Politik
Wer aus Falludschah raus will, muss irgendwie über den Euphrat kommen.
Wer aus Falludschah raus will, muss irgendwie über den Euphrat kommen.(Foto: REUTERS)
Dienstag, 14. Juni 2016

Belagerung von Falludscha: Zehntausende fliehen aus der Hölle

Seit die irakische Armee Falludscha belagert, fliehen Zehntausende Menschen vor der Gewalt. Nun legen die Vereinten Nationen Zahlen vor. Sie flankieren Berichte über die dramatischen Zustände in der Stadt.

Zehntausende Menschen sind vor der Großoffensive der irakischen Armee auf Falludscha auf der Flucht. Wie die Internationale Organisation für Migration (IOM) mitteilte, flohen zwischen dem 22. Mai und dem 13. Juni fast 43.500 Menschen aus dem gleichnamigen Bezirk. Betroffen waren laut der UN-Organisation fast 7300 Familien. Die meisten stammten nicht aus Falludscha, sondern aus entlegeneren Gebieten.

Um aus der belagerten Stadt zu entkommen, müssen die Flüchtlinge den Euphrat überqueren. Dabei kentern immer wieder Boote, Menschen ertrinken dabei, berichtet die Hilfsorganisation Norwegian Refugee Council (NRC).

Falludscha liegt nur 50 Kilometer westlich der Hauptstadt Bagdad und wird seit 2014 vom Islamischen Staat kontrolliert. Die irakische Armee startete Ende Mai eine groß angelegte Offensive, um die Stadt zurückzuerobern. Am Montag hatte die UN-Koordinatorin für humanitäre Hilfe, Lise Grande, von 50.000 in Falludscha eingeschlossenen Menschen gesprochen. Augenzeugen berichten, dass die Terroristen sie zum Teil als Schutzschilde benutzen.

Ein Kilo Reis kostet 50 Euro

In der Stadt herrscht seit Monaten akuter Mangel an sauberem Wasser und Lebensmitteln. Ein Kilo Reis soll mittlerweile umgerechnet rund 50 Euro kosten. "Wir haben Tierfutter gegessen und hatten nichts zu trinken", erzählt eine geflüchtete Frau in einem Video der NRC, die nahe Falludscha im Einsatz ist. "Wir haben Tragödien erlebt, die niemand jemals erleben sollte."

Durch die jüngsten Fluchtbewegungen stieg die Zahl der seit Anfang 2014 durch den Konflikt Vertriebenen auf 3,3 Millionen Menschen. Die IOM reagiere auf die Krise, erklärte der Irak-Verantwortliche Thomas Lothar Weiss.

Acht Flüchtlingslager, die außerhalb von Falludscha eingerichtet wurden, sind laut Grande bereits voll. Weitere Lager sollten gebaut werden. Der UN-Vertreterin zufolge ist ein zweiter humanitärer Korridor in Vorbereitung. Grande beklagte, dass es den Vereinten Nationen an Geld mangele, um die Flüchtlinge angemessen zu versorgen. Nach ihren Angaben fehlen 53 Millionen Euro.

Quelle: n-tv.de