Politik

124.000 Euro brutto Wendt legt seine Einkünfte offen

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124.000 Euro verdient Rainer Wendt eigenen Angaben zufolge pro Jahr.

Rainer Wendt steht massiv in der Kritik. Nun geht Deutschlands bekanntester Polizeigewerkschafter in der Besoldungsaffäre in die Offensive. Außerdem betont er: "Meine Bezüge sind gemessen an meiner Arbeit angemessen."

Nach der Debatte um seine Beamtenbesoldung ohne Gegenleistung droht dem Polizeigewerkschaftschef Rainer Wendt nun wegen Nebeneinkünften ein Disziplinarverfahren. Das NRW-Innenministerium habe das Landesamt für Aus- und Fortbildung der Polizei zur Einleitung eines solchen Verfahrens aufgefordert, erklärte Ministeriumssprecher Ludger Harmeier am Mittwoch.

Hintergrund für die Aufforderung zu dem Disziplinarverfahren sei Wendts "jetzt bekannt gewordene Aufsichtsratstätigkeit für einen Versicherungskonzern", sagte der Ministeriumssprecher.

Spiegel Online berichtete am Abend, Wendt habe inzwischen seine Einkünfte offengelegt. In einem Papier seines Anwalts, das dem Magazin vorlag, würden jährliche Einkünfte in Höhe von insgesamt 124.145,29 Euro brutto genannt. Als Polizeihauptkommissar erhielt er demnach 3348,68 Euro brutto im Monat, von seiner Gewerkschaft eine Aufwandsentschädigung von monatlich 520 Euro brutto. Dazu kämen jährlich 77.721,13 Euro brutto für fünf verschiedene Gremienposten.

Und eine Wohnung in Berlin

Auch die "Süddeutsche Zeitung" berichtete über diese Zahlen. Wendts Anwalt Axel Mütze sagte dem Blatt: "Im Ergebnis erhält Herr Wendt also Bezüge, welche dem eines Polizeipräsidenten vergleichbar sind." Zusätzlich werde ihm in Berlin eine 46 Quadratmeter große Wohnung "zur Verfügung gestellt, um Hotelkosten zu ersparen". Wer diese Wohnung bezahlt, sagte Mütze nicht.

Der Kölner "Express" hatte berichtet, dass Wendt seit dem Spätsommer 2013 vom Kölner Versicherungskonzern AXA jährlich eine Vergütung von 50.000 Euro erhalte. Der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) beziehe das Geld für seine Tätigkeit im Aufsichtsrat der AXA Lebensversicherung AG.

Wendt will Polizeigewerkschafts-Chef bleiben

Wendt sagte Spiegel Online: "Meine Bezüge sind gemessen an meiner Arbeit angemessen." Er bekräftigte zugleich, weiter Vorsitzender der DPolG bleiben zu wollen. "Der große Zuspruch des überwiegenden Teils meiner Kolleginnen und Kollegen zeigt mir, dass innerhalb der Organisation ein Schaden bislang nicht eingetreten ist", sagte er.

Ende vergangener Woche hatte Wendt eingeräumt, dass er zwar jahrelang vom Land Nordrhein-Westfalen Beamtensold bekam, aber nicht als Polizist arbeitete. Seither steht er unter steigendem Druck.

Unterdessen gehen Spiegel Online zufolge auch Gewerkschaftskollegen auf Distanz zu Wendt: Der nordrhein-westfälische Landesvorsitzende der Gewerkschaft, Erich Rettinghaus, erklärte demnach per E-Mail seinen Rückzug aus dem DPolG-Bundesvorstand, weil er "die Entscheidungen der Bundesleitung zu den jüngsten belastenden Ereignissen" nicht mittragen könne.

Die Deutsche Polizeigewerkschaft hatte Wendt verteidigt. Dieser habe als Bundesvorsitzender lediglich eine Aufwandsentschädigung erhalten, die in der Summe mit seinen Bezügen als Landesbeamter das Gehalt eines vollzeitbeschäftigten Hauptkommissars nicht übersteige.

Quelle: ntv.de, dsi/AFP