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BayernGemeinsamer "Reli"-Unterricht bleibt in Bayern die Ausnahme

10.09.2026, 04:04 Uhr
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Niedersachsen führt den evangelischen und katholischen Religionsunterricht zusammen. Ein Modell auch für Bayern? Nachfrage beim Ministerium und bei den Kirchen zum neuen Schuljahr.

München (dpa/lby) - Das Bundesland Niedersachsen will schrittweise den Religionsunterricht der beiden großen christlichen Konfessionen zusammenlegen - in Bayern aber soll alles bleiben wie bisher. "Derzeit zeichnet sich nicht ab, dass andere Bundesländer dem niedersächsischen Beispiel folgen", teilten Oberkirchenrat Stefan Blumtritt für die evangelische Landeskirche ELKB und der Chef des Katholischen Büros in Bayern, Matthias Belafi, gemeinsam mit. "Auch in Bayern halten die Kirchen am konfessionellen Religionsunterricht fest und wollen den erfolgreich eingeschlagenen Weg der konfessionellen Kooperation weitergehen."

Das heißt: In den meisten Schulen im Freistaat wird es für die Schülerinnen und Schüler weiterhin "Reli" in getrennten Gruppen geben. Doch es gibt Ausnahmen, nämlich den "konfessionellen Religionsunterricht mit erweiterter Kooperation (RUmeK)" an Grund- und Mittelschulen: Unter bestimmten Voraussetzungen können katholische und evangelische Kinder einen gemeinsamen Religionsunterricht besuchen.

Diese Zusammenarbeit ist möglich

Dieses Modell kann greifen, wenn eine Konfession keine eigene Gruppe für einen konfessionellen Unterricht bilden kann. Diese Schülerinnen und Schüler können dann gemeinsam mit den Kindern der anderen Konfession unterrichtet werden.

Die Erfahrungen seien sehr positiv, schrieben Blumtritt und Belafi. "Das Modell hat sich dort bewährt, wo aufgrund regionaler Gegebenheiten, veränderter Schülerzahlen oder fehlender Lehrkräfte der jeweiligen Konfession neue organisatorische Lösungen erforderlich wurden." Das sei aber kein flächendeckendes Modell, "sondern eine Möglichkeit, auf besondere Situationen vor Ort qualitätsvoll zu reagieren". Die hohe Akzeptanz bei Schulen, Lehrkräften und Familien zeige, "dass dieser Weg trägt". Auch aus dem Kultusministerium heißt es: "Das Modell hat sich bewährt und wurde mittlerweile verstetigt."

Im vergangenen Schuljahr wurden bayernweit 42.380 Schülerinnen und Schüler nach diesem Modell unterrichtet - und zwar in rund 600 staatlichen Grund- und Mittelschulen. Im Schuljahr zuvor waren es lediglich 430.

Und dann gibt es noch das Modell "KoRUk" (Konfessioneller Religionsunterricht kooperativ) in der ersten und zweiten Grundschulklasse. Auch damit kann eine Gruppe katholischer und evangelischer Kinder gemeinsam unterrichtet werden.

Das Modellprojekt greift nach Ministeriumsangaben dann, wenn aus organisatorischen Gründen keine Gruppenbildung für den konfessionell gebundenen Religionsunterricht möglich ist und es keine klare Mehrheit von evangelischen oder katholischen Kindern in der Klasse gibt. Die Schülerinnen und Schüler werden dann entweder von einer evangelischen oder katholischen Lehrkraft unterrichtet, der Lehrplan richtet sich nach der Konfession des Lehrers oder der Lehrerin.

So viele Schüler besuchen den "Reli"-Unterricht

Insgesamt wurden rund 601.000 Schülerinnen und Schüler im vergangenen Schuljahr an staatlichen Schulen im Fach katholische Religionslehre unterrichtet, 264.000 besuchten den evangelisch-lutherischen Religionsunterricht - und 471.000 Kinder und Jugendliche gingen in den Ethikunterricht. Ein Sonderfall ist der islamische Unterricht, der kein bekenntnisorientierter Religionsunterricht ist, sondern ein staatlich verantwortetes, islamkundliches Angebot, wie das Ministerium betonte. Rund 23.000 Schülerinnen und Schüler besuchten demnach diese Stunden.

Ob der "Reli"-Unterricht angesichts sinkender Mitgliederzahlen der katholischen und evangelischen Kirche eine Zukunft hat, entscheidet sich nach Worten von Blumtritt und Belafi nicht "zuerst an seiner Organisationsform, sondern an seiner Bildungsqualität und Bildungsrelevanz".

Kinder und Jugendliche wüchsen heute in einer religiös und weltanschaulich vielfältigen Gesellschaft auf. "Gerade deshalb brauchen sie Orte, an denen sie Fragen nach Sinn, Verantwortung, Glauben und Zusammenleben stellen und reflektieren können." Religionsunterricht solle jungen Menschen Orientierung ermöglichen, sie mit den Grundlagen des christlichen Glaubens vertraut machen und sie dabei unterstützen, eine eigene Position zu Fragen des Glaubens, der Verantwortung und des Zusammenlebens zu entwickeln.

"Beitrag zur Demokratiefähigkeit"

Guter Religionsunterricht gehe dabei über die reine Vermittlung von Wissen hinaus, betonten die beiden kirchlichen Experten. "Er stärkt die Fähigkeit, unterschiedliche Perspektiven wahrzunehmen, religiöse und weltanschauliche Vielfalt zu verstehen und respektvoll mit anderen Überzeugungen umzugehen. Darin liegt auch ein wichtiger Beitrag zur Demokratiefähigkeit junger Menschen."

In Niedersachsen startete mit Beginn des neuen Schuljahres Mitte August auch das neue Fach Christliche Religion, bei dem die bisher getrennten Fächer evangelische und katholische Religion zusammengeführt werden. Den Vorschlag für dieses Konzept machten die Kirchen in dem Bundesland selbst.

Quelle: dpa

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