Politik
Vergangenheit holt Gegenwart ein: Margaret Thatcher und David Cameron.
Vergangenheit holt Gegenwart ein: Margaret Thatcher und David Cameron.(Foto: picture alliance / dpa)
Donnerstag, 29. September 2011

London vergrößert Distanz zu Europa: Der Geist der Mrs. Thatcher

ein Kommentar von Wolfram Neidhard

Großbritannien sieht sich durch die schwere Krise in der Eurozone in seiner Ablehnung der Gemeinschaftswährung bestätigt. Außenminister Hague macht mit drastischen Worten klar, dass die Londoner Regierung von dem Euro nichts hält. Der Europakurs der Regierung Cameron wird kritischer. Erinnerungen an Margaret Thatcher werden wach.

Margaret Thatcher ist zurück im politischen Geschäft Großbritanniens. Die jetzt fast 86-jährige Konservative hat nicht etwa wieder Einzug in die Downing Street gehalten - dafür ist sie zu krank. Nein, Maggies Geist schwebt wieder durch die Zimmer und Flure des Londoner Regierungsviertels. Wie zu Zeiten der "Eisernen Lady" gibt es an der Themse wieder ein lautes europakritisches Getöse, garniert mit markigen Sprüchen von Regierungsmitgliedern.

Hague macht Eurozone nieder sieht nun seine Stunde gekommen, um - ganz im Sinne seiner langjährigen Förderin - gegen den Euro und die Eurozone als Ganzes zu Felde zu ziehen. Diese sei "ein brennendes Haus ohne Ausgang", motzt der Chefdiplomat Ihrer Majestät ganz undiplomatisch. Die 17 Staaten umfassende Währungsunion sei "eine Art historisches Monument kollektiven Wahnsinns". Die alte Dame aus Grantham hätte es nicht drastischer formulieren können. Das Pfund Sterling lebe hoch!  

William Hague hält nichts vom Euro.
William Hague hält nichts vom Euro.(Foto: picture alliance / dpa)

Dass die Briten mehrheitlich den Euro ablehnen, ist kein Geheimnis. Dennoch ist der Zeitpunkt der Hague-Äußerung bemerkenswert. In den Hauptstädten der Euroländer streiten derzeit die Parlamentarier um die Erweiterung des Euro-Rettungsschirms EFSF. Die Schuldenkrise, die Papandreou wirbt für Athen , Portugal und Irland an den Rand des Abgrunds gebracht hat, lässt die deutsche Regierung wanken. Zudem verstärkt sie die Unsicherheit der Menschen, die jeden Tag mit dem Euro einkaufen gehen beziehungsweise ihre Rechnungen bezahlen. In dieser für die Eurozone sehr schwierigen Situation wird im Vereinigten Königreich die nationale Keule herausgeholt und kräftig gegen die Gemeinschaftswährung gewettert.

"Wir haben schon immer gewusst, dass das mit dem Euro nichts wird", ist aus den Sätzen des ehemaligen Tory-Chefs herauszuhören. Und die seit Monaten - auch von Rückschlägen begleiteten - Stabilisierungsbemühungen in Brüssel, Berlin, Paris und anderen Euro-Hauptstädten machen Hague die Argumentation leider auch leicht.

Erneuter Kälteeinbruch

Allerdings wäre es zu kurz gesprungen, wenn man die scharfen Töne aus London nur auf den Euro beziehen würde. Britanniens Verantwortlichen geht es natürlich um Europa und die Europäische Union. Bereits im Wahlkampf hat Hagues Chef, Premierminister David Cameron, verkündet, dass es mit einer unter ihm geführten Regierung eine Stärkung der EU-Kommission nicht gebe. Im Gegenteil: Es müssten wieder Befugnisse zurück über den Kanal auf die Insel zurückgeholt werden. Wenn es unter den Labour-Regierungen so eine Art Tauwetter zwischen Brüssel und London gegeben haben sollte - dieses weicht spätestens jetzt einem erneuten Kälteeinbruch.   

Jose Manuel Barroso beißt in London auf Granit.
Jose Manuel Barroso beißt in London auf Granit.(Foto: dpa)

So lehnt Großbritannien EU packt heißes Eisen an strikt ab. Das Hemd - die Londoner Zockercity - ist näher als der Rock. Die anglo-amerikanische Freundschaft ist in dieser Frage eng, denn auch die USA wollen nicht mitspielen.

Camerons konservativ-liberale Koalitionsregierung macht ihre etatpolitischen Hausaufgaben - allerdings mit Brachialgewalt. Mit einem riesigen Sparpaket, das sich nicht einmal Thatcher durchzupeitschen erlaubt hätte, werden den Briten die Lasten, die durch die Finanzkrise entstanden sind, gnadenlos aufgedrückt. Ihnen werden soziale Härten zugemutet, die in Deutschland zu dauerhaften Streiks führen würden. Unruhen, wie jüngst in englischen Städten geschehen, werden hingenommen. In kontinentaleuropäischen Ländern übliche lange Debatten über Sparanstrengungen, um zu große soziale Verwerfungen zu vermeiden, werden nicht geführt.

In diesen Tagen wird einmal mehr deutlich, dass Großbritannien mit der Europäischen Union eine Art Hassliebe verbindet. Thatchers rücksichtsloser Europakurs wird durch Cameron und Hague wieder verstärkt gepflegt. Nur, dass der Premier keine Handtasche hat, mit der er auf EU-Gipfeltreffen herumfuchteln kann. Klar ist aber: Den Euro wird es in Großbritannien bis zum Sankt Nimmerleinstag nicht geben.

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Quelle: n-tv.de

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