Politik

Wenig Rente, hohe MietenWarnung vor massiver "Wohnarmut" bei Baby-Boomern

07.05.2026, 11:07 Uhr
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Besonders Nordrhein-Westfalen soll betroffen sein. (Foto: imago images/Ikon Images)

In vielen Regionen Deutschlands steigen Mieten und Nebenkosten deutlich. Für Menschen mit einer niedrigen Rente ist das ein großes Problem. Laut Berechnungen müssen sich in den nächsten zehn Jahren viele geburtenstarke Jahrgänge auf Schwierigkeiten einstellen.

Die Industriegewerkschaft IG Bau hat vor massiver "Wohnarmut" von Rentnern gewarnt. "Rund 5,1 Millionen Baby-Boomer werden weniger als 800 Euro pro Monat aus der gesetzlichen Rente bekommen", sagte IG-Bau-Chef Robert Feiger der "Rheinischen Post" vor dem Tag der Bauindustrie. Rund 40 Prozent der geburtenstarken Jahrgänge gingen ab diesem Jahr bis 2036 in Rente. "Spätestens die Miete drängt einen Großteil der Baby-Boomer dann in die Wohnarmut", erklärte er.

Wohnarmut bedeutet, dass Menschen nach Abzug der Wohnkosten kaum noch genügend Geld zum Leben haben. Feiger bezog sich bei seinen Äußerungen auf eine entsprechende Berechnung, die das Pestel-Institut im Auftrag der IG Bau durchgeführt hat. Im Fokus standen die geburtenstarken Jahrgänge, die zwischen 2026 und 2036 voraussichtlich in Rente gehen.

Am stärksten betroffen wäre laut Pestel-Institut das bevölkerungsreichste Bundesland Nordrhein-Westfalen, wie die Rheinische Post weiter berichtete. Dort könnten laut der Berechnung weit mehr als eine Million Baby-Boomer in den kommenden zehn Jahren in Wohnarmut rutschen. Schon heute leben laut Zahlen des Pestel-Instituts bundesweit mehr als 760.000 Menschen im Alter in Grundsicherung. Ihr Anteil an allen Rentnern beträgt damit rund 4,3 Prozent.

Vor diesem Hintergrund bezeichnete IG-Bau-Chef Feiger das bezahlbare Wohnen als "soziale Frage Nummer 1" und sprach sich für mehr Neubau aus. Mehr Neubau sei "der Schlüssel zum Erfolg für das Ankurbeln der Wirtschaft".

Bau-Turbo "nicht der große Wurf"

Immobilienexperte Michael Voigtländer vom Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) sieht allerdings noch weitere Schritte nötig, damit die Bautätigkeit anzieht und die Baukosten sinken. Der sogenannte Bau-Turbo der Bundesregierung, der auf schnellere Planungs- und Genehmigungsprozesse abzielt, sei noch nicht der "große Wurf", sagte er der ARD.

Voigtländer verwies darauf, dass Kommunen bei der Ausweisung von Bauland auch mit Widerstand von Bürgern rechnen müssten. "Und es gibt viele Umweltauflagen nach wie vor", fuhr er fort. An "diesen Widerstand, da ist man noch nicht richtig drangegangen", sagte er.

Zudem brauche es schnell "Klarheit für die Bauwirtschaft" bei dem von Bau- und Justizministerium geplanten Gebäudetyp E, fuhr Voigtländer fort. Bei diesem Gebäudetyp soll auf Baustandards verzichtet werden, die gesetzlich nicht zwingend sind.

Quelle: ntv.de, rog/AFP

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