 Uhr debes-martinVon Martin Debes und Martin Schmidt
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Bisher befand sich die Bundesgeschäftsstelle der AfD im Berliner Bezirk Reinickendorf, im Stadtteil Wittenau - weit weg vom Zentrum. (Foto: picture alliance/dpa)

Nach der anstehenden Zwangsräumung ihrer Bundesgeschäftsstelle wollte die AfD eine repräsentative Immobilie im Zentrum Berlins kaufen. Doch daraus wird erst einmal nichts.

Alles war streng geheim. Niemand in der AfD wollte offiziell bestätigen, dass die Bundesgeschäftsstelle der Partei demnächst von Berlin-Reinickendorf ins Zentrum der Hauptstadt umziehen soll - und vor allem: zu welchen Konditionen. Denn der gesamte Vorgang ist nicht nur politisch hochsensibel. Er ist auch für die Partei ziemlich peinlich.

Es geht eben nicht bloß um die Bundesgeschäftsstelle der derzeit größten Oppositionspartei in Deutschland. Es geht um die Zentrale einer in Teilen extremen Organisation, die mit ihrem aggressiven Auftritt ebenso viel Widerstand erzeugt - und der es deshalb entsprechend schwerfällt, die nötigen Büroräume zu finden. Auch dass die AfD aus den aktuellen Räumlichkeiten auszieht, hat damit zu tun, dass sie die AfD ist.

Nun also der Neuanfang. Nach Informationen von RTL/ntv und "Stern" möchte die Partei Büroräume in Berlin-Mitte anmieten. Das Gebäude soll sich im alten Ostteil der Stadt befinden, an der Spree in Sichtweite der Jannowitzbrücke, nahe Alexanderplatz und Museumsinsel. Mit der S-Bahn sind es von hier keine zehn Minuten zum Bundestag; mit dem Auto benötigt man bei normalem Verkehr eine Viertelstunde. Das ist ein Klacks im Vergleich zur Fahrzeit von der Reinickendorfer Peripherie in die Innenstadt.

Doch selbst wenn der Mietvertrag zustande kommt, ist es wieder einmal nur ein Provisorium. Eigentlich wollte die Partei, die sich kurz vor der Machtübernahme wähnt, endlich eine eigene Immobilie kaufen.

AfD hat Vermögen von 41 Millionen Euro

Das nötige Geld für die Anzahlung wäre da: Neben hohen Spenden hat die Partei viele Millionen Euro an Wahlkampfkostenrückerstattung vom Staat erhalten. Schon vor der Bundestagswahl, die allein einen zweistelligen Millionenbetrag erbracht haben dürfte, besaß die Partei laut jüngstem Rechenschaftsbericht ein Reinvermögen von knapp 41 Millionen Euro.

Doch aus dem Kauf wird vorerst nichts. Obwohl die Verhandlungen über zwei Immobilien in Berlin-Mitte weit gediehen waren, wurden sie Anfang Februar vom Bundesvorstand gestoppt. Nach Informationen von RTL/ntv und "Stern" gab es Bedenken wegen mangelnder Sicherheit und fehlender Parkmöglichkeiten - aber auch wegen des Preises, der wohl den größten Teil des Parteivermögens verschlungen hätte.

Nun also der Umzug zur Miete in ein Haus, das offenbar nicht einmal Platz für größere Veranstaltungen bietet. Damit ist die lange Suche der AfD nach einer Heimstatt also noch nicht vorbei, sondern nimmt wieder nur Zwischenstation.

Der Rauswurf aus der Geschäftsstelle

Die jüngste Etappe begann am Abend des bislang größten bundesweiten Erfolgs der AfD. Zur Wahlparty am 23. Februar 2025 in der Parteizentrale im Eichhorster Weg kamen hunderte Parteifunktionäre, geladene Gäste und Journalisten. Es ging lange und laut her, im Innenhof brannten mehrere Grills, Musik dröhnte.

Der Vermieter, der österreichische Investor Lukas Hufnagl, kündigte daraufhin fristlos den Mietvertrag. Er hatte zuvor vergeblich versucht, die Immobilie an die AfD zu verkaufen. Die Gespräche waren offenbar am Preis gescheitert.

Die AfD ging rechtlich gegen den Räumungsbescheid vor. Doch im September gab das Landgericht Berlin Hufnagl zumindest zum Teil recht. Die Partei habe gegen die Mietbedingungen verstoßen, hieß es. Sie müsse zwar nicht sofort ausziehen, aber schrittweise bis spätestens 31. Dezember 2026.

Die Parteizentrale als Trutzburg

Die Partei hatte das Urteil vorausgeahnt. Bereits im April 2025 war eigens die Castel del Monte Immobilien GmbH gegründet worden. Der Name war Programm. Castel del Monte: So heißt die berühmte, achteckige Trutzburg, die im 13. Jahrhundert der Stauferkaiser Friedrich II. im südöstlichen Italien erbauen ließ.

Als Geschäftsführer der Firma mit Sitz in der Parteizentrale wurde AfD-Schatzmeister Carsten Hütter benannt. Einige Wochen später, am 19. Mai 2025, setzte der Bundesvorstand eine dreiköpfige Arbeitsgruppe ein. Ihr gehören neben Hütter die Bundesvize Kay Gottschalk und Stephan Brandner an.

Eingeständnis der Niederlage

Nach dem Gerichtsurteil im September gaben sich die Beteiligten maximal optimistisch. "Im kommenden Jahr werden wir als Eigentümer unsere neue Immobilie beziehen und als Geschäftsstelle geografisch und strukturell besser aufgestellt sein als jemals zuvor", erklärte Hütter. "Wir schauen nach Immobilien im Umkreis von 3,5 Kilometern um den Reichstag", assistierte Gottschalk.

Und so wurde geschaut. Und geschaut. Die Gespräche verliefen kompliziert, laut der - von der AfD dementierten - Recherchen von "Correctiv" war sogar ein Bürokomplex in der Friedrichstraße im Gespräch. Sicher ist: Zuletzt wurde über zwei Immobilien nahe Anhalter Bahnhof und Spittelmarkt verhandelt - bis der Bundesvorstand einschritt. Stattdessen wurde einstimmig beschlossen, die von Hütter geleitete Firma Castel del Monte zu beauftragen, in konkrete Mietgespräche mit den Eigentümern der Immobilie unweit der Jannowitzbrücke zu treten.

Aber: Das alles ist natürlich nicht offiziell. Auf Anfrage des "Stern" an die AfD teilte aber Schatzmeister Hütter am Freitag dann doch mit, dass "mittlerweile eine vorübergehende Anmietung in der Mitte Berlins favorisiert" werde. In der Zwischenzeit solle "ein grundsätzlich geeignetes Objekt" umgebaut oder ein "Neubau in die Wege" geleitet werden. Der Umzug werde im Herbst stattfinden.

Hütters Antwort ist auch das Eingeständnis einer Niederlage: Seit Juli 2025 seien "in einer intensiv durchgeführten Recherche fast 30 mögliche Immobilienkaufobjekte geprüft worden", bei einigen sogar "mit konkreten Kaufpreisverhandlungen". Letztlich habe aber "keines dieser Objekte das vom AfD-Bundesvorstand vorgegebene Anforderungsprofil ausreichend erfüllen können".

Quelle: ntv.de

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