Machtvakuum in VenezuelaWer könnte auf Diktator Maduro folgen?

Die USA greifen am frühen Morgen Venezuela an. Kurz darauf werden Diktator Maduro und seine Ehefrau festgenommen. In den USA soll ihnen der Prozess gemacht werden. Doch wer könnte den Machthaber ersetzen? Hier ein Überblick.
Nach der Festnahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro durch die USA droht ein Machtvakuum in dem angegriffenen Land. Laut US-Präsident Trump soll kein Vertreter der Maduro-Regierung ihm in Venezuela nachfolgen. Er werde niemandem erlauben, "dort weiterzumachen, wo er aufgehört hat", sagt Trump in einem Telefoninterview dem US-Sender Fox News. Der venezolanische Staatschef sei in einer Art "Festung" gefangen genommen worden und solle nach New York gebracht werden. Wer wird nun die Staatsgewalt in Venezuela übernehmen. Infrage kommen verschiedene Kandidaten. Doch wie stehen ihre Chancen wirklich?
Vizepräsidentin Delcy Rodríguez:
Der Verfassung zufolge müsste Vizepräsidentin Delcy Rodríguez die Führung des südamerikanischen Landes übernehmen. Die 56-Jährige steht für die Kontinuität des "Sozialismus des 21. Jahrhunderts". Die Juristin und erfahrene Diplomatin ist eine der loyalsten Figuren in Maduros Machtzentrum.
Als Außenministerin (2014-2017) prägte Rodríguez den konfrontativen Kurs gegen die USA, den sie als Vizepräsidentin fortsetzte. Während Maduro in US-Gewahrsam ist, muss sie die Reaktion auf die Angriffe koordinieren, die Milizen aktivieren und die Verbindung zu Verbündeten wie Russland, China und dem Iran halten. Es muss sich jedoch zeigen, ob Rodríguez das Land im Ausnahmezustand führen kann - und wohin. Insidern zufolge hält sich Delcy Rodríguez in Russland auf. Ihr Bruder und Parlamentspräsident Jorge Rodriguez sei hingegen in der Hauptstadt Caracas, sagten mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Der russische Außenminister wies die Berichte, wonach Rodriguez in Russland sei, als falsch zurück.
Die US-Regierung will mit Rodríguez zusammenarbeiten. "Wir haben gerade ein Gespräch mit ihr geführt, und sie ist im Grunde bereit, das zu tun, was wir für notwendig halten, um Venezuela wieder groß zu machen, ganz einfach", sagte US-Präsident Donald Trump bei einer Pressekonferenz in seiner Residenz Mar-a-Lago in Florida.
Gewählter Präsident im Exil Edmundo González:
Die USA, aber auch die EU und mehrere lateinamerikanische Staaten sehen den inzwischen im spanischen Exil lebenden Edmundo González Urrutia als eigentlichen gewählten Präsidenten Venezuelas an. Als sich Maduro nach der von Betrugsvorwürfen begleiteten Präsidentenwahl 2024 trotzdem für eine dritte Amtszeit vereidigen ließ, verließ González das Land.
Der 76-Jährige ist trotz seines Sieges ein politischer Außenseiter ohne eigene Machtbasis. Der frühere Diplomat trat erst an, nachdem die populäre Oppositionsführerin María Corina Machado ausgeschlossen worden war. González wurde als moderater Kandidat positioniert, der für einen Übergang stehen soll und international als akzeptabel gilt. Im inneren Machtgefüge Venezuelas hat González allerdings schlechte Karten. Er hat weder Einfluss auf staatliche Institutionen noch auf Militär und Sicherheitsapparate, die über den Machterhalt entscheiden.
Friedensnobelpreisträgerin María Corina Machado:
Die wichtigste Oppositionspolitikerin ist María Corina Machado, die treibende Kraft hinter dem Wahlkampf von González wurde, nachdem sie ausgeschlossen worden war. Die 58-Jährige ist die schärfste politische Gegnerin der autoritären linken Führung in Venezuela. Für ihren Einsatz "für einen gerechten und friedlichen Übergang von Diktatur zur Demokratie" in Venezuela erhielt sie im vergangenen Jahr den Friedensnobelpreis.
Eine klare Distanzierung von US-Drohungen ließ Machado jedoch vermissen. Auf die Frage, ob sie eine militärische Intervention der Vereinigten Staaten begrüßen würde, erklärte sie bei einer Pressekonferenz, Venezuela erlebe bereits einen Einmarsch. Sie verwies dabei auf russische und iranische Kräfte sowie auf Kartelle und warf Präsident Maduro vor, das Land zum kriminellen Zentrum Amerikas gemacht habe. Den internationalen Druck auf Maduro und dessen Einnahmequellen begrüßte sie ausdrücklich.
Machado lebte über ein Jahr im Untergrund und reiste unter strenger Geheimhaltung zur Entgegennahme des Nobelpreises nach Oslo aus. Wo sie sich derzeit aufhält, ist unbekannt. Nach ihrer Ausreise hatte sie angekündigt, nach Venezuela zurückzukehren. Ob sie dort politisch handlungsfähig wäre, bleibt angesichts des Drucks durch Sicherheitskräfte und Justiz offen.
Nach Ansicht von US-Präsident Donald Trump ist Machato kein geeignetes Staatsoberhaupt für Venezuela. Sie habe nicht die notwendige Unterstützung und den Respekt im eigenen Land, sagte Trump über die Politikerin. Er habe keinen Kontakt mit Machado gehabt. Machado selbst hatte den Diplomat Edmundo Gonzalez als neuen Präsidenten des Landes vorgeschlagen. Gonzalez habe die Präsidentenwahl vor eineinhalb Jahren gewonnen und sollte sein verfassungsmäßiges Amt nun unverzüglich antreten, heißt es in einer auf X veröffentlichten Mitteilung Machados. Die "Stunde der Freiheit" für Venezuela sei gekommen, so die Friedensnobelpreisträgerin.
Verteidigungsminister Vladimir Padrino López:
Verteidigungsminister Vladimir Padrino López wird als wichtiger Akteur im venezolanischen Machtgefüge gehandelt. Neben dem Militär kontrolliert der 62-Jährige auch Schlüsselbereiche der Wirtschaft und Verwaltung, darunter Häfen, die Lebensmittelverteilung und staatliche Programme. Damit ist er nicht nur Garant für die Loyalität der Armee, sondern ein entscheidender Pfeiler der Stabilität der Regierung.
Unter Maduro wurde er zum starken Mann des Militärs, ohne das in Venezuela kein Präsident regieren kann. Auch Vizepräsidentin Rodríguez bräuchte dessen Rückhalt. Beobachter halten es daher für möglich, dass Padrino als Königsmacher das letzte Wort haben und etwa Innenminister Diosdado Cabello oder sich selbst an die Spitze einer Übergangsregierung setzen könnte. Ohne seine Zustimmung ist ein Machtwechsel in Venezuela praktisch ausgeschlossen. Doch nach der Aussage von US-Präsident Trump auf Fox News stehen die Chancen von López auf eine Nachfolge Maduros wohl eher schlecht.