Norwegen mit SchlüsselrolleWadephul plädiert für Stärkung der Nato-Nordflanke

Im Hohen Norden und in der Arktis besitzt Russland "Fähigkeiten, die wir ernst nehmen müssen", sagt Johann Wadephul. Deutschlands Außenminister macht sich selbst ein Bild davon, wie die Norweger an der Nordflanke der Nato agieren und mit der russischen Bedrohung umgehen.
Außenminister Johann Wadephul ruft angesichts zunehmender hybrider Bedrohungen durch Russland zu stärkeren Abschreckungs- und Verteidigungsbemühungen an der Nordflanke der Nato auf. "Russland baut seine militärische Präsenz auch hier in der Arktis weiter aus und versucht, seinen Einfluss in der Region zu sichern", warnte der CDU-Politiker bei einem Treffen mit seinem norwegischen Kollegen Espen Barth Eide in der Stadt Bodø nördlich des Polarkreises.
Russland besitze im sogenannten Hohen Norden und in der Arktis "Fähigkeiten, die wir ernst nehmen müssen, auch mit Blick auf unsere Sicherheit in Zentraleuropa", sagte Wadephul. Norwegen komme hier als "Frühwarnsonar und -radar der Nato im Nordatlantik" eine Schlüsselrolle zu. Die in der Region verlaufenden Unterseekabel sowie See- und Luftwege seien für die Versorgung Deutschlands und Europas essenziell. Auch China verstärkt demnach sein Engagement in der Arktis - auch vor dem Hintergrund der Rohstoffvorkommen.
Eide verwies wie Wadephul auf die vergangene Woche gemeinsam mit Deutschland vereinbarte milliardenschwere Kooperation mit Kanada bei der Erneuerung von dessen U-Boot-Flotte. Kanada sei über den Nordpol hinweg gesehen ein "Arktis-Anrainerstaat in unserer unmittelbaren Nachbarschaft". Er und Wadephul hätten zudem über den Aufbau einer Wertschöpfungskette für Raketenstarts und Satelliteneinsätze sowie die gemeinsame Nutzung insbesondere von Satelliten in polaren Umlaufbahnen gesprochen.
Im Schnellboot zum Arktisforschungsinstitut
Wadephul und Eide besuchten das Hauptquartier der norwegischen Streitkräfte in Reitan östlich von Bodø. In dem integrierten Führungskommando tief in einem Berg planen, koordinieren und führen etwa 300 Menschen eng verzahnt mit zivilen Behörden wie Polizei, Hilfsdiensten oder Wetterdienst militärische Operationen sowie nationale oder multinationale Militärübungen etwa der Nato. Im Lagezentrum werden die zunehmenden militärischen Aktivitäten Russlands mit Flugzeugen oder U-Booten in der Arktis oder im Nordmeer per Satellit, Radarsystemen oder Überwachungsflugzeugen überwacht.
In einem Schnellboot fuhren beide Minister zum Arktisforschungsinstitut der Universität Nord in Bodø. Das 2007 gegründete Institut beschäftigt sich mit geopolitischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen in der Region und arbeitet eng mit Unternehmen und Institutionen des öffentlichen Sektors zusammen.
Gemeinsam wollten beide Politiker auch das Nato-Luftoperationszentrum in Bodø besuchen, das im Oktober in Ergänzung zu Zentren in Deutschland und Spanien eröffnet wurde. Es soll die Präsenz des Verteidigungsbündnisses in der Region verstärken und dient der Planung und Koordinierung von Einsätzen vor allem in der Arktis und im Nordatlantik.