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Chronik einer steilen Karriere Wie Ursula von der Leyen aufstieg

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Europas künftige Kommissionspräsidentin? Ursula von der Leyen im EU-Parlament.

(Foto: dpa)

Erste Verteidigungsministerin Deutschlands, 14 Jahre Kabinettserfahrung, promovierte Ärztin, siebenfache Mutter: Ursula von der Leyen kann schon jetzt auf eine außergewöhnliche Karriere zurückblicken. Eine Übersicht.

"Europa war meine erste Heimat": Mit diesem Hinweis auf ein Detail aus ihrer Vita hat sich Ursula von der Leyen um den Posten der EU-Kommissionspräsidentin beworben. Tatsächlich kam die heute 60-jährige deutsche Spitzenpolitikerin in der "europäischen Hauptstadt" Brüssel zu Welt: Ihr Vater, der CDU-Politiker und spätere niedersächsische Ministerpräsident Ernst Albrecht, arbeitete zu dieser Zeit für die "Montanunion", einen Vorläufer der Europäischen Union.

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Die Kindheit in Brüssel verhalf der 1958 geborenen Ursula von der Leyen schon allein in sprachlicher Hinsicht zu einer gute Ausgangsposition: Ihre Grundschulzeit absolvierte sie an der Europäischen Schule in der belgischen Metropole. Von der Leyen spricht neben ihrer Muttersprache Deutsch fließend Englisch und Französisch. Der Wechsel ihres Vaters nach Niedersachsen führte die Familie nach Hannover, wo von der Leyen und ihre sechs Geschwister zur Schule gingen.

Nach einer Orientierungsphase in Göttingen, Münster und London mit Ausflügen in die Archäologie und die Volkswirtschaftslehre entschied sie sich 1980 schließlich für ein Medizinstudium, das sie 1987 - dem Jahr der Geburt ihres ersten Sohnes und ihrer Zulassung als Ärztin - mit dem Staatsexamen abschloss. 1990 trat sie in die CDU ein. Das Jahr der deutschen Einigung - Ursula von der Leyen ist jetzt Mutter von zwei Kindern - markiert in ihrer Biographie den Beginn einer ungewöhnlich steilen politischen Laufbahn.

Karriere als siebenfache Mutter

Binnen zwölf Jahren stieg Ursula von der Leyen von der promovierten Assistenzärztin und Kommunalpolitikerin im Stadtrat der Gemeinde Sehnde zur Ministerin für Soziales, Frauen, Familie und Gesundheit in der niedersächsischen Landesregierung auf. Nebenbei bekam sie fünf weitere Kinder.

Im Jahr 2004 wurde sie Mitglied im Präsidium der CDU und spielte fortan auch bundespolitisch eine Rolle. Ein Jahr später holte Bundeskanzlerin Angela Merkel sie nach Berlin, wo sie das Amt der Bundesfamilienministerin übernahm. Seitdem sitzt von der Leyen ohne Unterbrechung im Kabinett. Kaum jemand verfügt über mehr Erfahrung in der Regierungsarbeit als sie.

Zurück nach Brüssel?

2009 wechselte sie ins Ressort Arbeit und Soziales. 2010 wählten die Christdemokraten sie zur stellvertretenden Parteivorsitzenden. Im Dezember 2013 wurde sie - als erste Frau in Deutschland überhaupt - Bundesverteidigungsministerin. Zeitweise wurde sie sogar als mögliche Nachfolgekandidatin für den Kanzlerinnenposten gehandelt. Ihre Wahlergebnisse als CDU-Vizechefin auf den Parteitagen waren allerdings stets mäßig; viele Delegierte fremdelten mit der Frau, die die Familienpolitik der Union modernisiert hatte.

2010 war sie als mögliche Unionskandidatin einer Bundespräsidentin im Gespräch. Ursula von der Leyen blieb jedoch Verteidigungsministerin - bis sie Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron nach der Europawahl 2019 überraschend als künftige Kommissionspräsidentin vorschlug.

Gelingt von der Leyen nun als erste Deutsche seit Jahrzehnten der Sprung an die Spitze der mächtigen Brüsseler Behörde? Für die CDU-Politikerin steht nicht nur persönlich viel auf dem Spiel. Kurz vor der entscheidenden Abstimmung gab sie bekannt, dass sie ihren Kabinettsposten aufgeben wird. Sollten EU-Parlamentarier ihr eine klare Mehrheit verweigern, könnte das nicht nur die Große Koalition in Berlin belasten. Die EU, die nach der Europawahl Ende Mai vom Aufbruch träumte, heißt es, könnte in eine neue Krise stürzen.

Quelle: n-tv.de

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