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Nach US-Wahl-Pleite Wie geht es Hillary Clinton?

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Hillary Clinton gibt FBI-Chef James Comey eine Teilschuld an ihrer Niederlage.

(Foto: AP)

Während Donald Trump bereits seine Präsidentschaft plant, ist von Hillary Clinton wenig zu hören. Nun gibt die gescheiterte Demokratin einen kurzen Einblick in ihr Seelenleben. Ihr früherer Gegner Bernie Sanders erklärt derweil, warum Trump gewonnen hat.

Die unterlegene Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton hat eingeräumt, dass die vergangenen Tage "sehr, sehr hart" waren. In einer Telefonkonferenz mit Wahlkampfhelfern rief die Demokratin zugleich dazu auf, "wieder rauszugehen" und weiter "für die Anliegen zu kämpfen, die wir unterstützen".

Clinton machte das Vorgehen von FBI-Direktor James Comey in der E-Mail-Affäre kurz vor der Wahl zumindest zum Teil für ihre Niederlage verantwortlich. Dem Sender CNN zufolge sagte sie in der Telefonkonferenz, der Chef der Bundespolizei habe ihr einen "Doppelschlag" verpasst, indem er am 29. Oktober die Einleitung neuer Untersuchungen publik gemacht und dann am Sonntag vor der Wahl plötzlich bekanntgegeben habe, dass nichts Belastendes gefunden worden sei.

CNN berief sich dabei auf Angaben eines Teilnehmers der Telefonkonferenz. Demnach sagte Clinton, der erste Schritt habe den Schwung gestoppt, den sie nach drei TV-Debatten und der Veröffentlichung des Skandalvideos mit vulgären Äußerungen ihres Wahlgegners Donald Trump gewonnen habe. Der zweite habe Trump-Befürworter schlicht befeuert und zugleich keine der noch unentschiedenen Wähler überzeugt, die ihr zugeneigt hätten. Zusammen sei das "zu viel" gewesen, um es zu überwinden. Sie räumte den Angaben zufolge aber ein, dass es andere Gegenwinde im Wahlkampf gegeben habe, die nicht "angemessen bekämpft" worden seien.

Sanders hat es geahnt

Clintons Kontrahent im Vorwahlrennen, Bernie Sanders, erklärte, er sei traurig, aber nicht überrascht vom Wahlausgang. "Es schockiert mich nicht, dass Millionen Menschen, die für Herrn Trump gestimmt haben, das taten, weil sie den wirtschaftlichen, politischen und den Status quo bei den Medien leid waren", schrieb Sanders in einem in der "New York Times" veröffentlichten Meinungsartikel.

Der Senator aus Vermont, der nach seiner Vorwahl-Niederlage Clinton unterstützt hatte, kündigte eine Reihe von Reformvorschlägen zur Neubelebung der Demokratischen Partei an. "Sie muss sich von ihren Verbindungen mit dem Unternehmensestablishment lösen und wieder eine Graswurzel-Partei der arbeitenden Bevölkerung, der Älteren und Armen werden."

Erstes Fotos nach der Wahl-Niederlage

*Datenschutz

Eine junge Amerikanerin namens Margot Gerster hatte die Eheleute Clinton am Freitag zufällig bei einem Spaziergang mit ihrer Tochter getroffen und ein Foto der Begegnung bei Facebook hochgeladen. Darauf wirkte Hillary  sichtlich gelöst. Sie lächelt unverkrampft, ihre Haare sind vom Wind leicht zerzaust und statt einem strengem Kostüm trägt sie lässige Freizeitkleidung. Laut CNN war es das erste Foto, das Clinton zeigt, nachdem sie ihre Wahlniederlage gegen Trump eingestanden hatte. Gerster sagte dem Sender, sie habe den Eindruck gehabt, Clinton gehe es gut - so gut, wie man es "nach solch einer verrückten, verrückten Erfahrung erwarten kann". Clinton sei sehr freundlich und zuvorkommend gewesen, habe aber nicht den Eindruck gemacht, als wolle sie über Politik sprechen.

Trump will Teile von "Obamacare" behalten

Indes verkündete Trump, dass er Obamas Prestigeprojekt, die "Obamacare" genannte Gesundheitsrefom, möglicherweise nur nachbessern wolle. Die Reform werde entweder "verbessert oder widerrufen oder ersetzt". Seinen Positionswechsel führte Trump auf das Gespräch mit dem scheidenden Staatschef am Donnerstag im Weißen Haus zurück: Obama habe ihn gebeten, Teile der Reform zu erhalten, und er wolle darüber nachdenken. Dem Sender CBS sagte Trump zu der längeren Mitversicherung von Kindern: "Das wird teurer, aber das ist wirklich etwas, das wir beibehalten wollen."

CBS veröffentlichte Auszüge aus dem Interview, das am Sonntag vollständig ausgestrahlt werden soll. Darin zeigte Trump erneut einen aus dem Wahlkampf weniger bekannten Wesenszug: Er berichtete von einem Anruf von Ex-Präsident Bill Clinton, der "nicht liebenswerter hätte sein können". Er werde "sicher darüber nachdenken", Clintons Rat in Anspruch zu nehmen, sagte Trump.

In demselben Interview bezeichnete er den Anruf seiner Rivalin Hillary Clinton am Dienstag, mit dem sie ihm zum Sieg gratuliert hatte, als "charmant". "Sie hätte nicht netter sein können." Trump hatte sich am Vortag bereits erfreut über sein Treffen mit Obama im Weißen Haus gezeigt.

Quelle: n-tv.de, dsi/dpa

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