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LKA tagt in Wiesbaden Was fasziniert Frauen am Dschihad?

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Ruinen in Palmyra.

(Foto: picture alliance / dpa)

In den vergangenen Jahren sind gut 160 Frauen aus Deutschland in den Heiligen Krieg gezogen. Nicht wenige von ihnen waren gut ausgebildet und hatten Arbeit. Und doch brechen sie alle Verbindungen. Ermittler suchen nach Gründen.

Duygu aus Frankfurt ist 25 Jahre alt. Sie hat einen Abschluss als Dolmetscherin, gehört also nicht zu den viel zitierten "Verlierern" der Gesellschaft. Und doch kündigt sie vor einem Jahr ihre Arbeitsstelle. Sie bricht alle Kontakte zu Familie und Freunden im Rhein-Main-Gebiet ab und reist mit ihrem Lebensgefährten Selcuk nach Syrien, in den Heiligen Krieg. Selcuk posiert auf Fotos als schwer bewaffneter Kämpfer. Duygu wird schwanger und bekommt in dem zerstörten Land ein Baby. Ihre eigenen Eltern wissen nicht einmal, in welcher Stadt in Syrien sie sich aufhält. 800 Menschen sind seit 2013 "ausgereist", ein Fünftel davon Frauen.

Die Behörden sind alarmiert. Warum ziehen so viele junge Frauen aus Deutschland in den sogenannten Heiligen Krieg? Warum lassen sie sich dort freiwillig unterwerfen und erniedrigen? Ist das, was früher der Punk war, heute der Salafismus? Diese Fragen haben Experten auf Einladung des Hessischen Landeskriminalamtes (LKA) in Wiesbaden diskutiert. Viele Frauen starten in der Hoffnung auf die große Liebe nach Syrien, finden die Kämpfer in ihrer martialischen Aufmachung sexy. Dann folgt schnell Ernüchterung.

"Es sind junge Mädchen und Frauen, auch mit kleinen Kindern, in die Kriegsgebiete gereist, haben sich beteiligt an Kriegshandlungen, teilweise aber auch prostituiert für die Kämpfer", sagt LKA-Präsidentin Sabine Thurau. "Sie können sich unschwer vorstellen, wenn diese jungen Leute zurückkommen: wenn sie physisch gesund sind, so sind sie doch psychisch schwer angeschlagen. Es ist bislang nicht absehbar, welche Gefahr sie in unserer Gesellschaft darstellen."

Für Susanne Schröter vom Forschungszentrum Globaler Islam der Frankfurter Goethe-Universität ist auch Abenteuerlust ein Motiv. "Viele werden auch von Spiel, Sport und Spannung getrieben und glauben, dass sie da die Bedingungen des Computerspiels in echt vorfinden." Kaum zu glauben:  Von einer salafistischen Gemeinschaft versprechen sich Frauen laut Schröter einen für sie ungekannten Freiraum für eigene Aktivitäten - verglichen mit ihrer Situation in deutschen Moscheen, wo sie oft nur in zweiter Reihe hinter den Männern agieren. "Junge Frauen lesen den Koran, organisieren Spendenaktionen für Syrien, üben öffentliche Auftritte mit Gesichtsverschleierung und stellen sie dann ins Internet", sagt sie weiter

Das gelte als cool in ihrer Community. Sie empfinden sich als GUTE Seite der Gesellschaft. Und dennoch ziehen Frauen wie Duygu nach der Radikalisierung in den Heiligen Krieg. Der Salafismus verspricht ihnen einfache Antworten auf die Herausforderungen der komplizierter werdenden Welt. Einfache Antworten aber, wie sich junge Frauen von ihrem Weg ins eigene Unglück abhalten lassen, die gibt es nicht.

Quelle: n-tv.de, cei