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Obamas düstere Seite Der eiskalte Mr. Cool

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Obama ist laut Vertrauten ein Präsident, dem es nicht zu viel ausmacht, Gewalt im Namen der USA einzusetzen

(Foto: picture alliance / dpa)

Barack Obama gelang es, als Präsidentschaftskandidat die Hoffnungen etlicher Pazifisten auf eine bessere Welt zu wecken. Jetzt fragen sich viele, wer dieser Mann im Weißen Haus eigentlich ist. Todeslisten, Cyberkriege – Obama erinnert dieser Tage an einen Cäsar, der durch das Heben oder Senken seines Daumes ohne viel Aufhebens Menschen in den Tod schickt.

Erst die Todeslisten, dann der Zettelte Obama Cyberkrieg an? – US-Präsident Barack Obama überrascht dieser Tage viele seiner Anhänger. Es ist nicht die Tatsache, dass er für den Tod von Menschen verantwortlich zeichnet. Zu glauben, dass der Präsident der größten Militärmacht der Welt, der Präsident des Landes mit den meisten Feinden auf dieser Erde, sich vor dieser Entscheidung drücken könnte, wäre allzu naiv. Erschütternd ist aber die Art, wie er mit dieser Entscheidung umgeht. Obama wirkt wie ein Cäsar, wie ein Herrscher, der ohne viel Aufhebens durch das Heben oder Senken seines Daumes über Menschenleben entscheidet.

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Den Tod von Osama Bin Laden sah Obama Live in einer Videoschalte.

(Foto: REUTERS)

Schon als er vor drei Jahren mit dem Friedensnobelpreis geehrt wurde, stand  fest, dass Obama die Truppen in Afghanistan um Tausende Soldaten aufstocken wird, dass auch er den Kampf gegen den Terror fortsetzen will. Die meisten seiner Anhänger konnten diese Entscheidung damals noch hinnehmen. Vielleicht, weil sie dachten wie das Nobelkomitee. Wohlwissend vergab es den Preis damals nicht für Errungenschaften der Friedenspolitik, sondern unter anderem dafür, dass Obamas Diplomatie darauf beruht, "dass diejenigen, die die Welt führen, dies auf der Grundlage von Werten und Haltungen tun müssen, welche von der Mehrheit der Weltbevölkerung geteilt werden". Ein Kontrapunkt zu seinem Amtsvorgänger George W. Bush, der den Irak ohne den Rückhalt der internationalen Gemeinschaft angriff, eine Wende, auf die viele Pazifisten in den Vereinigten Staaten und dem Rest der Welt sehnlichst warteten.

Doch mit Obamas Grundlage der Diplomatie war es so eine Sache. Schleichend offenbarte sich, wie weit das Handeln des Präsidenten von den Hoffnungen so vieler Menschen entfernt lag. Zunächst war da – jener rechtsfreie Raum, in dem die USA bis heute Terrorverdächtige einbunkern. Obama löste sein Versprechen, das Lager aufzulösen, nie ein.

Selbst Republikaner überrascht Obamas Härte

Dann kam der Angriff auf , dem Versteck Osama Bin Ladens. Anders als von Obamas Anhängern erhofft, setzte der Mann im Weißen Haus nicht alles daran, den Terrorführer von Al-Kaida vor ein internationales Gericht zu stellen. Stattdessen erschossen ihn US-Sonderheiten. Obama guckte sich die Attacke live in einer Videoschalte an.

Der Einsatz in Abbotabad wirkt wie eine Schablone, die dem Umgang des Präsidenten mit Feinden Amerikas zu Grunde liegt. Eine Schablone, die sich in einigen wenigen Sätzen in der "New York Times" manifestierte.

Vor wenigen Tagen beschrieb die Zeitung, wie Obama, mit den Obama zeigt sich gnadenlos umgeht. Einmal in der Woche findet in Washington danach ein denkwürdiges Ritual statt. In einer Videokonferenz debattieren rund 100 ranghohe Sicherheitsbeamte, welcher Top-Terrorist als nächstes sterben muss. Gibt Obama sein Okay, senkt er seinen Daumen, beginnt der Versuch, das Ziel – meist durch einen Drohnenangriff – auszuschalten. Zögerlich geht Obama dabei nicht vor. Selbst einen US-Bürger ließ er so hinrichten.

"Er ist ein Präsident, dem es nicht zu viel ausmacht, Gewalt im Namen der USA einzusetzen", sagte Thomas E. Donilon, der nationale Sicherheitsberater Obamas. Der Satz überraschte selbst Republikaner, die den Präsidenten bisher als zu weich in Fragen der nationalen Sicherheit bezeichneten.

Die jüngste Enthüllung: Angeblich trieb er das Cyberkriegs-Programm der USA voran, wie es selbst sein als Kriegstreiber verschriener Vorgänger George W. Bush nicht vermochte – heimlich und schon im ersten Monat seiner Amtszeit. Eingeweihte sagten, dass er keine Skrupel gehabt hätte, damit eine neue Art der Kriegsführung zu etablieren.

Das Bild, dass der Präsident dieser Tage abgibt, offenbart eine düstere Seite am einst umjubelten Star im Weißen Haus. Eine Politik, die keine Gefangenen kennt, aber die gezielte Tötung von Individuen, geheime Militäroperationen und eine Ausweitung des Waffenarsenals. Die Entrüstung darüber ist berechtigt. Dass die USA durch Obama wieder im Einklang mit den Werten und Haltungen agieren würden, die von der Mehrheit der Weltbevölkerung geteilt werden, diese Hoffnung ließ er verpuffen.

Quelle: n-tv.de

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