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TV-Duell der US-Demokraten Warren punktet, O'Rourke enttäuscht

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Die ersten 10 der 20 demokratischen Bewerber ums Präsidentenamt: Bill de Blasio, Tim Ryan, Julian Castro, Cory Booker, Elizabeth Warren, Beto O'Rourke, Amy Klobuchar, Tulsi Gabbard, Jay Inslee und John Delaney (v.l.).

(Foto: REUTERS)

Der US-Wahlkampf ist eröffnet: Zwei Stunden lang streiten die ersten zehn der mehr als zwanzig Bewerber der Demokraten darüber, wer am besten geeignet ist, Trump 2020 zu schlagen. Klar ist: Pläne gibt es genug. Doch reicht das Stehvermögen, um den Amtsinhaber abzulösen?

Es war eine straff geführte Debatte: Höchstens 60 Sekunden durften die drei Frauen und sieben Männer beim ersten TV-Duell der Demokraten zum anlaufenden Vorwahlkampf auf die Fragen der insgesamt fünf (!) Moderatoren antworten, dann wurde ihnen das Wort abgeschnitten. Das führte einerseits zu einem munteren Schlagabtausch. In Teilen war es aber auch ein wilder Ritt durch die Themen, die die Menschen zwischen Boston und San Diego täglich umtreiben, von der Wirtschaft über Einwanderungsgesetze und Krankenversicherung bis hin zur Frage, welches die größte geopolitische Gefahr für die USA derzeit sei.

Welche Kandidaten haben sich am besten geschlagen?

Elizabeth Warren, die in dieser Runde ohnehin favorisierte, eher linksgerichtete Senatorin aus Massachusetts. Sie konnte vor allem punkten, wenn es darum ging, mit dem Finger auf die Rücksichtslosigkeit der großen Konzerne und die Bedürfnisse der arbeitenden Bevölkerung zu zeigen. "Ich habe den Mut, die Lobbyisten und Unternehmen anzugreifen", erklärte sie selbstbewusst gleich zu Beginn. "Hier geht es um Korruption, schlicht und einfach." Denn auch wenn die Wirtschaft der USA derzeit floriere - profitieren würden davon nur die Allerwenigsten, schon gar nicht die hart arbeitende Mittelschicht.

Auch Cory Booker, Senator aus New Jersey, hatte einen starken Abend: Er erkämpfte sich die meiste Redezeit und nutzte sie vor allem für ein engagiertes Plädoyer für eine reformierte Einwanderungspolitik oder schärfere Waffengesetze. Und mit den meisten Applaus erhielt Senatorin Amy Klobuchar aus Minnesota, als sie Donald Trump vorwarf, er betreibe Außenpolitik per Tweets, und zwar "morgens um fünf Uhr im Bademantel".

Wer hat enttäuscht?

Beto O'Rourke aus Texas: Der jugendlich wirkende Ex-Abgeordnete konnte seine Vorschusslorbeeren nicht einlösen. Statt spontan und spritzig in die Debatte zu gehen, versuchte er es ein ums andere Mal mit Anekdoten aus seinem privaten und politischen Leben. Dadurch wirkten seine Aussagen in hohem Maße auswendig gelernt und unglaubwürdig. Daran wird er arbeiten müssen, wenn er seine Anhänger nicht schon früh verlieren will.

Um welche Themen ging es vor allem?

Die meiste Redezeit entfiel auf Themen aus der Wirtschaft, auf die Gesundheitsreform, die Einwanderungspolitik und die Waffengesetze. Aber auch der Klimawandel (fast alle Kandidaten waren für einen besseren Klimaschutz und die Förderung "grüner" Technologien), Außenpolitik, die Iran-Krise (dabei große Einigkeit, den Iran-Deal neu zu verhandeln, statt auf militärische Intervention zu setzen) und die Drogen-Krise in den USA kamen zur Sprache. Dabei merkte man auch dem Zehner-Team auf der Bühne an, dass sie klassische Vertreter der Demokratischen Partei sind: Alle wollen dem Staat mehr Kontrollmöglichkeiten einräumen. Und immer wieder machten sie unisono klar: Der jetzige Präsident ist ihrer Meinung nach in hohem Maße ungeeignet, die aktuellen Probleme auch nur ansatzweise zu lösen.

Was war der überraschendste Moment?

Als die Kandidaten gefragt wurden, welches die größte geopolitische Gefahr für die USA sei, antwortete der Gouverneur des Staates Washington, Jay Inslee: "Donald Trump".

Und welcher der peinlichste?

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Als nach der zweiten Werbepause und dem Abgang des ersten Moderatoren-Teams deren Gespräche über die Saal-Lautsprecher noch zu hören waren. Die Sendung musste unterbrochen werden, es kam nochmal Werbung - dann erst hatten die Techniker die Tonprobleme gelöst. Und peinlich-anbiedernd wurde es auch immer dann, wenn Kandidaten wie Cory Booker, Julian Castro oder Beto O'Rourke plötzlich anfingen, spanisch zu sprechen: Nichts gegen eine Politik, die sich der Probleme der Latino-Bevölkerung annimmt, aber muss es dann gleich in auswendig gelerntem Schul-Spanisch sein?

Und was hat Präsident Trump derweil gemacht?

Ursprünglich hatte er angekündigt, sich nicht äußern zu wollen, weil er auf dem Weg zum G20-Gipfel in Japan sei, "um die freie Welt zu retten". Zwanzig Minuten nach Beginn der Debatte konnte er aber doch nicht an sich halten und twitterte: "Langweilig!"

Fazit: Auch wenn erst in der kommenden Nacht die "Big Shots" der Demokraten, also Ex-Vizepräsident Joe Biden, Bernie Sanders, Kamala Harris und Pete Buttigieg, zum zweiten Teil des TV-Duells in die Arena steigen, ist schon jetzt klar: Elizabeth Warren hat ihre Position als ernst zu nehmende Kandidatin eindrucksvoll bestätigt - danach wird die Luft dünn.

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Quelle: n-tv.de

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