Politik

Umstrittenes Einbürgerungsgesetz Zahl der Toten bei Protesten in Indien steigt

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Indiens Hauptstadt ist von den Protesten gezeichnet.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die andauernden Ausschreitungen in der indischen Hauptstadt Neu-Delhi fordern weitere Tote. Grund ist ein neues Staatsbürgerschaftsgesetz, welches Kritikern zufolge Muslime diskriminiert. Auch US-Präsident Trump nimmt sich des Themas bei seinem Indienbesuch an.

Mindestens 20 Menschen sind bei den schlimmsten gewaltsamen Zusammenstößen seit Jahrzehnten in der indischen Hauptstadt Neu-Delhi ums Leben gekommen. Zudem seien rund 190 Verletzte in ein örtliches Krankenhaus gebracht worden, sagte ein Sprecher des Guru-Teg-Bahadur-Krankenhauses. Auch rund 40 Polizisten wurden verletzt, wie Beamte mitteilten. Ob sie in der vom Krankenhaus genannten Zahl enthalten sind, war zunächst unklar.

Seit Anfang der Woche gingen demnach verschiedene Gruppen mit Steinen und Stöcken aufeinander los. Auch Moscheen, Läden und Autos wurden in Brand gesteckt, wie Fernsehbilder zeigen. Der Ministerpräsident von Neu Delhi, Arvind Kejriwal, rief die nationale Regierung dazu auf, eine Ausgangssperre zu verhängen. Kejriwal nannte die Situation auf Twitter "besorgniserregend". Die Polizei sei "trotz aller Bemühungen" unfähig, die Situation zu kontrollieren und "Vertrauen herzustellen". Er forderte die nationale Regierung auf, die Armee mit der Beaufsichtigung einer Ausgangssperre zu beauftragen.

Hintergrund der Gewalt sind Proteste gegen ein vom hindunationalistischen Premierminister Narendra Modi durchgedrücktes Einbürgerungsgesetz, das nach Ansicht von Kritikern gezielt Muslime diskriminiert. Seit Wochen haben Zehntausende Menschen gegen das Gesetz protestiert, bei einigen Protesten gab es Gewalt und Tote. Die neusten Ausschreitungen fanden im Nordosten der Hauptstadt statt, wo besonders viele Muslime leben.

Schlimm waren sie auch während des Staatsbesuchs von US-Präsident Donald Trump in Indien. Trump sagte, dass er mit Modi über das Thema gesprochen habe, Modi habe ihm versichert, dass es in Indien Religionsfreiheit gebe. Muslime sind Indiens größte religiöse Minderheit, sie machen rund 14 Prozent der indischen Bevölkerung aus, rund 80 Prozent sind Hindus. Das kontroverse Gesetz erleichtert vielen illegal eingereisten Migranten aus drei mehrheitlich muslimischen Nachbarländern die Einbürgerung - sofern sie keine Muslime sind.

Quelle: ntv.de, mdi/dpa/AFP