Politik

Furcht vor Kämpfen und Bomben Zehntausende fliehen aus Donezk

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Dieser Panzer soll aus dem Zweite-Weltkriegs-Museum der Donbass-Region stammen - offenbar wollen die Rebellen ihn im Kampf gegen die ukrainische Armee einsetzen.

(Foto: dpa)

Donezk stehen schwere Stunden bevor. Nach der Ankündigung des ukrainischen Präsidenten Poroschenko, die Stadt belagern zu lassen, beginnen die Rebellen sich zu verschanzen. Zehntausende Bewohner der Stadt ergreifen die Flucht.

Nach ihrem Rückzug aus mehreren Rebellenhochburgen im Osten der Ukraine bereiten sich die prorussischen Separatisten auf einen Kampf um die Millionenmetropole Donezk vor. In zahlreichen Straßen errichteten die Aufständischen Barrikaden und Kontrollposten. Vereinzelt waren Schüsse zu hören. Offenbar aus Angst vor einer Militäroffensive flüchteten zugleich nach Behördenangaben Zehntausende Menschen aus der Stadt.

"Die Atmosphäre ist sehr angespannt, es gibt keine Aussicht auf eine Zukunft. Man schläft im Alarmzustand ein, und man wacht im Alarmzustand auf", sagte ein 28-jähriger Koch. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier und sein russischer Kollege Sergej Lawrow forderten eine neue Waffenruhe. Doch die Chancen dafür standen schlecht. Präsident Petro Poroschenko zeigte nach der Einnahme von Slawjansk keine Bereitschaft, einer neuen Feuerpause zuzustimmen.

Die 120.000-Einwohner-Stadt war der Ort, in dem die Separatisten über Monate hinweg am meisten Kontrolle ausgeübt hatten. Nach ihrer Niederlage zogen sich viele Kämpfer nach Donezk zurück. Die Rebellen haben die Metropole zu ihrer Hauptstadt erklärt.

30.000 verlassen die Stadt

Auf den Alltag der Menschen in der Stadt hatte das bislang vergleichsweise geringe Auswirkungen. Doch jetzt fürchteten Bewohner, dass es zu schweren Kämpfen kommen könnte. Erste Geschäfte und Unternehmen blieben zum Wochenbeginn bereits geschlossen. Bis zu 30.000 Menschen hätten Donezk verlassen, sagte Maksim Rowinski von Stadtrat.

Die russische Nachrichtenagentur Interfax zitierte einen Rebellenkommandeur, der den Namen Igor Strelkow nutzte, mit den Worten, seine Männer würden um die Stadt kämpfen. Donezk sei sehr viel leichter zu verteidigen als Slawjansk. 80 bis 90 Prozent seiner Männer seien aus Slawjansk entkommen. Sie würden jetzt "die aktive Verteidigung" von Donzek organisieren. Strelkows wahrer Name ist Igor Girkin. Wo er sich aufhielt, ist nicht klar. Zwei andere bekannte Anführer der Separatisten, Alexander Borodai und Denis Puschilin, sollen sich in Russland befinden, wie aus dem Umfeld der Rebellen zu vernehmen war.

Tatsächlich sei es um die Kampfmoral der Rebellen jedoch schlecht bestellt, sagte Anton Heraschtschenko, ein Berater von Innenminister Arsen Awakow. Sie fühlten sich verlassen, betrogen und getäuscht. Ein Kämpfer, der einer Gruppe angehört, die sich das Wostok Bataillon nennt, und seinen Namen nicht nennen wollte, sagte: "Es herrscht ein richtiges Chaos."

Rebellen sollen mit am Tisch sitzen

"Donezk darf nicht bombardiert werden, der Donbass darf nicht bombardiert werden, die Städte und die Infrastruktur dürfen nicht zerstört werden", forderte der mit Abstand reichste Ukrainer Rinat Achmetow, dem in dem Gebiet viele Unternehmen gehören, im Fernsehen. "Wir müssen Tod und Leid friedlicher Menschen vermeiden", sagte der Kohle- und Stahl-Magnat.

Russland gab sich in diesem Punkt allerdings pessimistisch: Die Regierung in Kiew stelle sich taub gegenüber den Forderungen, Menschenleben zu schützen, erklärte das Außenministerium in Moskau. "Wir hoffen angesichts dessen, dass die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union in angemessener Weise die kriminelle Politik der Kiewer Regierung verurteilen."

Die Bundesregierung besteht darauf, dass an künftigen Treffen der internationalen Kontaktgruppe zum Ukraine-Konflikt auch die Separatisten teilnehmen. Es sei bedauerlich, dass bislang nur zwischen Vertretern der Ukraine, Russlands und der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) verhandelt wurde, erklärte eine Regierungssprecherin in Berlin. Die bislang letzte Gesprächsrunde verlief laut Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) "ausgesprochen schwierig".

Quelle: n-tv.de, vpe/AFP/rts

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