Baden-WürttembergProzess gegen Bestatter startet: Zahngold von Toten geklaut?

Es sind schwerwiegende Vorwürfe gegen einen ehemaligen Bestatter der Stadt Freiburg. Mehr als zehn Jahre lang soll er Verstorbenen Zahngold und Wertgegenstände gestohlen haben.
Freiburg (dpa/lsw) - Weil er unter anderem mehr als acht Kilogramm Zahngold von Toten geklaut haben soll, beginnt heute (9.00 Uhr) gegen einen Bestatter der Prozess vor dem Amtsgericht Freiburg. Dem 63-Jährigen wird Störung der Totenruhe in Tateinheit mit Verwahrungsbruch in mindestens 250 Fällen vorgeworfen, in 50 Fällen zudem in Tateinheit mit Diebstahl. Seine 41 Jahre alte Ehefrau ist wegen Beihilfe angeklagt.
Der Mann war nach Angaben des Gerichts bis Ende Oktober 2024 beim Eigenbetrieb Friedhöfe der Stadt Freiburg als Bestatter angestellt. Ab 2013 soll er seine Stellung ausgenutzt und in mehreren hundert Fällen etwa Zahngold, Füllungen und Kronen aus den Gebissen von Verstorbenen entnommen haben, die zur Einäscherung vorgesehen waren. Dabei habe er teilweise grobe Gewalt und Werkzeuge eingesetzt. Das Gold habe er anschließend verwertet und verkauft. Außerdem soll er den Leichen Schmuck, Uhren und andere Wertgegenstände abgenommen haben, um sie für sich zu behalten.
Die Ehefrau soll ihn unterstützt haben, indem sie den späteren Verkauf des Zahngolds und des Schmucks zusagte und sich teilweise selbst an der Entnahme beteiligte. Zwischen 2013 und 2024 sollen mehr als acht Kilogramm Zahngold und rund 360 Gramm Goldschmuck für insgesamt knapp 250.000 Euro verkauft worden sein.
Dem Mann wird zudem vorgeworfen, Fotos von einem weiblichen Mordopfer gemacht und an Dritte verschickt zu haben. Ein Urteil in dem Prozess könnte kommenden Mittwoch fallen.