Politik

Auftritt bei Pegida in Dresden Wilders gibt den intellektuellen Rechtsaußen

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Geert Wilders holt weit aus - um am Ende bei islamfeindlichen Ressentiments zu landen.

(Foto: AP)

Rechtspopulist Geert Wilders lockt in Dresden einige Tausend Pegida-Anhänger an. Er gibt sich intellektuell – spricht von Kant, Schiller und Stauffenberg. Doch gefeiert wird er für seinen Islamhass.

Die Wiese im Ostragehege in Dresden ist riesig, die Bühne, die für Geert Wilders bereitsteht, erscheint dadurch umso winziger. Viele Menschen können den Stargast nur auf der Leinwand sehen. Pegida-Chef Lutz Bachmann wirkt wie der Einpeitscher, als er im feinen Anzug mit hellblauer Krawatte seinen Freund aus dem Nachbarland ankündigt. Es ist 17.48 Uhr. Geert Wilders betritt die Bühne, einige Tausend Pegida-Anhänger jubeln ihm frenetisch zu. Er hat noch nichts gesagt, dennoch ist er jetzt schon ihr Held.

Wilders lobt die Demonstranten. Sie seien seit Monaten jeden Montag, bei jedem Wetter unterwegs, sie seien mutig und würden die Wahrheit aussprechen. Das schmeichelt dem Publikum, viele fühlen sich verstanden. Nicken, jubeln, stimmen ihm zu. Endlich weiß das mal jemand zu schätzen.

Geert Wilders holt nicht direkt die rechten Parolen heraus, er nähert sich der Thematik erst langsam an. Wer über deutsche Schriftsteller wie Schiller spricht oder Philosophen wie Kant erwähnt, der kann doch kein plumper Rassist sein. Oder doch?

Wilders packt Masse mit Ressentiments

Wilders nutzt die deutsche Geschichte, um gegen den Islam zu wettern. Immer wieder spielt er auf die Wende und den Mauerfall 1989 an. Und er beschwört den damaligen Geist der Freiheit. "Wir sind das Volk" ist ein zentraler Satz seiner Rede – und tausende Menschen rufen wie aus einem Munde "Wir sind das Volk!" und fühlen sich dadurch euphorisiert. Wilders weiß, dass dieser Satz zur Deutschen Einheit gehört und dass Pegida ihn für sich umgedeutet hat. Auch der Niederländer münzt den Satz auf den Widerstand gegen die Islamisierung: "Angela Merkel sagt, der Islam gehört zu Deutschland. Aber die Mehrheit in Deutschland denkt nicht, dass der Islam zu Deutschland gehört."

Parolen wie diese versetzen die Masse in Wallungen und lauthals schreien etliche Menschen "Volksverräter" und meinen damit Bundeskanzlerin Angela Merkel oder den sächsischen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich. "Die Politiker stecken die Köpfe in den Sand wie ein Vogel Strauß", sagt Wilders. Einfache Sätze wie diese begeistern die Demonstranten. Schließlich sind sie ein Schlag gegen das politische Establishment, das viele Pegida-Anhänger so satt haben. Zwischenzeitlich ruft die Menge "Merkel muss weg" und Wilders fragt mit einem Lächeln: "Soll ich Angela Merkel mit nach Holland nehmen?"

Wilders-Auftritt kann nicht helfen

Nach 30 Minuten ist das große Wilders-Spektakel vorbei. Doch was bleibt hängen? "Die Wilders-Rede war super", sagt ein älterer Mann. "Am Besten hat mir das gefallen, was er über das Nationalgefühl gesagt hat, dass es gut ist, Patriot zu sein", sagt ein anderer. Und ein weiterer findet, dass Wilders ganz anders wirkte, als man es bislang gehört habe: "Da sieht man wieder, wie das Bild auseinanderklafft. Es war ein super Rede." Viele wissen, was Geert Wilders in den Niederlanden bereits alles gesagt hat. Aber wenn das verboten sei, "müsste man ja viele für Volksverhetzung bestrafen".

Pegida hat sich heute mit einem Rechtspopulisten geschmückt, der mit geschickten Anspielungen auf den Widerstand in der Zeit des Mauerfalls seinen Aufruf gegen den Islam verknüpft hat. Er hat die Angst gegen Überfremdung geschürt und dafür Jubel geerntet. Mit Geert Wilders wollte sich Pegida schmücken – doch auch ein Starauftritt wie dieser kann Pegida langfristig nicht helfen. 30.000 Menschen hatte sich Bachmann erhofft, trotz des guten Wetters kamen laut Polizei nur 10.000.

Auch die vielen Gegendemonstranten machen Pegida das Leben schwer. Am Ende sagt jemand durch die Lautsprecheranlage: "Passen Sie bitte auf, wenn Sie mit dem PKW hier sind. Es gibt Menschen, die ihnen vielleicht Nägel vor und hinter die Reifen gelegt haben."

Quelle: n-tv.de

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