Fünf Geräte im Praxis-Check Diese Fahrrad-Handyhalterung klemmt sich zum Testsieg

Eine Fahrrad-Handyhalterung macht Radtouren entspannter - ein kurzer Blick aufs Display zeigt, wo es langgehen soll. Im ntv Produkt-Check treten fünf beliebte Modelle gegeneinander an. Welches überzeugt?
Ob Navigation, Trainings-App oder Musik - mit Fahrrad-Handyhalterungen hat man das Smartphone während der Fahrt immer im Blick. Im Alltag zählt vor allem, wie schnell das Mobiltelefon einrastet und wieder frei ist, ob es fest sitzt und nicht klappert und wie einfach sich der Winkel anpassen lässt. Denn: Nur bei einer flexiblen Ausrichtung bleibt das Display auch bei Sonne gut ablesbar, und Spiegelungen stören weniger. Der Fokus liegt in unserem Test auf Fahrrädern, viele Halterungen eignen sich je nach Klemmsystem aber auch für andere Lenker, etwa bei E-Scootern, Kinderwagen oder Motorrädern
So läuft der Fahrrad-Handyhalterung-Test ab
Zuerst schauen wir auf Verarbeitung und Lieferumfang: Gibt es eine Anleitung, wie robust und wertig sind die Halterungen? Danach folgt die Montage an den Lenker. Jede Halterung sitzt an derselben Stelle und startet im Hochformat mit einem Neigungswinkel, bei dem das Display gut ablesbar bleibt. Bei Modellen mit Gummieinlagen zählt, wie unkompliziert die Anpassung an verschiedene Lenkerdurchmesser klappt und ob Einlagen lose sind oder sicher in der Halterung eingesetzt werden können. Auch die Bedienung der Klemme spielt schon hier eine Rolle. Wir prüfen, ob sie sich zügig festziehen lässt.
Anschließend folgt der Ausrichtungs-Check im Stand mit einem iPhone 14 samt Hülle: Wir stellen die Halterung auf die definierte Zielposition ein und notieren, wie fein sich Neigung und Drehung justieren lassen. Danach geht es um das Handling beim Einsetzen und Entnehmen des Handys: In mehreren Wiederholungen wird das Smartphone eingeklickt, verriegelt, wieder gelöst.
Zum Schluss zählt die Stabilität, einmal im Stand und einmal auf der Strecke. Im Stand versuchen wir per Hand, die Halterung seitlich sowie nach vorn und zurück zu verschieben, um zu sehen, wie schnell sich etwas löst oder verdreht. Wir fahren über Abschnitte mit unterschiedlichem Untergrund, darunter auch raue Passagen. Auch hier prüfen wir, ob die Halterung verrutscht oder sicher sitzt. Parallel prüfen wir die technischen Daten aus den Herstellerangaben: Welche Lenkerdurchmesser sind freigegeben, welche Smartphone-Größen und -Dicken passen, und wie sieht es mit System-Kompatibilität und Zubehör aus?
Diese Fahrrad-Handyhalterungen testen wir
Unser Testsieger: Lamicall BP07 Handyhalterung
Die Lamicall* setzt auf eine kräftige Lenkerklemme und wirkt robust und gut verarbeitet. Besonders auffällig ist die Montage: Statt sich komplett durchzuschrauben, lässt sich die Klemme per Knopfdruck schnell vorspannen und dann festziehen. Damit sitzt die Halterung in kurzer Zeit stabil am Lenker, ohne dass lange geschraubt werden muss.
Beim Ausrichten erinnert vieles an das Gerät von andobil, Kugelgelenk inklusive. Im Vergleich wirkt die Mechanik hier jedoch geschmeidiger, der Halterahmen umschließt das Handy fester, wodurch dem Smartphone weniger Spielraum nach oben und unten bleibt.
Das Einsetzen des Handys läuft schnell und zuverlässig: Der Rahmen wird aufgezogen, das Gerät eingesetzt und anschließend per Hebel gesichert. In der Praxis geht das problemlos, dauert aber minimal länger als bei der andobil, bei der man nur einen Schalter verschieben muss.
Die Lamicall sitzt so fest am Lenker wie kein anderes Modell im Test - man muss schon sehr viel Kraft aufwenden, um sie in vertikaler Richtung etwas zu bewegen. In horizontaler Richtung können wir sie im Test überhaupt nicht verschieben. Während der Fahrt auf unebenem Untergrund sitzt alles stabil, die Halterung bleibt im Winkel und wandert nicht.
Technische Daten:
Gewicht: 175 g
Smartphone-Größe: 4,7-7 Zoll
Lenker-Durchmesser: 15-40 mm
Kurzfazit: Für alle, die eine sehr schnelle Montage und einen besonders festen Griff ums Smartphone wollen, ist die Lamicall* eine gute Wahl.
Preis-Leistungs-Sieger: Glangeh B6 Smartphonehalterung
Die Glangeh* wirkt einfach gebaut, ist aber auch eine der günstigsten Handyhalterungen im Test. Beim Montieren sind die losen Gummieinlagen erst einmal etwas fummelig - die Teile lassen sich leichter verlieren als fest verbaute Gummileinlagen und kosten beim ersten Anbringen etwas Zeit.
Ist die Klemme einmal gesetzt, folgt die Stärke der Glangeh: Am Lenker sitzt die Halterung extrem fest, seitliches Verschieben gelingt im Stand nicht, nach vorne und hinten nur minimal. Damit liegt sie fast auf dem Niveau der Lamicall. Auf holpriger Strecke bleibt die Ausrichtung stabil. Im Vergleich zu den glatter laufenden Kugelköpfen von andobil und Lamicall fühlt sich die Ausrichtung hier etwas hakelig an, dafür hält sie nach dem Festziehen sehr zuverlässig. Beim Einsetzen arbeitet die Glangeh mit einem Schiebemechanismus: Oberteil des Rahmens hochziehen, Smartphone einlegen, der Rahmen zieht sich nach unten und wird per Verriegelungstaste gesichert.
Technische Daten:
Gewicht: 190 g
Smartphone-Größe: 4,7-6,8 Zoll
Smartphone-Dicke: bis 15 mm
Lenker-Durchmesser: 20-35 mm
Kurzfazit: Für alle, die möglichst günstig sehr viel Stabilität am Lenker wollen, ist die Glangeh* ein starker Kandidat - größter Haken sind die fummeligen, losen Gummieinlagen.
SP Connect Universal Bike Mount - minimalistisch, aber weniger flexibel
Die SP Connect* ist die kleinste und leichteste Handyhalterung im Test. Sie ist solide verarbeitet, die Halterung sitzt am Lenker mit einem geriffelten Kunststoffriemen, der wie ein wiederlösbarer Kabelbinder durchgezogen und anschließend per Drehknopf fixiert wird. Die Klemme ist damit schnell am Lenker montiert, allerdings hat das Gewinde eine Belastungsgrenze: Zu fest angezogen, rutscht es im Test durch, wodurch die Halterung nicht so fest sitzt wie bei den meisten anderen Modellen.
Außerdem hat dieses System Auswirkungen auf die Ausrichtung des Halters. Der Winkel kommt vor allem über die Position am Lenker zustande, ein Kugelkopf zum Feinjustieren ist nicht vorgesehen. Damit hat man weniger Spielraum, Spiegelungen zu vermeiden als bei den Modellen mit Kugelgelenk. Trotzdem lässt sich das Handy vom Hoch- ins Querformat bringen. Dazu muss man allerdings eine Schraube aufdrehen und eine Scheibe in eine andere Position bringen. Das Einspannen des Smartphones gelingt hingegen schnell: Ein Rädchen wird herausgezogen, gedreht, dann wieder eingerastet. Das Rädchen ist kleiner als bei der Joyroom, und man benötigt etwas mehr Fingerspitzengefühl. Das Wichtigste ist jedoch: der kleine Rahmen umschließt das Handy sehr stramm, das Smartphone sitzt fest. Am Lenker selbst sitzt die SP Connect* im direkten Vergleich deutlich stabiler als die Joyroom, aber nicht so fest wie die Geräte von andobil oder Lamicall - sie lässt sich im Test mit der Hand und nicht allzu viel Kraftaufwand sowohl zur Seite als auch nach hinten und vorne bewegen. Unterwegs sitzt die Halterung trotzdem sicher, und das auch auf unebenem Untergrund.
Technische Daten:
Gewicht: 46 g
Smartphone-Dicke: 58-82 mm
Smartphone-Dicke: max. 11 mm
Kurzfazit: Für alle, die eine leichte und schlichte Handyhalterung suchen, die das Smartphone fest umschließt. Größter Haken sind die begrenzte Winkel-Flexibilität und die nicht komplett stabile Basishalterung am Lenker.
andobil CTVK54 Handyhalterung - robuster Allrounder
Die andobil* macht einen robusten Eindruck und erinnert sehr an die Halterung von Lamicall. Eine große Klemme sitzt fest am Lenker. Die Ausrichtung funktioniert über den Kugelkopf in jede Richtung, danach wird dieser mit einem Drehverschluss fixiert. Auch das Einsetzen des Smartphones klappt reibungslos: entriegeln, Halterung aufziehen, Smartphone einlegen, loslassen - die Klammer zieht sich automatisch zusammen, danach wird wieder gesichert. Dieses System bleibt auch nach mehreren Wiederholungen schnell und einfach. Der Haken: Das Smartphone hat im Rahmen etwas Spiel nach oben und unten, aber während der Fahrt fällt das nicht weiter auf.
Im direkten Vergleich mit der Lamicall braucht man bei der andobil etwas mehr Gefühl, um den gewünschten Ausrichtungswinkel exakt zu treffen. Auf ruppigen Passagen hält die Klemme sehr sicher. Links und rechts lässt sich die Halterung auch im Stand nicht verschieben, nach hinten und vorne nur mit viel Kraft.
Technische Daten:
Gewicht: circa 210 g
Smartphone-Größe: 4,7-6,8 Zoll
Smartphone-Dicke: bis 15 mm
Kurzfazit: Für alle, die eine stabile Lösung mit sehr einfacher Verriegelung suchen, ist die andobil* ein starker Allrounder mit Abstrichen durch das leichte Wackeln des Handys im Rahmen.
JOYROOM JR-ZS266 Smartphonehalterung - Montage mit Tücken
Die JOYROOM* wirkt eher schlicht verarbeitet und ähnelt der Halterung von Glangeh. Beim Auspacken fällt negativ auf, dass die Bedienungsanleitung fehlt. Die Montage gelingt nicht ganz so schnell, weil die beiden Gummieinlagen lose sind und erst etwas umständlich eingesetzt werden müssen. Trotz beider Gummiringe lässt sich die Halterung nicht an der schmalsten, gleichmäßig runden Lenkerstelle montieren - stattdessen muss sie an einem Abschnitt befestigt werdne, der breiter wird und nicht konstant dick ist - dadurch sitzt die Joyroom im Test deutlich instabiler als die anderen Modelle.
Bei der Ausrichtung bietet das Kugelgelenk viel Spielraum beim Neigungswinkel und lässt sich anschließend fixieren. In unserem Test verkantet sich das Gelenk jedoch, sodass wir eine Zange brauchen, um es wieder zu lösen. Das Einsetzen des Smartphones in den Rahmen läuft über ein seitliches Drehrad. Dieses Rädchen ist deutlich größer als beim SP Connect-System und lässt sich bequem drehen, auch wenn es schnell gehen soll.
Im Stand lässt sich die Halterung mit der Hand am leichtesten in alle Richtungen bewegen und wirkt damit am wenigsten stabil im Testfeld. Zieht man die Klemme so fest wie möglich an, bleibt der Neigungswinkel auf der Fahrt zwar weitgehend konstant, trotzdem muss die Position am Lenker eher mal nachgeschoben werden, weil die Befestigung dort schneller nachgibt als bei den anderen Testkandidaten.
Technische Daten:
Gewicht: 150 g
Smartphone-Größe: 4,7-7 Zoll
Lenker-Durchmesser: 20-35 mm
Kurzfazit: Wer ein großes, gut erreichbares Drehrad und schnelles Einspannen will, bekommt bei der JOYROOM* viel Bedienkomfort - größter Haken ist der schwächere Halt am Lenker (und das verkantende Kugelgelenk im Test).
Fazit zum Fahrrad-Handyhalterung-Test
Im Test setzt sich die Lamicall BP07* durch: Die Halterung klemmt am Lenker am strammsten, umschließt das Smartphone besonders fest und hält die Ausrichtung auch auf unebenem Untergrund stabil. Als Preis-Leistungs-Sieger empfiehlt sich die Glangeh B6*: Für wenig Geld bringt sie viel Stabilität und einen flexiblen Ausrichtungswinkel mit. Abstriche gibt es bei der Montage, weil die losen Gummieinlagen etwas fummelig sind und leichter verloren gehen können.
Radfahren mit Smartphone: Was ist erlaubt, was nicht?
Generell gilt: Smartphones dürfen beim Fahrradfahren weder aufgenommen noch gehalten werden. Erlaubt ist die Nutzung nur dann, wenn entweder Sprachsteuerung und Vorlesefunktion genutzt werden oder für die Bedienung lediglich ein kurzer, situationsangepasster Blick aufs Display reicht. Für längeres Tippen, das Eingeben einer Route oder das Lesen längerer Nachrichten muss deshalb am Straßenrand gestoppt werden. Telefonate funktionieren grundsätzlich nur freihändig, etwa über Headset oder Lautsprecher - wichtig ist hier, dass Umgebungsgeräusche weiter wahrnehmbar bleiben.
*Die Testredaktion rund um den ntv Produkt-Check ist unabhängig, erwirbt alle Produkte auf eigene Kosten, führt Tests durch und bewertet nach objektiven Kriterien. Wenn Sie ein Produkt über einen Link kaufen sollten, erhalten wir eine Provision. Der Preis ändert sich dadurch nicht.




