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Gnade für gnadenlosen Arpaio? Warum Trump "Sheriff Joe" so schätzt

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In Joe Arpaios Zeltcamp bekamen die Häftlinge als erstes rosa Unterwäsche verpasst. So ließe sich vermeiden, dass diese gestohlen werde, sagte er zur Begründung.

(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

Ex-Sheriff Joe Arpaio aus Arizona hat sich mit der Demütigung illegaler Einwanderer einen zweifelhaften Namen gemacht. Rosa Unterwäsche und schmale Kost für Kriminelle – das ist ganz nach dem Geschmack von US-Präsident Trump.

US-Präsident Donald Trump weiß, was seine Wähler gerne hören. Bei der Großkundgebung in Phoenix im US-Bundesstaat Arizona ruft er der Menge zu: "Mögen die Leute in diesem Saal Sheriff Joe?" Und mehrere Tausend Menschen skandieren: "Begnadige Joe! Begnadige Joe!" Trump fragt daraufhin rhetorisch: "Wurde Sheriff Joe dafür verurteilt, dass er seinen Job erledigt hat?" Er sage voraus: "Ich denke, es wird ihm gut gehen."

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Der Zweck ist klar: Möglichst unwohl sollen sich die Insassen von Arpaios Zeltgefängnis fühlen.

(Foto: REUTERS)

Sheriff Joe, das ist Joe Arpaio. Der 85-jährige Ex-Polizeichef erwartet im Oktober sein Urteil. Wegen Missachtung einer richterlichen Verfügung drohen dem Hardliner sechs Monate Gefängnisstrafe. Trump erwägt seine Begnadigung. Arpaio hatte seine Leute angewiesen, Autofahrer, die aussehen wie Einwanderer, anzuhalten und deren Aufenthaltsstatus zu prüfen. "Racial Profiling" nennt sich dieses Vorgehen, und es ist in den USA wegen seines diskriminierenden Charakters verboten. Ein Gericht hatte es Arpaio deshalb untersagt, Arpaio hielt dennoch an der Praxis fest.

Nicht nur wegen dieser Episode hat sich Arpaio selbst den Titel "Amerikas härtester Sheriff" gegeben – und sich die Bewunderung des Präsidenten verdient. Die Hochachtung beruht durchaus auf Gegenseitigkeit. Arpaio schwärmt in den höchsten Tönen von Trump. Ein "großer amerikanischer Patriot" sei der Präsident. "Ich sage Ihnen eines: Er hat Mumm und Courage. Und das ist es, was dieses Land braucht", sagte der 85-Jährige vor wenigen Tagen dem Radiosender NPR. Was Arpaio besonders gefällt: Trump unternehme "viel im Kampf gegen illegale Einwanderung".

Arbeiten in Ketten - bei bis zu 50 Grad

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Rosa Handschellen für Mike Tyson - Arpaio machte keine Ausnahmen für Prominente.

(Foto: REUTERS)

Das ist ein Urteil, das auf Arpaio auch zutrifft. Wobei dies seine Praktiken ziemlich beschönigt. Denn Arpaio scherte sich bei seiner Arbeit, die er bis Ende vergangenen Jahres ausübte, wenig um rechtliche Grenzen. 24 Jahre lang war er der heimliche Herrscher über Maricopa County, das Arizonas Hauptstadt Phoenix einschließt und nur wenige Kilometer von der Grenze zu Mexiko liegt. Im vergangenen Jahr missglückte seine Wiederwahl, nun übernimmt ein demokratischer Kandidat den Justizvollzug in dieser Gegend.

Das Vermächtnis Arpaios ist ein Zelt-Gefängnis in der Wüste Arizonas. In direkter Nachbarschaft einer Müllkippe ließ er aus alten Zelten aus Beständen des US-Militärs eine Stadt errichten, in der er Tausende Kleinkriminelle, illegale Einwanderer und Untersuchungshäftlinge unterbrachte. Im Sommer von Arizona klettern die Temperaturen leicht einmal über 50 Grad Celsius.

Arpaios Umgang mit den Gefangenen erinnert an längst vergangene Zeiten. In sogenannten "Chain Gangs" verrichteten diese demütigende und, angesichts der Hitze, anstrengende Arbeiten in der Öffentlichkeit. Dabei sind sie aneinander gekettet. Das soll die Kriminellen demütigen und gleichzeitig ein abschreckendes Beispiel für die Bevölkerung sein. Seit den 50er Jahren wird die Methode, die ihren Ursprung in der Sklaverei der Südstaaten hat, in den USA nicht mehr angewendet.

Nachfolger lässt Zeltstadt schließen

Und auch sonst waren die Regeln in dem Camp hart. Jeden Tag gab es die identische, fleischlose Kost: Morgens Toast, abends Eintopf und Kartoffeln. Während des abstoßenden Essens mussten die Häftlinge das TV-Programm eines Kochkanals ansehen. Die Häftlinge wurden gezwungen rosa Unterwäsche zu tragen. Als Boxer Mike Tyson wegen eines Verkehrsvergehens Kurzzeithäftling in der Zeltstadt wurde, wurde er in pinkfarbenen Handschellen angeliefert - wie alle anderen Insassen auch.

Über der Zeltstadt ließ Arpaio ein zynisches Neonschild anbringen: "Zimmer frei" prangte in großen Lettern über der Einrichtung. Im Camp wurden Schäferhunde eingesetzt, die ihre Befehle auf Deutsch erhielten. Wenn Häftlingen dabei Assoziationen zum Nationalsozialismus kommen, ist dies scheinbar nicht ungewollt. Arpaio nannte die Zeltstadt selbst einmal "Konzentrationslager", tat das später aber als Scherz ab.

Es war einer der vielen Sprüche, die ihm seine Anhänger lange Zeit nicht übel nahmen. Das Schicksal Arpaios wendete sich während seiner Wiederwahlkampagne 2016. Vielen, auch von seinen früheren Unterstützern, fiel auf, dass seine halblegalen Praktiken den Staat wegen Gerichtsverfahren immer mehr Geld kostete. Außerdem erwies sich der Abschreckungseffekt des Camps als gering. Als der Prozess wegen "Racial Profiling" hinzukam, verlor Arpaio wichtige Stimmen und schließlich die Wahl. Arpaios Nachfolger, Paul Penzone, schaffte als eine seiner ersten Amtshandlungen die rosafarbige Unterwäsche in dem Zeltcamp ab. Bis Oktober will er es ganz geschlossen haben.

Treu blieb Arpaio dagegen sein prominentester Anhänger: Donald Trump. Während seiner Wahlkampagne im vergangenen Jahr berichtete der republikanische Kandidat gerne unter dem Jubel seiner Anhänger von Arpaios harten Methoden. Arpaio sprach sich im Gegenzug öffentlich für Trump aus. Nun ist es an Trump, sich seinerseits zu revanchieren. Im Oktober wird das Strafmaß für Arpaio verkündet, vermutlich erhält er sechs Monate. Kaum jemand glaubt, dass der Ex-Sheriff in seinem hohen Alter die Haft antreten muss. Eine Begnadigung wäre also in erster Linie ein Symbol. Und würde Arpaio den Weg frei machen – für eine mögliche Zukunft als wiedergewählter Sheriff von Maricopa County. Arpaio hält sich diese Möglichkeit in Interviews zumindest offen.

Quelle: n-tv.de

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