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HessenHitze auf der Schulbank - was kann man beachten?

26.08.2026, 04:03 Uhr

Temperaturen über 30 Grad Celsius im Klassenzimmer: In diesem Sommer sicher kein Einzelfall. Verantwortliche sehen das Problem. Aber wie kann man vorbeugen?

Groß-Zimmern (dpa/lhe) - Bei Temperaturen von weit über 30 Grad Celsius dürfte in diesem Sommer so manchen Mädchen und Jungen auf der Schulbank der Schweiß gelaufen sein. Auch in Klassenzimmern gab es vor den Ferien schon über 30 Grad. Besserung ist wohl auch in den kommenden Jahren kaum nicht in Sicht.

Die Möglichkeiten für kühlere Unterrichtsräume müssen Experten zufolge an jedem Schulgebäude individuell eruiert werden. Grünere Schulhöfe, kleinere Fensterflächen, Jalousien, Lüftungssysteme, die vor Unterrichtsstart runterkühlen, damit Kinder nicht von einer überhitzen elterlichen Wohnung in ein überhitztes Klassenzimmer müssen: All das ist denkbar. Bei Neubauten können höhere Häuser in der Umgebung oder vorhandene Baumreihen als Schattenspender genutzt werden.

Die Landesschülervertretung hatte schon zum Start ins neue Schuljahr wirksame Schutzmaßnahmen gefordert. Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sieht hier Defizite. Eine Grundschule im südhessischen Groß-Zimmern hat eine Lösung gefunden.

Große Unterschiede bei Investitionen

"Systematische Bestrebungen für einen besseren Hitzeschutz an den hessischen Schulen hat es bislang nicht gegeben", bemängelt der GEW-Vorsitzende in Hessen, Thilo Hartmann. Eine landesweite Richtlinie für den Schulbau, die bauliche Standards auch zum Hitzeschutz landesweit regele, existiere nicht. Wie die regelmäßigen Erhebungen zu Schulbauinvestitionen zeigen, investierten die Schulträger in den letzten Jahren extrem unterschiedlich in ihre Schulgebäude. Die Spanne reiche von gut 300 Euro pro Schüler und Jahr in der Stadt Kassel bis zu 1.500 Euro im Hochtaunuskreis. "Bei den meisten Schulgebäuden besteht nach unserer Einschätzung Handlungsbedarf."

Konzentrations- und Leistungsfähigkeit nehmen ab

"Berichte über stark aufgeheizte Klassenräume sind längst keine Einzelfälle mehr", sagt Landesschulsprecher Laurenz Spies. Auch an seiner eigenen Schule habe er Temperaturen von über 35 Grad in einem Klassenraum erlebt. Vergleichbare Erfahrungen würden auch aus anderen Schulen geschildert.

"Das ist aus unserer Sicht nicht nur eine Frage des persönlichen Wohlbefindens, sondern ein ernsthaftes Bildungsproblem." Bei hohen Temperaturen nähmen Konzentrations- und Leistungsfähigkeit ab, gleichzeitig könnten gesundheitliche Beschwerden wie Kopfschmerzen, Erschöpfung oder Kreislaufprobleme auftreten.

"Wir kritisieren deshalb, dass die derzeitigen Regelungen bei großer Hitze zu unverbindlich sind. Es braucht klare und landesweit einheitliche Vorgaben dazu, ab welchen Temperaturen welche Schutzmaßnahmen ergriffen werden müssen", sagt Spies. Die eigentliche Lösung bestehe darin, Schulgebäude so auszustatten und zu sanieren, dass Unterricht auch während Hitzeperioden möglich bleibe.

Landesweiter Hitzecheck nötig

"Dazu fordern wir unter anderem einen landesweiten Hitzecheck der Schulgebäude, ein dauerhaft finanziertes Sanierungsprogramm, besseren Sonnen- und Wärmeschutz, mehr Begrünung sowie kostenlose Trinkwasserspender an allen Schulen", sagt Spies. Gleichzeitig dürfe Hitzefrei auf Dauer nur die Notbremse sein.

Hitzefrei ist für den Schulleiter der Grundschule im Angelgarten in Groß-Zimmern, Sebastian Albert, kein Thema. Man könne die Kinder ja nicht einfach heim schicken. Es müssten alle Eltern der rund 220 Kinder angerufen werden, ob eine Betreuung überhaupt gewährleistet sei. Werde es drinnen zu warm, werde der Unterricht auf schattige Grünflächen nach draußen verlegt.

Lüftungssystem bringt kühlere Temperaturen

"Das Feedback von Lehrkräften ist sehr positiv. Es gibt ein gutes Lernklima auch was die Temperaturen angeht", sagt Albert über den im letzten Winter bezogenen Neubau. Dort hat jedes Klassenzimmer und jeder Schulungsraum ein eigenes Lüftungssystem, um die Temperaturen zu drücken. Mit der Anlage sei es kein Problem, auch bei 42 Grad zu unterrichten.

"Es ist nicht die Absicht, die Temperaturen auf 20 Grad zu halten", sagt Michael Lohn vom Da-Di-Werk des Kreises Darmstadt-Dieburg als Schulträger. Man versuche, zum Start des Unterrichts die Temperaturen angenehm zu halten. Die Lüftungssysteme seien autarke Systeme mit einer kleinen Wärmepumpe, die im Winter heizen und im Sommer die Temperatur drücken könne. Klimaanlagen seien wartungsintensiv.

Bei jedem Gebäude eigene Abwägung

"Wir haben die sommerlichen Temperaturen ganz oben auf der Agenda", sagt der technische Betriebsleiter des Da-Di-Werks, Holger Gehbauer. Für Neubauprojekte gebe es diese Kühlungsanlagen. Bei der Anlage würden Sensoren zudem die Sonneneinstrahlung erfassen und die Jalousien runterfahren.

Bei Neubauten - im Kreis gibt es 84 Schulen mit mehr als 600 Gebäuden - würden zudem vorhandene Schattenspender wie höhere Häuser oder Baumreihen berücksichtigt. Alle Schulen seien zudem mit Trinkwasserspendern ausgestattet. Wie man Hitzeschutz umsetze, sei bei jedem Gebäude eine neue Abwägung.

Handlungsempfehlungen des Landes

Nach Angaben des Kultusministeriums können die Kreise und kreisfreien Städte als Schulträger von Land und Bund unterstützt werden. "Die Schulträger können sich für bauliche Maßnahmen oder die Ausstattung von Schulen zudem von der Landesenergieagentur gezielt beraten lassen." Die jeweilige Schulleitung müsse entscheiden, wie mit Hitze umgegangen werde. Im Hitzeaktionsplan des Landes gebe es zudem Empfehlungen wie Trinkpausen oder das Lüften der Klassenräume am kühleren Morgen. Zum Start in das neue Schuljahr sei beim hessischen Kompetenzzentrum Gesunde Schule zudem eine Hotline geschaltet worden.

Quelle: dpa

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