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Botschaften im Jemen bleiben geschlossen Westliche Vertretungen stehen unter Schutz

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Auch das US-Konsulat in Jerusalem steht unter verstärktem Schutz.

(Foto: dpa)

Nach den Warnungen von USA und Interpol vor Terrorsanschlägen stehen viele westliche Botschaften unter verstärktem Schutz. Vor allem in Sanaa, der Hauptstadt des Jemens, patrouillieren Sicherheitskräfte vor den Einrichtungen. US-Truppen werden in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt. Analysten sehen einen Zusammenhang zur NSA-Abhöraffäre.

Aus Furcht vor islamistischen Terroranschlägen sind zahlreiche westliche Botschaften vor allem in muslimischen Ländern geschlossen geblieben. Im Jemen, wo die Gruppe Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel aktiv ist, erhöhten die Sicherheitskräfte die Vorkehrungen vor den geschlossenen Vertretungen Deutschlands, Frankreichs, Großbritanniens und der USA. Im Weißen Haus hielten die USA ein Krisentreffen ab, nachdem auch Interpol eine globale Warnung herausgegeben hatte.

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Vor der deutsche Botschaft in Sanaa stehen Betonklötze, um mögliche Attentäter abzuhalten..

(Foto: dpa)

Die deutsche Vertretung in Sanaa werde am Sonntag und Montag nicht öffnen, teilte das Auswärtige Amt mit. Andere deutsche Vertretungen im Ausland seien nicht betroffen. Am Freitag hatte London die gleiche Ankündigung gemacht, auch Frankreich zog später nach. Die USA erklärten, 22 diplomatische Vertretungen blieben zu, darunter Botschaften in Afghanistan, Bangladesch und Israel. Kanada schloss seine Vertretung in Bangladesch.

Vor den geschlossenen Botschaften in Sanaa patrouillierten zahlreiche einheimische Sicherheitskräfte. Wie ein Augenzeuge berichtete, waren bewaffnete Spezialkräfte im Einsatz, auch Panzer waren zu sehen. "Wir waren bereits im Alarmzustand, aber wir haben unsere Wachsamkeit noch verdoppelt", sagte ein Polizist. Auch vor anderen westlichen Einrichtungen seien viele Sicherheitskräfte zu sehen.

Am Freitag hatte die US-Regierung ihre Bürger vor möglichen Terrorangriffen der Gruppe Al-Kaida und ihren Verbündeten bis Ende August "vor allem im Nahen Osten und in Nordafrika" gewarnt. Die Anschläge könnten laut Außenministerium von der Arabischen Halbinsel ausgehen. Präsident Barack Obama habe angeordnet, "alle nötigen Maßnahmen zum Schutz der US-Bürger" zu ergreifen, hieß es aus dem Weißen Haus.

Erhöhte Alarmbereitschaft für US-Einheiten

Einzelne US-Militäreinheiten im Nahen Osten wurden in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt. Das berichtete der Sender CNN unter Berufung auf Regierungskreise in Washington. US-Verteidigungsminister Chuck Hagel habe im Pentagon mit seinen Fachleuten besprochen, welche Einheiten im Falle eines Terrorangriffs auf US-Einrichtungen eingesetzt werden könnten. Diese seien in einen Bereitschaftsstatus versetzt worden, der im vergangenen Jahr nur in einer Handvoll Fällen angeordnet worden sei, sagte der namentlich nicht genannte Regierungsmitarbeiter.

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In Sanaa zeigen Sicherheitskräfte vermehrt Präsenz vor westlichen Einrichtungen.

(Foto: REUTERS)

Um welche Einheiten es sich handelt, sagte er nicht. Zwei andere Regierungsbeamte erklärten laut CNN, die US-Marine habe in den letzten Tagen Amphibienboote im Roten Meer näher an den Jemen heran beordert.

US-Generalstabschef Martin Dempsey sagte dem Fernsehsender ABC News, Ziel möglicher Anschläge seien "die Interessen des Westens, nicht nur der USA". Die Bedrohung sei "spezifischer" als in früheren Fällen. Die "New York Times" berichtete unter Berufung auf US-Regierungskreise, die Warnung beruhe auf abgefangener elektronischer Kommunikation zwischen Al-Kaida-Anführern.

Laut der "New York Times", die sich auf US-Regierungsbeamte berief, diskutierten Terroristen Attacken gegen Einrichtungen im Nahen Osten und Nordafrika. Es sei ungewöhnlich, dass etwa E-Mails oder Handy-Gespräche von höherrangigen Al-Kaida-Angehörigen über die Planung von Operationen abgefangen worden seien - zumal in größeren Mengen. Daher hätten Experten des Geheimdienstes CIA, das Außenministerium und das Weiße Haus sofort begriffen, worum es gehe.

Das Abfangen elektronischer Kommunikation ist eine Hauptaufgabe des US-Geheimdienstes NSA, dessen massive Spähprogramme US-Whistleblower Edward Snowden enthüllt hatte. Der "New York Times" zufolge deuteten Analysten und Kongressmitarbeiter an, eine Terrorbedrohung zum jetzigen Zeitpunkt sei ein guter Weg, von der Kritik an den NSA-Programmen abzulenken. Noch besser sei es, wenn zugleich deutlich gemacht werden könne, dass die NSA-Aktivitäten ein mögliches Terrorkomplott aufgedeckt hätten.

Am Samstag dann gab die internationale Polizeiorganisation Interpol eine globale Warnung vor erhöhter Terrorgefahr heraus und verwies auf jüngste Massenausbrüche mutmaßlicher Extremisten aus Gefängnissen unter anderem in Libyen, Pakistan und dem Irak. Al-Kaida werde verdächtigt, in die Flucht von "hunderten Terroristen und anderen Kriminellen" verwickelt zu sein, erklärte Interpol und rief seine 190 Mitgliedsländer zur Kooperation auf, um mögliche weitere Attacken zu verhindern.

Jahrestage von Terrorangriffen

Interpol verwies zudem darauf, dass in den August zahlreiche Jahrestage "gewalttätiger Terrorangriffe" fielen, darunter Anschläge in Indien, Russland und Indonesien. Am 7. August 1998 waren außerdem die US-Botschaften in Kenia und Tansania angegriffen worden. Dabei wurden mehr als 200 Menschen getötet.

Experten meinen, dass die erhöhte Terrorgefahr mit dem Ende des muslimischen Fastenmonats Ramadan Mitte nächster Woche zusammenhängen könne. Der britische Sicherheitsexperte Peter Bergen sagte der BBC, Al-Kaida habe in der Vergangenheit Interesse daran gezeigt, am 27. Tag des islamischen Fastenmonats Ramadan Anschläge zu verüben. Der 27. Tag fällt auf diesen Sonntag. Bergen bezieht sich dabei auf die sogenannte "Nacht der Bestimmung", in der nach muslimischem Glauben dem Propheten Mohammed die ersten Suren des Korans offenbart wurden.

Angesichts der Warnungen kamen unter Vorsitz der Nationalen US-Sicherheitsberaterin Susan Rice am Samstag unter anderem Außenminister John Kerry, Verteidigungsminister Chuck Hagel und Heimatschutzministerin Janet Napolitano zu Gesprächen im Weißen Haus zusammen. Auch die Chefs der Geheimdienste CIA und NSA sowie der Bundespolizei FBI nahmen teil. Obama wurde anschließend unterrichtet. Die Runde habe die Lage bewertet und weitere Maßnahmen besprochen, hieß es.

Als einzig konkrete Warnung könnten Äußerungen von Al-Kaida-Chef Aiman al-Sawahiri gelten: Am Dienstag hatte er dazu aufgerufen, "Interessen der USA und ihrer Verbündeten" weltweit anzugreifen. In einer weiteren angeblich von ihm stammenden Botschaft vom Freitagabend wurde der Sturz des islamistischen ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi durch "Kreuzfahrer" und mit "amerikanischem Intrigenspiel" kritisiert.

Stammeskämpfer haben unterdessen im Zentraljemen mit einem Bombenanschlag die wichtigste Ölpipeline des Landes lahmgelegt. Die Explosion in der Provinz Marib brachte den Transport des Erdöls zu den Verladehäfen an der südlichen Küste zum Erliegen, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Saba. Es war der zweite Anschlag dieser Art innerhalb von zehn Tagen. Kämpfer der zahlreichen Stammesmilizen sprengen immer wieder Ölleitungen in die Luft, um ihren Forderungen nach Freilassung verhafteter Stammesangehöriger Nachdruck zu verleihen.

Quelle: n-tv.de, AFP/dpa

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