Politik

Jüdische Gemeinde in Sorge Wenn AfD regiert: Schuster würde emigrieren

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Auf einer Fraktionssitzung von CDU/CSU Ende November sprach Zentralratspräsident Schuster über seine Gedanken zum Thema Emigration.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Unruhe in der jüdischen Gemeinde in Deutschland wächst. Nach dem Publizisten Friedman spricht auch der Zentralratspräsident der Juden in Deutschland offen darüber, auszuwandern. Wie Friedman zieht Schuster die Grenze bei einer Regierungsbeteiligung der AfD.

Der wachsende Judenhass in Deutschland bleibt nicht ohne Folgen für die Lebenspläne prominenter Juden. Nach dem Publizisten Michel Friedman beschäftigt sich auch der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, öffentlich mit dem Thema Emigration. Er wolle Deutschland verlassen, sollte die AfD mitregieren, sagte Schuster nach einem Bericht des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) bei einer Sitzung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion am 25. November. Teilnehmer berichteten dem RND von den Äußerungen des Zentralratspräsidenten.

In der Sitzung sagte Schuster demnach, es gebe wegen des zunehmenden Antisemitismus Unruhe in der jüdischen Gemeinde. Er sage bei derlei Gelegenheiten immer, Juden könnten in Deutschland leben, sie seien hier sicher und sollten sich nicht verunsichern lassen. Der 65-Jährige fügte allerdings hinzu: "Wenn es Koalitionen mit der AfD gäbe, müsste auch ich sagen: Jetzt ist es Zeit, Deutschland zu verlassen." Denn damit werde der Boden entzogen, auf dem jüdisches Leben in Deutschland möglich sei. Kulturstaatsministerin Monika Grütters erwiderte Teilnehmern zufolge: "Ich kann Ihnen versichern: Hier im Raum gibt es niemanden, der über so etwas nachdenkt." Daraufhin habe es Applaus gegeben. Insgesamt sei das Gespräch mit der Unionsfraktion harmonisch verlaufen, heißt es.

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Zentralratspräsident Schuster und Michel Friedman im Mai bei der Verleihung des Leo-Baeck-Preises in Berlin.

(Foto: picture alliance/dpa)

Friedman hatte sich im Gespräch mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" ähnlich geäußert. Auf die Frage, wann der Moment sei zu fliehen, sagte Friedman: "Ich habe mich das oft gefragt. Und es ist bis heute so schmerzhaft: dass in den 1930er Jahren viele einfach nicht rechtzeitig gegangen sind." Juden aus Berlin oder München hätten nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten die Zeichen der Zeit verdrängt, weil sie sich weiter mit der Gesellschaft identifiziert hätten. Er selber könne sich allerdings vorstellen zu gehen, sagte Friedman dem Blatt. "Ich für mich habe eine Grenze definiert: Wenn die AfD in einer Bundesregierung wäre, würde ich gehen."

Das frühere Mitglied des CDU-Bundesvorstandes bezeichnete die AfD als "rassistisch, antidemokratisch, menschen- und demokratieverachtend. Das müssen sich AfD-Politiker zurechnen lassen". Friedman fügte hinzu, "eine klare und eindeutige Abgrenzung ist zwingend".

Quelle: ntv.de, mau