Baden-WürttembergSohn in Klinik vergiftet? Prozess gegen Mutter

Weil sie laut Anklage Aufmerksamkeit haben wollte, soll eine junge Mutter ihrem Frühgeborenen auf einer Intensivstation eine Überdosis Koffein verabreicht haben. Nun steht sie deswegen vor Gericht.
Tübingen (dpa/lsw) - Hat sie ihrem Sohn in einem Krankenhaus in Tübingen eine Überdosis Koffein gespritzt, um selbst mehr Aufmerksamkeit zu bekommen? Wegen dieses Vorwurfs der Staatsanwaltschaft muss sich eine 25 Jahre alte Frau von Mittwoch an (9.00 Uhr) vor dem Landgericht Tübingen verantworten. Für den Prozess hat das Gericht zunächst acht Verhandlungstermine angesetzt. Ein Urteil könnte demnach Mitte Oktober fallen.
Die Staatsanwaltschaft wirft der Frau versuchten Mord vor. Sie soll den Ermittlungen zufolge ihrem frühgeborenen Sohn, der in Tübingen auf einer Intensivstation versorgt wurde, heimlich eine Überdosis Koffein verabreicht haben. Dadurch sei der Säugling mehrere Tage in einem lebensbedrohlichen Zustand gewesen, teilte das Gericht mit. Die Anklage geht davon aus, dass die Mutter damit Aufmerksamkeit und Zuwendung für sich selbst haben wollte.
Einen ähnlichen Fall hatte es im vergangenen Jahr in Heidelberg gegeben. Dort war eine 26 Jahre alte Mutter zu drei Jahren Haft verurteilt worden, weil sie ihrer dreijährigen Tochter mehrfach über einen Venenzugang Keime gespritzt haben soll. Ein Sachverständiger vermutete in dem Fall das Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom. Eltern, die diese Störung haben, machen ihre Kinder absichtlich krank, um Anerkennung zu bekommen und sich selbst als aufopferungsvolle Menschen darzustellen.