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Baden-WürttembergHantavirus: Was mit dem Passagier aus dem Südwesten passiert

11.05.2026, 14:30 Uhr
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Nach dem Hantavirus-Ausbruch auf einem Schiff sind vier deutsche Passagiere nach Deutschland gebracht worden, eine Person stammt aus dem Südwesten. Was ihr nun bevorsteht, ist genau festgelegt.

Stuttgart/Frankfurt (dpa/lsw) - Nach dem Hantavirus-Ausbruch auf dem Kreuzfahrtschiff "Hondius" muss ein symptomfreier Passagier aus Baden-Württemberg noch mit wochenlangen starken Einschränkungen rechnen. Der sogenannten Kontaktperson geht es nach offiziellen Angaben zwar weiterhin gut, es gebe bisher keine Hinweise auf eine Infektion, sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums in Stuttgart. Sie müsse aber die kommenden Wochen in häuslicher Quarantäne verbringen.

Zur Identität der betroffenen Person machte das Ministerium zum Schutz der Persönlichkeitsrechte keine Angaben. Sie war als Teil eines Sonderisolierungstransports mit drei weiteren deutschen Passagieren am späten Sonntagabend aus dem niederländischen Eindhoven nach Deutschland gebracht worden. Die Ankunft des Transports bestätigte ein Sprecher der Uniklinik Frankfurt. Dort sollen die vier Menschen auf Krankheitssymptome untersucht werden, bevor sie in ihre Heimatregionen gebracht werden.

Das Gesundheitsamt begleite die Maßnahme eng, hieß es vom Ministerium. "Für die Bevölkerung in Baden-Württemberg besteht nach aktueller Bewertung kein Anlass zu besonderen Maßnahmen", betonte das Ministerium.

Tägliche Überprüfung der Symptome

In Deutschland empfiehlt das Robert-Koch-Institut (RKI) sechs Wochen Quarantäne für Kontaktpersonen ohne Symptome. Denn zwischen der Ansteckung und einem möglichen Ausbruch der Krankheit können bei diesem Erreger bis zu 45 Tage vergehen.

Die Quarantäne sei vom zuständigen Gesundheitsamt im Regierungsbezirk Stuttgart angeordnet worden und werde eng begleitet, hieß es zudem im Gesundheitsministerium. Der Zustand der betroffenen Person werde während der Zeit regelmäßig überwacht - dazu gehöre ein tägliches Symptommonitoring. Bei Krankheitszeichen würden sofort weitere medizinische Schritte eingeleitet.

Evakuierung unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen

Die vier deutschen Passagiere aus Baden-Württemberg, Berlin, Bayern und Sachsen waren zuvor von der Kanareninsel Teneriffa - wo die "Hondius" nach mehreren Wochen auf See angelegt hatte - in die Niederlande ausgeflogen worden. Vor Beginn der Ausschiffung hatten Ärzte eine epidemiologische Untersuchung an Bord durchgeführt. Dabei wurden bei keinem der 140 bis 150 Passagiere und Crewmitglieder Symptome festgestellt.

Ein weiterer deutscher Passagier war nach Großbritannien geflogen worden, wie die britische Nachrichtenagentur PA berichtete. Der Deutsche lebe in Großbritannien.

Ging Infektionskette von Ehepaar aus?

Nach jüngsten Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt es im Zusammenhang mit dem Ausbruch sechs bestätigte Hantavirus-Fälle und zwei Verdachtsfälle. Drei Menschen starben, darunter eine Deutsche. Die WHO geht davon aus, dass sich ein niederländisches Ehepaar vor der Einschiffung in Argentinien infiziert haben könnte.

Experten: Keine große Gefahr wegen Hantavirus im Südwesten

Experten schätzen das Risiko einer Hantavirus-Ansteckung in Baden-Württemberg grundsätzlich als sehr gering ein. Zwar treten auch im Südwesten Jahr für Jahr Infektionen mit dem Hantavirus auf, teilte das Landesgesundheitsamt (LGA) in Stuttgart mit. Es handele sich dabei jedoch um einen anderen Virustypen als auf dem Schiff. Die in Südamerika auftretende Unterart "Andes" sei nicht mit dem in Baden-Württemberg regelmäßig auftretenden Typ "Puumala" vergleichbar.

Eine Ansteckung ist laut WHO zudem nur bei direktem und längerem Kontakt mit infizierten Menschen möglich. Die meisten Infektionen verliefen mild oder asymptomatisch; schwerere Verläufe treten vor allem bei Menschen mit Vorerkrankungen auf.

Starke Schwankungen bei den Fallzahlen

Vielen dürfte die seltene Infektionskrankheit daher bislang kaum bekannt gewesen sein. Im Südwesten infizieren sich jedes Jahr mehrere Dutzend Menschen mit dem "Puumala"-Typ des Hantavirus. Auffällig sind dabei die teils starken Schwankungen bei den Fallzahlen.

Quelle: dpa

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