Politik

Trotz Wohnungsnot Zahl der Baugenehmigungen sinkt

122120022.jpg

Bei den Mehrfamilienhäusern gingen die Genehmigungen um 3,2 Prozent zurück.

(Foto: picture alliance/dpa)

In Deutschlands Städten finden immer mehr Menschen kaum noch eine bezahlbare Wohnung. Dennoch werden 2019 weniger Bauvorhaben genehmigt als noch im vergangenen Jahr. Stabil bleiben die Genehmigungszahlen nur in einem Bereich, von dem die am stärksten Betroffenen nicht profitieren werden.

Weiterhin keine Entspannung auf dem vielerorts engen Wohnungsmarkt in Deutschland: Im ersten Halbjahr 2019 erteilten die Behörden weniger Baugenehmigungen als im Vorjahreszeitraum. Von Januar bis einschließlich Juni gab es grünes Licht für den Neubau oder Umbau von gut 164.600 Wohnungen, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Das waren nach Berechnungen der Wiesbadener Statistiker 2,3 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

Laut Statistik blieb lediglich die Zahl der Genehmigungen für Einfamilienhäuser annähernd gleich; sie lag von Januar bis Juni bei rund 44.500. Weniger Genehmigungen wurden für den Bau von Zweifamilienhäusern erteilt: Die Zahl sank um 4,7 Prozent auf rund 10.300. Bei den Mehrfamilienhäusern gingen die Genehmigungen um 3,2 Prozent auf rund 83.400 zurück. Mitgezählt werden auch Genehmigungen für Wohnheime und für Baumaßnahmen an bestehenden Gebäuden.

"Insbesondere der Rückgang der Baugenehmigungen bei Mehrfamilienhäusern ist alarmierend. Denn hier gibt es den größten Bedarf", kommentierte der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt, Robert Feiger, die Zahlen.

"Grundstücksmarkt ist nahezu ausgetrocknet"

Um die große Nachfrage nach Immobilien zu decken, müssen nach Einschätzung von Politik und Bauwirtschaft in Deutschland jährlich 350.000 bis 400.000 Wohnungen entstehen. Mehrere Verbände machten für die beschriebene Entwicklung vor allem den Mangel an Bauland verantwortlich. Außerdem seien viele Handwerker schlicht ausgelastet.

"Der Grundstücksmarkt, der den Flaschenhals für mehr Baugenehmigungen bildet, ist nahezu ausgetrocknet", erklärte etwa der Bundesverband freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen. "Falls überhaupt noch Bauland verfügbar ist, dann oft zu astronomischen Preisen. Deshalb scheitern viele Neubauvorhaben bereits an dieser Hürde."

Der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) forderte die Kommunen deshalb auf, die Grundstücke grundsätzlich nach dem Gebot der Konzeptvergabe und nicht nach Höchstpreisen abzugeben. Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie sprach sich zudem für mehr Mitarbeiter in den Kommunalverwaltungen und für einheitlichere Landesbauordnungen aus. Der Wohnungsbau selbst müsse schneller und effizienter werden.

Quelle: n-tv.de, lwe/AFP