Politik

Beteiligt an Charlie-Hebdo-Doku Zwei Journalisten bei Messerattacke verletzt

In der Nähe der früheren Redaktion der Satire-Zeitschrift "Charlie Hebdo" kommt es zu einem Messerangriff. Zwei Journalisten werden dabei schwer verletzt. Sie waren an einer Dokumentation über die Anschläge im Jahr 2015 beteiligt. Der Haupttäter ist anscheinend erst 18 Jahre alt.

Bei einer Messerattacke im Zentrum von Paris zwei Journalisten verletzt worden. Ihr Leben sei nicht in Gefahr, sagte der französische Regierungschef Jean Castex in der Nähe des Tatorts. Anfangs war von vier Verletzten die Rede gewesen. Die Anti-Terror-Staatsanwaltschaft in Paris hat Ermittlungen aufgenommen. Frankreichs Innenminister Gérald Darmanin sprach im Fernsehsender France 2 von einem "eindeutig islamistischen Terrorakt. Das ist eine neue blutige Attacke auf unser Land." Die beiden mutmaßlichen Täter sind festgenommen.

Bei einem der Festgenommenen handelt es sich den Angaben zufolge um einen 18-Jährigen, der kurz nach der Tat gefasst wurde. Ihn halten die Ermittler für den "Haupttäter". Sie werfen ihm vor, die beiden Journalisten mit einem Hackmesser angegriffen zu haben.

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Schwer bewaffnete Polizisten ...

(Foto: picture alliance/dpa)

Nach ersten Erkenntnissen wurde der 18-Jährige in Pakistan geboren. Medienberichten zufolge soll er der Polizei wegen anderer Delikte bereits bekannt sein. Bei einem zweiten Mann, der sich in Polizeigewahrsam befindet, handelt es sich laut Staatsanwaltschaft um einen 33-Jährigen. Seine mögliche Beziehung zu dem Haupttäter ist noch unklar.

Journalisten drehten Doku über Anschläge

Der Angriff ereignete sich in unmittelbarer Nähe der ehemaligen Redaktionsräume des Satiremagazins "Charlie Hebdo". Sie gehörten im Januar 2015 zu den Zielen einer mehrtägigen Anschlagsserie, bei der insgesamt 17 Menschen getötet wurden. Das Terrornetzwerk Al-Kaida hatte jüngst mit einem neuen Anschlag gedroht, nachdem das Magazin die damaligen Mohammed-Karikaturen erneut veröffentlicht hatte.

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... haben den Bereich um den Tatort weiträumig abgesperrt.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die verletzten Journalisten haben den Angaben zufolge für die Produktionsfirma "Premières Lignes" gearbeitet, die an einer Dokumentation über die Anschläge auf "Charlie Hebdo" beteiligt war. "Three Days Of Terror: The Charlie Hebdo Attacks" heißt die Doku, die für den US-Sender HBO, die britische BBC und den französischen Sender France 2 produziert wurde. Zeugen, Polizeibeamte und Überlebende sprechen in dem Film über die Terrorserie, wie es auf der Webseite von "Premières Lignes" heißt.

Das Büro der Produktionsfirma befindet sich in unmittelbarer Nähe der ehemaligen "Charlie Hebdo"-Redaktion, die nach der Attacke an einen geheimen Ort umgezogen war.

Redaktion arbeitet an Geheimort

Ein Augenzeuge sagte der Nachrichtenagentur AFP, dass es sich bei den Opfern um einen Mann und eine Frau handelt. Sie seien "sehr schwer verletzt" worden, erklärte er. Eine Frau ergänzte: "Die beiden haben vor dem Gebäude eine Zigarette geraucht. Dann habe ich Schreie gehört. Ich bin ans Fenster gegangen und habe einen meiner Kollegen blutüberströmt gesehen. Er wurde von einem Mann mit einem Hackbeil verfolgt", sagte die Frau, die anonym bleiben wollte.

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Polizisten bewachen einen der beiden Verdächtigen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Bei dem Anschlag am 7. Januar 2015 waren zwei Islamisten in die Redaktion des Satiremagazins eingedrungen und hatten das Feuer eröffnet. Sie ermordeten elf Menschen, darunter die bekannten Zeichner Stéphane Charbonnier (Charb), Jean Cabut (Cabu) und Georges Wolinski. Anschließend töteten sie auf der Flucht einen Polizisten. Es begann eine drei Tage währende Großfahndung - inklusive Geiselnahme in einem jüdischen Supermarkt. Die Islamisten wurden auf der Flucht erschossen, zu der Tat bekannte sich Al-Kaida im Jemen.

Derzeit läuft in Paris der Prozess gegen 14 mögliche Hintermänner. Sie sollen die beiden Islamisten unterstützt haben. Zum Verfahrensbeginn Anfang September hatte die Satirezeitung erneut die umstrittenen Mohammed-Karikaturen veröffentlicht, wegen derer das Blatt zur Zielscheibe geworden war. Sie zeigen unter anderem den Propheten Mohammed mit einer Bombe anstelle eines Turbans. Seit dem Anschlag arbeitet die Redaktion unter Polizeischutz an einem geheimen Ort.

Quelle: ntv.de, mba/chr/dpa/AFP