Sender gesteht Fehler einZDF entfernt nachträglich KI-Bilder aus Beitrag über US-Abschiebebehörde

KI-generierte Fotos und Videos werden für Journalisten zunehmend zur Herausforderung. Andererseits kann Künstliche Intelligenz bei der eigenen Berichterstattung helfen. Im "heute journal" zeigt das ZDF jetzt, wie man es nicht machen sollte.
Das ZDF hat von Künstlicher Intelligenz (KI) generierte Bilder aus einem Beitrag der Nachrichtensendung "heute journal" nachträglich entfernt. Der Sender teilte auf Anfrage mit, die in dem Beitrag zu Einsätzen der US-Migrationsbehörde ICE vom 15. Februar verwendeten Bilder hätten als KI-generiert gekennzeichnet werden müssen. "Diese Kennzeichnung wurde bei der Überspielung des Beitrags aus technischen Gründen nicht übertragen."
Auf den Bildern war unter anderem zu sehen, wie eine Frau und zwei Kinder auf der Straße von Einsatzkräften abgeführt werden. Die Redaktion habe den Fehler korrigiert und das Video entsprechend angepasst, hieß es weiter. "In den KI-Grundsätzen des ZDF ist festgelegt, dass KI-generiertes Bildmaterial immer transparent gekennzeichnet wird."
In der ZDF-Mediathek ist inzwischen eine geänderte Ausgabe der "heute journal"-Sendung zugänglich. Die KI-Bilder sind darin ersetzt durch andere Videosequenzen und Standbilder. Über Teilen des Beitrags ist ein Balken eingeblendet mit dem Hinweis: "Video aus redaktionellen Gründen nachträglich geändert".
Medienminister übt heftige Kritik
Zu der Frage, ob der Redaktion zum Zeitpunkt der Ausstrahlung bekannt war, dass es sich bei den verwendeten Bildern um ein KI-generiertes Video handelte, äußerte sich der Sender auf Anfrage nicht. Ein "stern"-Reporter schrieb auf X, dass auch ein zweiter Clip der Sendung "nicht die Abschiebung eines Kindes durch ICE-Kräfte" darstelle, sondern "den Fall eines 10-Jährigen nach einer Amokdrohung aus dem Jahr 2022".
Nathanael Liminski, nordrhein-westfälischer Medienminister und Mitglied im ZDF-Fernsehrat, wirft dem Sender in dem Fall "krasse Fälschung" vor und zielt dabei nicht nur auf die fehlende Kennzeichnung, sondern grundsätzlich auf die Verwendung von KI ab. "Diese krasse Fälschung in einer Nachrichtensendung ist ein gravierender Fehler", sagte der CDU-Politiker dem stern. "Die geltenden Maßstäbe und eigenen Ansprüche an öffentlich-rechtlichen Qualitätsjournalismus hätten eine solche Täuschung des Publikums bereits in der Entstehung des Beitrags verhindern müssen."
Liminski warnte das ZDF vor einer Bagatellisierung des Fehlers: "Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat den Auftrag, durch verlässliche und ausgewogene Informationen zur Meinungsbildung beizutragen. Die Machart dieses Beitrags torpediert dieses Ziel: Anstatt Desinformation und Deepfakes zu entlarven, wird auf Bildmaterial aus sachfremden Zusammenhängen sowie auf KI-generierte Fakebilder zurückgegriffen. Das ist ein Tabubruch und ein absolutes No-Go."