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"Hände weg von Mazedonien!" Zehntausende protestieren im Namensstreit

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Mehr als Hunderttausend Griechen gehen im Namensstreit mit Mazedonien auf die Straße.

(Foto: dpa)

Wem gehört der Name Mazdeonien? Diese Frage treibt in Griechenland die Menschen auf die Straße. Sie sprechen dem Nachbarland die Verwendung des Namens ab. Der Streit lähmt inzwischen internationale Verhandlungen.

Zehntausende Griechen aus allen Teilen des Landes und dem Ausland haben in Athen gegen einen Kompromiss im Streit um den künftigen Namen des Nachbarlandes Mazedonien protestiert. Berichten zufolge trafen etwa 2500 Busse allein aus Nordgriechenland zu der Kundgebung vor dem Parlament ein. Die Veranstalter sprachen von 1,5 Millionen Teilnehmern, die Polizei gab ihre Zahl mit rund 140.000 an.

Der Streit um den Namen Mazedonien belastet die Beziehungen zwischen Griechenland und seinem nördlichen Nachbarn schon seit mehr als 25 Jahren. Der Konflikt reicht ins Jahr 1991 zurück, als sich die ehemalige jugoslawische Teilrepublik für unabhängig erklärte und sich den Namen Mazedonien gab. Aus griechischer Sicht ist der Name Mazedonien Teil des Nationalerbes. Athen befürchtet, der Nachbar könnte damit Anspruch auf die gleichnamige nordgriechische Provinz erheben.

Neuer Name?

Zuletzt signalisierte Ministerpräsident Alexis Tsipras jedoch Kompromissbereitschaft, um das Problem zu lösen und zum Abbau der Spannungen in der Region beizutragen. Im Gespräch sind neue zusammengesetzte Namen für den griechischen Nachbarstaat, die jedoch allesamt den Namen Mazedonien enthalten - etwa Nord-Mazedonien und Neu-Mazedonien.

Die Demonstranten wehren sich jedoch gegen jeden Kompromiss, der den Namen Mazedonien enthält. An der Kundgebung nahmen viele Familien, ältere Menschen, Kirchenvertreter, Militärs sowie mehrere Politiker teil, darunter vor allem Vertreter der konservativen Nea Dimokratia. Die Demonstranten verwandelten das Zentrum Athens in ein Meer aus blau-weißen griechischen Fahnen. Sie hissten mit einem Kran eine riesige Flagge über der Kundgebung, trugen Plakate mit der Aufschrift "Hände weg von Mazedonien!" und sangen die Nationalhymne.

Hauptredner war der berühmte Komponist Mikis Theodorakis. Er forderte ein Referendum zu möglichen Kompromisslösungen. "Zweifellos muss die Regierung zuerst das griechische Volk fragen", sagte der im Rollstuhl sitzende 92-jährige Held des Widerstands gegen die frühere griechische Diktatur. "Wenn wir nachgeben, erlauben wir, dass eine tragische historische Lüge auf ewig bestehen bleibt." Er bekräftigte, "Mazedonien war, ist und wird für immer griechisch sein". Den nördlichen Nachbarn bezeichnete er als "illegitim".

Tsipras: Erdbeben ausgeblieben

Organisiert wurde der Protest von nationalistischen Organisationen, Veteranenvereinigungen, Vereinen der griechischen Diaspora und Kirchengemeinden. Beteiligt war auch die neofaschistische Partei Chryssi Avgi (Goldene Morgenröte). Einige Demonstranten trugen traditionelle Trachten, etwa die von griechischen Rebellen, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Mazedonien gegen bulgarische Banden und osmanische Einheiten kämpften. In der Nähe hielten Anarchisten eine Gegenkundgebung ab, doch hielt die Polizei die beiden Gruppen auf Abstand.

In einer ersten Reaktion nach Abschluss der Kundgebung erklärte Regierungschef Tsipras, das von den Organisatoren erhoffte "Erdbeben" sei ausgeblieben. Die große Mehrheit der Griechen habe eingesehen, dass sich die "großen außenpolitischen Probleme nicht durch Fanatismus und Intoleranz" lösen ließen.

Der Namensstreit mit Griechenland blockiert seit Jahren die Beitrittsgespräche Skopjes mit der Europäischen Union und der Nato. Der UN-Vermittler in dem Streit, Matthew Nimetz, zeigte sich zuletzt aber "sehr optimistisch, dass der Prozess in eine positive Richtung geht".

Quelle: n-tv.de, jwu/AFP/rts

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