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Baden-WürttembergCurevac-Aus bedroht Jobs und Tübingen als Forschungsstandort

09.05.2026, 15:32 Uhr
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Hunderte Mitarbeiter von Curevac bangen um ihre Zukunft. Fachleute warnen: Eine Schließung bedrohe nicht nur Jobs, sondern auch den Forschungsstandort Tübingen und die Entwicklung der RNA-Technologie.

Tübingen/Mainz (dpa/lsw) - Nach der angekündigten Schließung von Curevac-Standorten durch Biontech droht der Forschungsstandort in Tübingen geschwächt zu werden. Der Geschäftsführer des Forschungsverbunds Bioregio Stern, Klaus Eichenberg, fordert deshalb mehr Unterstützung vom Land.

Im SWR brachte er Förderprogramme für neue Firmen und sogar ein eigenes Exzellenzzentrum für mRNA-Technologie an der Universität Tübingen ins Gespräch. Nach Angaben des Staatsministeriums arbeitet inzwischen eine Taskforce gemeinsam mit Biontech an möglichen Lösungen.

Die Region rund um Stuttgart, Tübingen und Reutlingen gilt eigentlich als einer der wichtigsten Biotech-Standorte. Mehr als 70 Firmen aus Biotechnologie und Pharma sitzen dort. Branchenvertreter warnen deshalb vor einem Signal mit Folgen weit über Curevac hinaus.

Curevac-Gründer Hoerr: Fachwissen geht verloren

Besonders deutlich warnt Curevac-Gründer Ingmar Hoerr vor den Folgen. Es drohe etwas, das viele unterschätzten: "ein massiver Know-how-Verlust", sagte der 57-Jährige dem "Spiegel". "Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei Curevac sind hoch spezialisiert. Für viele gibt es in Deutschland nicht einfach eine nahtlose Anschlussoption. Wenn dieses über mehr als 20 Jahre aufgebaute Wissen zerfällt, ist es weg – und man baut es nicht mal eben neu auf."

Hoerr gilt als einer der Pioniere der mRNA-Forschung. Schon als Doktorand stieß er eher zufällig auf das Potenzial der RNA-Technologie. "Ich war der Funken", sagte er der dpa rückblickend. Im Jahr 2000 gründete er Curevac in Tübingen.

Während der Corona-Pandemie lieferte sich das Unternehmen mit Biontech ein Rennen um einen Impfstoff - mit bekanntem Ausgang: Biontech hatte Erfolg, Curevac scheiterte. Danach ging es für das Tübinger Unternehmen bergab. Nach hohen Verlusten konzentrierte sich Curevac auf Forschung, Hunderte Stellen wurden gestrichen.

Biontech übernahm Curevac im Januar

Biontech übernahm Curevac im Januar vollständig. Die Mainzer wollten sich mit dem Deal mehr Wissen für den Weg zu Therapien auf mRNA-Basis gegen Krebs und andere Krankheiten ins Haus holen. Damals hieß es, dass der Forschungs- und Entwicklungsstandort in Tübingen erhalten bleiben soll. Wie seit Dienstag bekannt ist, will das Biontech-Management nun aber mehrere Standorte schließen – darunter auch Einrichtungen von Curevac.

Begründet werden die Pläne mit einer zu geringen Auslastung, Überkapazitäten und Kostensenkungen. Ebenfalls geschlossen werden sollen Produktionsstätten von Biontech in Idar-Oberstein, Marburg und Singapur. Insgesamt könnten bis zu 1.860 Stellen von den Plänen betroffen sein, hieß es. Allein bei Curevac sind rund 800 Jobs bedroht - vor allem am Stammsitz in Tübingen.

Unterdessen wächst auch der Streit um die Zukunft der Standorte. Der Betriebsrat wirft der Unternehmensführung von Biontech vor, bei der Suche nach Investoren nicht ausreichend mitzuziehen. Bei den nächsten Verhandlungen soll nun sogar Unternehmensgründer Ugur Sahin persönlich dabei sein.

Quelle: dpa

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