Politik

Intrige gegen die Generalin Was der Fall Teuteberg für Lindner bedeutet

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Christian Lindner

(Foto: imago images/Reiner Zensen)

Christian Lindner engagiert einen neuen FDP-Generalsekretär, obwohl die alte noch gar nicht zurückgetreten ist. Damit fällt es ihm nun allerdings sehr schwer, abzustreiten, dass es in den vergangenen Wochen eine Schmutzkampagne gegen Linda Teuteberg gab.

Erst nach einer Viertelstunde nimmt Christian Lindner den Namen Linda Teuteberg überhaupt in den Mund. "Ich habe ihr für ihre Arbeit gedankt. Sie wird ein starker Teil unseres Teams bleiben", sagt der Parteichef nach der Vorstandssitzung. Zuvor hatte er mehrere Anträge zum Parteitag erläutert, gesagt, dass er den rheinland-pfälzischen Wirtschaftsminister Volker Wissing als Generalsekretär vorschlagen werde, hatte Harald Christ als Nachfolger von Schatzmeister Otto Solms benannt und einen neuen Beisitzerposten verkündet. Erst dann, wie im Nebensatz, erwähnt er den Namen der Frau, die er vor rund einem Jahr selbst aufgestellt hatte. Teuteberg ist bei der Pressekonferenz nicht anwesend.

Lindner hat tatsächlich seine Generalsekretärin fallengelassen. Die Themen im Land hätten sich verändert, darauf müsse die FDP bei ihrer Team-Aufstellung reagieren, argumentiert er. "Ich sag's ganz offen: In der Führung der Partei brauche ich in dieser Lage mehr Hilfe und Unterstützung", so Lindner. Damit will er offenbar Kritikern entgegentreten, die ihm vorwerfen, in der FDP eine "One-Man-Show" aufzuführen. Erst am Morgen sprach die Chefin der Jugendorganisation Julis, Ria Schröder, in einem Interview von einer "One-Man-FDP". Es sei nicht hinnehmbar "dass immer nur noch das eine Gesicht mit der FDP verbunden wird". Gleichzeitig wirft Lindner Teuteberg mit diesem Satz vor, ihn eben nicht genug unterstützt zu haben.

Damit bestätigt sich ein Gerücht, das sich hartnäckig seit Wochen hält. Und das lautet: Lindner ist mit der Generalsekretärin unzufrieden und will sie loswerden. Seit Ende Juni häuften sich Medienberichte, wonach der Unmut in der Partei mit der Arbeit Teutebergs wachse. Immer neue Vorwürfe wurden zitiert, wonach die Generalsekretärin zu passiv, zu perfektionistisch sei und der Partei zu wenige Erfolge bei den Wahlen in ihrer Amtszeit gebracht habe. Gemein hatten diese Hinweise, dass sie anonym vorgebracht wurden. Hinter vorgehaltener Hand war von einer Kampagne aus Lindners Umfeld die Rede. Ein Mitglied der Fraktion nannte es bei ntv.de einen "konzertierten Angriff". Neben kritischen Tönen finden sich in der FDP auch viele Stimmen, die die Arbeit von Teuteberg loben. Es kursiert der Vorwurf, Lindner suche einen Sündenbock für die Krise der Partei.

Teuteberg geht freiwillig

Lindner hatte die Gerüchte bisher weder dementiert noch bestätigt. Allerdings ist er in den vergangenen Wochen in mehreren Interviews der Frage nach Teutebergs Zukunft ausgewichen - was in der Spitzenpolitik ein klares Indiz ist. Am Sonntagabend beobachteten Reporter der "Bild"-Zeitung, wie Lindner sich mit einigen Getreuen in einem Berliner Restaurant traf. Dabei waren sein Parlamentarischer Geschäftsführer Marco Buschmann, der stellvertretende FDP-Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Joachim Stamp, der niedersächsische FDP-Chef Stefan Birkner, der Landesvorsitzende Baden-Württemberg, Michael Theurer - und Volker Wissing, den Lindner nun zum Generalsekretär machen will.

Offiziell sei es bei dem Treffen um die Nachfolge von Schatzmeister Solms gegangen. Fraglich ist dann aber, warum Lindner nicht alle Landeschefs eingeladen hat. Dann wäre Teuteberg als Chefin des Brandenburger Landesverbands nämlich auch dabei gewesen. Zumal der "Spiegel" bereits vergangene Woche berichtete, die Wahl in dieser Frage sei auf das ehemalige SPD-Mitglied Harald Christ gefallen. Und der wurde nun auch in der heutigen Sitzung vorgeschlagen. Viel spricht also dafür, dass Lindner mit den Seinen gestern Abend den Plan geschmiedet hat, Teuteberg heute loszuwerden. Kurz danach gibt die Generalsekretärin bekannt, ihr Amt zur Verfügung stellen zu wollen.

Damit hat sich Lindner zwar mit seinem Wunsch durchgesetzt, sie loszuwerden. Allerdings könnte die Angelegenheit unagenehme Folgen für ihn haben. Zumindest wird es ihm künftig sehr schwer fallen abzustreiten, dass es in den vergangenen Wochen eine Schmutzkampagne gegen Teuteberg gab. Und wer seiner parteiinternen Kritiker würde ihm wohl glauben, dass nicht er diese Kampagne lanciert hat?

In der Partei mehren sich die Stimmen, die Lindner für seine Alleinherrschaft über Partei- und Fraktionsvorsitz kritisieren: Er lasse dem Nachwuchs zu wenig Platz, heißt es. Tatsächlich werden diese Posten in allen anderen Parteien auf mehrere Schultern verteilt. Auch der Umgang mit der Thüringen-Wahl hat Lindner viel Kritik eingebracht. Danach sagte der FDP-Bundestagsabgeordnete Thomas Sattelberg in einem Interview mit dem "Handelsblatt", man könne auf den Gedanken kommen, dass Lindner seine Partei nicht mehr im Griff habe. Und FDP-Urgestein Gerhart Baum warf Lindner vor, die Partei sei unter ihm "viel zu weit nach rechts gerückt" und nur noch "als eine Partei wahrgenommen, die immer dagegen ist".

Teuteberg hatte eine Reihe von Fürsprechern in der Fraktion und so ist es wahrscheinlich, dass die Zahl seiner Kritiker nun weiter wächst. Die FDP hat seit den gescheiterten Jamaika-Verhandlungen Ende 2017 gravierende Probleme, mit ihren Themen durchzudringen. Zumindest aber konnte sich die Partei auf ihre Geschlossenheit berufen. Lindner dürfte durch den Vorgang nicht ernsthaft ins Wackeln geraten. Dafür werden seine Errungenschaften für die Partei zu sehr anerkannt. Auf die Wählerinnen und Wähler allerdings dürfte eine zunehmend intrigante und streitende FDP jedoch wenig attraktiv wirken.

Quelle: ntv.de

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