Politik

Tote und Verletzte in der Türkei Was wir bisher über den Putsch wissen

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Panzer in Ankara. In der Nacht von Freitag auf Samstag herrscht Chaos, es gibt Tote und Verletzte in Ankara und Istanbul.

(Foto: REUTERS)

Am Freitagabend kommt es zu einem Putsch gegen Präsident Erdogan. In Ankara und Istanbul herrscht Chaos, es gibt Tote und Verletzte. Erdogan ist in Sicherheit. Aber was ist da genau passiert und wer will die Macht an sich reißen?

Was ist geschehen?

In der Türkei spielen sich am Freitagabend dramatische Szenen ab. Zunächst gibt es Berichte von Kampfhubschraubern und Jets über der Hauptstadt Ankara, dann rollen Panzer, kurz darauf ist klar: In dem Land mit knapp 75 Millionen Einwohnern findet ein Putschversuch statt. Präsident Erdogan und seine Regierung sollen entmachtet werden.

Es gab schwere Explosionen in der Hauptstadt und auch in Istanbul herrscht Choas. Das Militär soll in eine Menschenmenge gefeuert haben. Auch hier soll es Explosionen gegeben haben. In der Nähe des Präsidentenpalastes in Ankara ist einem Medienbericht zufolge eine Bombe eingeschlagen. In der Frühe heißt es dann von Seiten der Regierung, die Lage sei unter Kontrolle.

Am Samstagmorgen werden mehr als 750 Militärangehörige festgenommen. Die Putschisten erklärten in einer E-Mail, dass sie weiter kämpfen. Sie riefen die Bevölkerung auf, zu ihrer eigenen Sicherheit in Räumen zu bleiben. Die Gruppe nennt sich Bewegung für Frieden in der Heimat. Die Mail hat den Absender des Pressebüros des Generalstabs des Militärs. Gleichzeitig sei das Hauptquartier des Militärs nach Angaben eines Regierungsvertreters unter der Kontolle von Regierungstruppen, eine kleine Gruppe leiste noch Widerstand. Der türkische Armeechef Hulusi Akar, der von den Putschisten festgehalten wurde, konnte derweil befreit werden und wurde an einen sicheren Ort gebracht.

EU-Ratspräsident Donald Tusk ist besorgt: "Die Lage scheint unter Kontrolle, aber die Situation ist weit von einer Stabilisierung entfernt", sagt er beim Asem-Gipfel in der Monoglai.

Wer führt den Putsch an?

Das ist unklar. Erdogan verdächtigt den säkulären Prediger Fethullah Gülen als Strippenzieher. Die Gruppe um den Erdogan-Widersacher weist die Vorwürfe zurück.

Über die Motive der Armee oder Teile der Armee gibt es widersprüchliche Einschätzungen: Zum einen haben Beobachter einen Putsch für extrem unwahrscheinlich gehalten, da das Militär als weitgehend "gleichgeschaltet" gelte. Andere Stimmen hatten immer wieder vor einem Putsch gewarnt, da Erdogan dem Militär in den vergangenen Jahren zusehends Bedeutung abgesprochen hatte. Aus dieser Perspektive sei immer wieder vor einem Putsch gewarnt worden. 

Gibt es Tote und Verletzte?

Ja. Insgesamt wurden mindestens 265 Menschen getötet. Bei 161 der Toten handelt es sich laut Ministerpräsident Binali Yildirim um regierungstreue Sicherheitskräfte oder Zivilisten. Hinzu kommen 104 getötete Putschisten, wie es aus Regierungskreisen in Ankara heißt. Mehr als 1150 Menschen wurden zudem verletzt.

Hat der Putsch Aussicht auf Erfolg?

Auf den Straßen des Landes hat sich massiver Widerstand gegen die Putschisten formiert. In Istanbul und Ankara gingen Tausende auf die Straßen, um Erdogan zu unterstützen. Er hatte das Volk aufgerufen, sich der Aussgangssperre des Militärs zu widersetzen.

Die Putschisten hatten zwischenzeitlich den größten Flughafen des Landes eingenommen. Als sich jedoch immer mehr Gegner des Aufstandes am Atatürk-Airport sammelten, um gegen die Putschisten zu demonstrieren, rückte das Militär wieder ab.

Der türkische Geheimdienst meldete am frühen Morgen, der Putschversuch sei abgewendet. Verschiedene Militärs und Journalisten hatten schon zuvor angedeutet, den Putschisten wenig Chancen einzuräumen. Insgesamt entsteht der Eindruck, dass Erdogan einen Großteil des Volkes hinter sich weiß und es ein Putsch gegen seine Regierung extrem schwer haben wird. Am Samstag kündigte Erdogan an, das Militär zu säubern.

Wo ist Präsident Erdogan?

Recep Tayyip Erdogan befand sich bis zum Ausbruch des Putsches im Urlaub in der Nähe des türkischen Badeortes Bodrum. Als die ersten Nachrichten über einen Putsch aufkamen, wurde er in Sicherheit gebracht - zu diesem Zeitpunkt an einen unbekannten Ort. Es gibt Medienberichte, wonach er nach Ankara gebracht wird. Erdogan meldete sich im Fernsehen per Smartphone zu Wort und überbrachte eine Botschaft per FaceTime an seine Anhänger. Am Morgen meldet sich der Präsident aus Istanbul zu Wort.

Quelle: ntv.de, bdk/sgu/dpa/rts