Politik

Werkzeug für Nuklearschlag Was passiert mit Trumps Atomkoffer?

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Trumps Atomkoffer bei einem Besuch in England 2018.

(Foto: REUTERS)

Die Weitergabe des wichtigsten Koffers der Welt ist einer der bedeutendsten Momente der Machtübergabe in den USA. Donald Trump ist aber dabei nicht anwesend und nimmt die Tasche, mit der man einen nuklearen Krieg beginnen kann, mit nach Florida. Ist das gefährlich?

Es ist der wichtigste Koffer der Welt. Und der gefährlichste. Um die 20 Kilogramm schwer, stets trägt ihn ein Mitarbeiter des Militärs, niemals darf er sich in zu großer Entfernung vom US-Präsidenten befinden. Der Atomkoffer, in den USA auch "Nuclear Football" oder einfach "der Knopf" genannt, beinhaltet die Macht über die nuklearen Waffen der Vereinigten Staaten, die mit etwa 5800 Sprengköpfen die meisten auf der Welt besitzen.

In dem Koffer, der eher wie eine kompakte Aktentasche oder ein Arztköfferchen daherkommt, befindet sich aber kein roter Knopf, mit dem der Präsident Atomraketen zünden könnte, sondern nukleare Angriffspläne, Zugang zu Befehls- und Kontrollsystemen und eine Serie von Nuklearcodes, mit denen der Amtsinhaber seinen Streitkräften den Befehl zum atomaren Ernstfall geben könnte. Zusätzlich sollen in dem "Football" eine elektronische Karte, die den Präsidenten als die Person identifiziert, die das Signal für den Einsatz von Atomwaffen geben kann und ein abhörsicheres Notrufsystem sein, mit dem der Präsident seinen Militärs und seinem Stab Befehle mitteilen kann.

"Mindestens drei bis vier identische Footballs"

Seit John F. Kennedy wurde diese große Verantwortung von Präsident an Präsident übergeben. Und zwar traditionell unmittelbar nach der Vereidigung am Tag der Amtseinführung vom scheidenden Machthaber an seinen Nachfolger. Donald Trump hat sich aber entschieden, der Inauguration Joe Bidens fernzubleiben - als erster Präsident seit 1869, als Nuklearwaffen noch lange nicht erfunden waren. Was passiert also mit dem Atomkoffer?

Es gibt mehrere Möglichkeiten, wie die Nuklearcodes trotzdem in Bidens Hände wandern sollen - auch in dem Fall, dass Trump die Nuklearcodes nicht rausrücken will. Schließlich wird der "Football" Trump auch begleitet haben, als er sich um etwa 14 Uhr deutscher Zeit von Washington nach Florida in sein Anwesen aufgemacht hat. Das Pentagon soll sich aber schon länger darauf eingestellt haben, dass Trump an der Machtübergabe nicht teilnehmen wird, und entsprechende Pläne für den Atomkoffer entworfen haben.

Ohnehin gibt es nicht nur "diesen einen" Koffer. "Es gibt mindestens drei bis vier identische 'Footballs': Einer folgt dem Präsidenten, einer folgt dem Vizepräsidenten, und einer ist traditionell für den designierten Überlebenden (im Falle eines Anschlags; d. Red.) bei Veranstaltungen wie Amtseinführungen und State of the Union Adress vorgesehen", erklärt Stephen Schwartz vom Fachmagazin "Bulletin of the Atomic Scientists" dem TV-Sender CNN. Am Tag der Amtsübergabe wären die zusätzlichen Koffer irgendwo mit ihren designierten Personen "außerhalb der Stadt". Entweder würde der Koffer von Vizepräsident Mike Pence übergeben, oder "das Militärbüro des Weißen Hauses habe ein weiteres Backup für Biden vorbereitet", so Schwartz. Der Soldat mit dem "Football" in Trumps Nähe würde sich exakt zum Zeitpunkt der Amtsübergabe von dem dann ehemaligen Präsidenten entfernen und zurück nach Washington fliegen.

Trumps Codes deaktiviert

Auch wenn Trump seinen Nuklearkoffer behielte, könnte er ab 12 Uhr Ortszeit damit keinen Atomschlag mehr befehlen, denn dann werden seine Codes deaktiviert. Biden und Vize-Präsidentin Kamala Harris haben ihre Nuklearcodes wahrscheinlich schon am Morgen ausgehändigt bekommen, aktiviert werden diese um 12.01 Uhr nach der Machtübergabe.

Der Koffer ist ohnehin nur ein Backup, für den Einsatz konzipiert, wenn der Präsident nicht in der Nähe der Kommando- und Kontrollzentren des Weißen Hauses ist. Dort würde er normalerweise von Experten und Mitarbeitern detailliert unterrichtet werden, bevor die USA einen Atomschlag befehlen. Zwar gibt es kein Erstschlagverbot in den Vereinigten Staaten, sie besitzen aber eine "negative Sicherheitsgarantie" mit 180 Ländern für den Einsatz von Atomwaffen. Russland, China und Nordkorea sind nicht Teil dieser Abmachung.

Quelle: ntv.de