Politik

Eine Verständnisfrage Warum die Corona-Demos der AfD schaden

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Auf Abstands- und Hygieneregeln pfeifen die Demonstranten bewusst.

(Foto: imago images/Jochen Eckel)

Die große Mehrheit der Deutschen hält laut Umfrage nichts von den Protesten gegen die Corona-Maßnahmen - mit Ausnahme der AfD-Anhänger. Viele von ihnen begrüßen die Demos sogar. Für die Partei ist das ein Problem. Denn ihre kolportierte Nähe zu Corona-Leugnern schreckt potenzielle Neuwähler ab.

Die Demonstrationen gegen die Corona-Politik der Bundesregierung werden laut RTL/ntv Trendbarometer von einer großen Mehrheit der Bevölkerung abgelehnt. Der Forsa-Umfrage zufolge gaben 91 Prozent an, kein Verständnis für die Proteste zu haben. Nur neun Prozent äußerten sich demnach zustimmend. Eine klare Mehrheit (87 Prozent) ist der Meinung, dass die Menschen, die gegen die Maßnahmen auf die Straße gehen, nur eine Minderheit der Bevölkerung repräsentieren.

Am Wochenende sind erneut Anti-Corona-Demonstrationen geplant. Bei einem Protest und einer Kundgebung in Stuttgart sind für den Samstag jeweils 500 Menschen angemeldet, bei einer Veranstaltung in Dortmund 1500 Personen. Erst am vergangenen Wochenende hatten in Berlin rund 20.000 Menschen gegen die Corona-Beschränkungen protestiert. Weil viele Demonstranten weder Abstandsregeln einhielten noch Masken trugen, hatte die Polizei die Kundgebung schließlich aufgelöst.

Entgegen der Meinung von Corona-Leugnern halten drei Viertel der Befragten die Pandemie nach wie vor für das dominierende Problem in Deutschland. Dass über die Proteste sehr breit berichtet wurde, findet die überwiegende Mehrheit jedoch unnötig. Nur vier Prozent der Befragten gab an, das sei ein wichtiges Thema. Unter AfD-Anhängern sehen das hingegen stolze 24 Prozent so - also sechsmal mehr als im Durchschnitt der Bundesbürger.

Jeder Zweite vermutet AfD-Nähe

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Auf die Frage, wo sie die Teilnehmer der Proteste parteipolitisch verorten würden, nannte jeder zweite Befragte die AfD. 32 Prozent gaben an, sie würden die Demonstranten keiner bestimmten Partei zuordnen. Das ist ein Problem für die AfD, die in der Sonntagsfrage seit Wochen bei nur noch acht Prozent stagniert - im Vergleich zu 12,6 Prozent bei der letzten Bundestagswahl. Ein Grund dafür könnte sein, dass sich potenzielle Wähler selbst von einer kolportierten Nähe der AfD zu Corona-Leugnern und Verschwörungsideologen abgestoßen fühlen.

Und tatsächlich legen die Ergebnisse der Umfrage nahe, dass AfD-Anhänger die Proteste deutlich positiver bewerten als Bürger mit anderen Parteipräferenzen. So stimmten 63 Prozent der AfD-Anhänger der Aussage zu, die Proteste würden die Mehrheitsmeinung in der Gesellschaft repräsentieren. Immerhin 59 Prozent von ihnen begrüßen laut Umfrage die Anti-Corona-Proteste. Dagegen gaben 41 Prozent der AfD-Anhänger an, kein Verständnis dafür zu haben.

Quelle: ntv.de, jug/dpa