Politik

Beziehungen ausgesetzt Warum Marokko verärgert über Deutschland ist

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Um das Gebiet der Westsahara dreht sich ein postkolonialer Konflikt.

(Foto: picture alliance / imageBROKER)

Deutschland und Marokko pflegen eigentlich ein freundschaftliches Verhältnis. Nun bricht die Regierung in Rabat jedoch den Kontakt zur Botschaft ab. Über die Gründe ist noch wenig bekannt. Jedoch haben die Beziehungen zuletzt ziemlich gelitten. Das hat auch mit Ex-US-Präsident Trump zu tun. Ein Überblick.

Was ist passiert?

In einem überraschenden wie ungewöhnlichen Schritt hat die marokkanische Regierung angeordnet, die Beziehungen zur deutschen Botschaft auszusetzen. Damit ist die deutsche Vertretung in Rabat zunächst einmal isoliert. In einem Schreiben des marokkanischen Außenministers Nasser Bourita an Regierungschef Saad-Eddine El Othmani, das die Nachrichtenseite medias24.com veröffentlicht hat, heißt es, die Behörden sollten "sämtlichen Kontakt, Umgang und kooperative Handlungen in allen Fällen und allen Formen" unterbinden. Dies gelte nicht nur in den Beziehungen zur Botschaft, sondern auch zu allen deutschen Organisationen, die mit der Botschaft verbunden sind. Ausnahmen seien möglich, müssten aber explizit durch das Außenministerium genehmigt werden.

Wie reagiert Deutschland?

Die deutsche Seite wurde von dem Schritt allem Anschein nach vollkommen überrumpelt. Das Auswärtige Amt gab zunächst lediglich an, die Medienberichte zur Kenntnis genommen zu haben. Eine offizielle Erklärung Marokkos gibt es noch nicht. Auch Haltung und Rolle von Regierungschef El Othmani in dem Vorgang sind unklar. Eigentlich kooperieren Marokko und Deutschland wirtschaftlich umfangreich. Das Verhältnis ist nach Selbsteinschätzung des Auswärtigen Amts "traditionell eng, freundschaftlich und spannungsfrei". In dem Land sind mit eigenen Büros unter anderem die Friedrich-Ebert-, die Konrad-Adenauer- und die Friedrich-Naumann-Stiftung vertreten. Eine Beschädigung oder gar ein Abbruch dieses Verhältnisses ist eigentlich nicht im Interesse Marokkos.

Was soll das dann?

Der Außenminister schreibt, es gebe "tiefgreifende Differenzen" mit Deutschland "in grundlegenden Fragen des Königreichs". Genauer wird das nicht ausgeführt.

Welche "tiefgreifenden Differenzen" könnten gemeint sein?

Marokko nimmt Deutschland krumm, auf internationaler Bühne zunehmend auf Distanz zu gehen. So sitzt der Stachel tief, dass Marokko im Januar 2020 von der Berliner Libyen-Konferenz ausgeschlossen wurde. Damals versuchte die Bundesregierung, einen Frieden in der Region zu vermitteln, lud neben internationalen Mächten wie den USA, Großbritannien, Frankreich und China auch Länder aus der Region ein. Der Maghreb war allerdings nur durch Marokkos Nachbarn und ewigen Rivalen Algerien vertreten. Rabat erklärte damals: "Das Königreich Marokko versteht weder die Kriterien noch die Beweggründe für die Auswahl der an diesem Treffen teilnehmenden Länder." Marokko habe stets an der Spitze der internationalen Bemühungen um eine Lösung der Libyen-Krise gestanden. Auf marokkanischem Boden war 2015 das Skhirat-Abkommen zustande gekommen, das die Gründung einer Regierung der Nationalen Übereinkunft in Libyen vorsah - die Voraussetzung für die spätere Anerkennung der libyschen Regierung durch die UNO. Hinzu kommt Marokkos Verstimmung wegen Deutschlands Haltung in der Westsahara-Frage.

Konflikt um die Westsahara-Region - worum geht es da?

Um das Territorium an der Atlantikküste unterhalb Marokkos gibt es seit Jahrzehnten Streit. Nach dem Rückzug der vormaligen Kolonialmacht Spanien Mitte der Siebziger Jahre erhob Marokko Ansprüche auf Teile des Gebiets. In der Folge zerrieb sich das Königreich in regionalen Machtkämpfen mit den Anrainern, vor allem mit Mauretanien und Algerien, das den Einfluss Marokkos in der Region in Schach halten wollte. Eine von Algerien unterstützte Unabhängigkeitsbewegung machte sich in der Westsahara breit, gründete die Demokratische Arabische Republik Sahara. Es kam zu einem jahrelangen Bürgerkrieg, 1991 wurde ein Waffenstillstand geschlossen. Er wird von UNO-Truppen überwacht.

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Und warum ist Marokko sauer auf Deutschland?

Bewegung kam in den jahrelang zementierten Konflikt Ende vergangenen Jahres, als US-Präsident Donald Trump sich offiziell auf Marokkos Seite schlug: Rabat hatte den Staat Israel anerkannt, im Gegenzug erklärten die USA, die Westsahara gehöre zu Marokko - ein großer diplomatischer Erfolg für das Land. Deutschland hatte den Schritt der USA offiziell missbilligt. Das verärgerte Marokko zusätzlich. Das Verhältnis befindet sich seither auf einem Tiefpunkt.

Quelle: ntv.de, jog

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