Politik

"Das ist nicht unser Stil" Wilders Pegida-Flirt bringt AfD in Not

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(Foto: picture alliance / dpa)

Pegida zieht nicht nur deutsche Politiker an, sondern auch Geert Wilders. Dass sich der bekannte niederländische Rechtspopulist nun offen mit dem Dresdner Anti-Islam-Bündnis solidarisiert, ist gefährlich - vor allem für die AfD.

Begeisterung klingt irgendwie anders. "Das fanden wir nicht so schön", heißt es am Tag nach der Pegida-Demo in Dresden aus AfD-Kreisen. Der Auslöser ist kein geringerer als Ed der Holländer. Der Mann aus Utrecht, der seit Wochen immer wieder bei den Pegida-Veranstaltungen aufgetreten war, hatte am Sonntag eine ganz besonders pikante Botschaft aus seiner Heimat mitgebracht. Bei seiner Rede in Dresden verlas er ein Grußwort von Geert Wilders, dem wohl bekanntesten Rechtspopulisten in Europa. "Es ist wirklich fabelhaft, was hier in Dresden passiert", hieß es darin. "Ich bin stolz auf euch. Lasst uns gemeinsam kämpfen."

Der niederländische Politiker ist seit Sonntag das bekannteste Gesicht, das sich bisher offen zu Pegida bekannt hat. Die islamkritische Bewegung in Deutschland gefällt dem 51-Jährigen. Eine Überraschung ist das nicht, aber der AfD dürfte das gar nicht schmecken. Wilders Grußwort dürfte den Rechtskonservativen um Bernd Lucke sogar Zähneknirschen und Unbehagen bereiten.

Die Partei betont seit jeher beharrlich ihre Distanz zu Wilders. "Mit Rechtsextremisten wollen wir nichts zu tun haben", sagte Lucke im November 2013. Wilders suchte vor der Europawahl 2014 mehrfach Kontakt zur AfD. Er wollte gemeinsam mit der Französin Marine Le Pen, der britischen Ukip und den deutschen Europaskeptikern eine gemeinsame Fraktion im EU-Parlament bilden - doch die AfD lehnte ab.

"Eine Pegida-AfD-Wilders-Achse wollen wir nicht"

Im Mai vergangenen Jahres erklärte Lucke dazu n-tv.de: "Wilders Partei macht Stimmung gegen Ausländer und insbesondere gegen Moslems. Das ist überhaupt nicht unser Stil. Wir kritisieren, wenn nötig, Gesetze und Institutionen, wir fordern ein Einwanderungsrecht nach kanadischem Vorbild. Aber wir agitieren nicht gegen Menschen."

Wilders Pegida-Verbrüderung wirft nun Fragen auf: Gelten Luckes Worte immer noch? Oder sitzen AfD, Pegida und Wilders jetzt in einem Boot? So viel ist sicher: Die Islamkritiker von Pegida gut zu finden, gleichzeitig aber den Islamkritiker Wilders zu verurteilen - das ist wahrlich ein schwieriger Spagat.

Am Tag nach Wilders Grußwort gibt es durchaus kritische Töne aus der Parteizentrale. "Eine Pegida-AfD-Wilders-Achse wollen wir nicht", heißt es. Sollte sich in den Niederlanden nun ein Pegida-Ableger mit Wilders an der Spitze etablieren, "dann wären wir ganz schnell raus aus der Kiste", sagt einer, der jedoch nicht mit seinen Namen genannt werden will. Offiziell tut die AfD-Spitze jedoch, als würde sie die Causa Wilders gar nichts angehen. Man schwankt zwischen demonstrativem Schulterzuckern und halbherzigem Herunterspielen. "Was Pegida für Grußworte hält, ist Sache von Pegida", sagt Lucke n-tv.de nur.

Neue Wähler für 2017

Dabei macht die AfD seit Wochen kein Geheimnis aus ihrer Zuneigung für das Anti-Islam-Bündnis. Zwar betonen Parteivertreter vereinzelt immer wieder Distanz, etwa zum inzwischen zurückgetretenen Pegida-Chefs Lutz Bachmann. Doch wenn es um das Prostest Bündnis im Allgemeinen und dessen Inhalte ging, wurden vor allem Parteisprecherin Frauke Petry und Vize Alexander Gauland nicht müde, die Gemeinsamkeiten hervorzuheben. Parteitaktisch bietet Pegida eine lukrative Gelegenheit, neue Wähler zu akquirieren, um 2017 den Einzug in den Bundestag zu schaffen.

Beide Seiten pflegen inzwischen einen guten Kontakt. So traf sich die sächsische AfD-Fraktion zuletzt mit den Pegida-Koordinatoren zum Austausch und Kennenlernen. Petry telefonierte mehrfach mit Anführerin Kathrin Oertel. Anders als im Fall Bachmann will die AfD gegenüber Pegida aber diesmal nicht darauf hinweisen, dass man die Figur Wilders für problematisch hält. "Schlicht weil der Kontakt nicht so eng ist", heißt es dazu lapidar aus der Parteispitze.

Die AfD bleibt erst einmal flexibel in ihrer Haltung zu Pegida. Auch in Zukunft wird sie ihre Taktik bei Bedarf wechseln und wieder stärker Nähe statt Distanz betonen. So hält man eine partielle Zusammenarbeit mit Pegida nach wie vor für möglich und nötig. Wie das aussehen könnte, zeichnete sich am Sonntag am Dresden schon ab. Pegida will ein Volksbegehren gegen die geplante sächsische Polizeireform initiieren. Dabei kann das Bündnis weiterhin auf die Unterstützung der AfD bauen. Das habe auch nach der Grußbotschaft von Wilders noch Bestand, bestätigte ein Mitglied aus der Parteispitze.

Quelle: ntv.de

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